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Demos:"Wenn wir nicht in die Schule gehen, sehen die Politiker, dass es uns ernst ist"

Die 13-jährige Maria und ihre zwölf Jahre alten Freundinnen Lilo und Paula (von links) setzen den Klimaschutz in ihrem Alltag um. In der Umgebung des Obergrashofes in Dachau halfen sie zuletzt bei einem großen Ramadama.

(Foto: Toni Heigl)

Die zwölfjährigen Lilo Müllner, Paula Brandes und Maria Strunz gehen nicht nur freitags demonstrieren. Sie sammeln auch Müll auf und verzichten auf ein Smartphone.

Freitag für Freitag treten weltweit Jugendliche in den Schulstreik, versammeln sich auch in München auf der Theresienwiese, demonstrieren gegen das Versagen der Klimapolitik. Auch junge Leute aus dem Landkreis sind unter den Klimaschutz-Aktivisten.

So wie Lilo Müllner, die mit ihrer Familie am Hofgut Obergrashof lebt und sich mit ihren Freundinnen Paula Brandes und Maria Strunz aktiv und engagiert für den Umweltschutz einsetzt. Nur mit den Fridays-for-Future-Kundgebungen ist es nicht getan, finden die zwölf- und dreizehnjährigen Mädchen.

"Wir wollen praktisch etwas für die Umwelt machen"

"Wir wollen praktisch etwas für die Umwelt machen", sagt Maria. Deshalb sammeln sie Müll im Park oder in der Landschaft, verteilen selbst gestaltete Flyer, sprechen Leute an, diskutieren mit Schulfreunden, engagieren sich in der Greenpeace-Jugend und versuchen, ganz persönlich so umwelt- und klimabewusst wie möglich zu leben. Als nächstes planen sie einen Infostand. "Damit wir noch mehr Leute erreichen."

Schon länger sind die drei Mädchen gemeinsam mit anderen Jugendlichen in einem "Greenteam" aktiv, einer Gruppe junger Leute die sich unter dem Dach von Greenpeace für den Umweltschutz einsetzt. Von den Freitagsdemos hatten sie gehört. "Weil wir alle drei kein Smartphone haben, also auch nicht Whatsapp oder Instagram nutzen, wussten wir nichts Genaues, sind einfach mal auf gut Glück hingefahren."

"Wenn wir nicht in die Schule gehen, sehen die Politiker, dass es für uns Kinder eine ernste Angelegenheit ist"

Seitdem nehmen sie immer mal wieder teil an den Freitagskundgebungen, gehen nach der Pause und fahren von ihrer Schule gemeinsam mit der S-Bahn los. Auch in den Ferien waren sie dort, doch den Unterricht ausfallen zu lassen, nicht jede Woche, aber doch ab und zu, das finden die drei Mädchen gerechtfertigt und wichtig. Nur so erreiche die Aktion die nötige Aufmerksamkeit, sind sie überzeugt. "Wenn wir nicht in die Schule gehen, sehen die Politiker, dass es für uns Kinder eine ernste Angelegenheit ist", sagt Maria. Eine Demo am Nachmittag bekäme bei weitem nicht dieses öffentliche Interesse, denkt Lilo. Mit ihrer Teilnahme unterstützen sie die Forderung von Fridays for Future, das Pariser Klimaabkommen einzuhalten. "Da sind die Politiker gefragt", sagt Paula. Aber auch jeder einzelne kann zum Umweltschutz beitragen, sind die drei überzeugt. Allein wenn jeder Mensch nur ein klein wenig betragen würde, "das wäre ein riesiger Fortschritt."

Also mit S-Bahn und Bus zur Schule statt mit dem Eltern-Taxi, Hefteinband aus Recyclingpapier, Brotzeitboxen aus Metall statt Plastik, Pfandflaschen nutzen und auch zurückgeben, keine Lebensmittel kaufen, die zu weite Wege zurücklegen, auf exotische Früchte wie Mangos oder Avocados ganz verzichten, Erdbeeren nur im Sommer verspeisen, wenn sie in der Region wachsen. "Und überlegen, wenn etwas in Plastik verpackt ist", sagt Paula.

"Traurig, dass die Politiker nichts tun"

Die jungen Umweltaktivistinnen achten im Alltag genau auf ihren ökologischen Fußabdruck. Die eigene Familie müssen die drei nicht erst überzeugen, alle leben sehr umweltbewusst. Doch in der Schule würden sich Lilo, Maria und Paula noch mehr Informationen wünschen. Die Fridays-for-Future-Demos hätten noch nicht zum großen Durchbruch geführt. "Traurig, dass die Politiker nichts tun." Also weiter selbst anpacken.

So wie kürzlich, als sie die Kinder vom Bauernhofkindergarten Obergrashof beim Ramadama auf den Wiesen und Ufern am Hofgelände unterstützt haben. "Da waren wir schon überrascht, wie viel Unrat da rumliegt, riesige Planen, Eimer, Flaschen und viel Plastik." Als nächstes planen die drei Mädchen einen Infostand, wollen Flyer verteilen, Menschen ansprechen und bienenfreundliche Pflanzen verlosen. Etwas bewegen im Kleinen.