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Dachau:Schluss mit dem Chaos

Die Stadt Dachau plant ein zweistöckiges Fahrrad-Parkhaus auf der Ostseite des Bahnhofs mit 1240 Stellplätzen. Das Gebäude, in das auch ein öffentliches WC integriert wird, soll 1,6 Millionen Euro kosten.

Von Petra Schafflik

Bisher stehen die Fahrräder kreuz und quer am Dachauer Bahnhof. Solche Zustände sollen eine Ende haben, wenn die Fahrradhalle kommt.

(Foto: DAH)

Wer täglich mit dem Fahrrad zum S-Bahnhof strampelt, kennt das Dilemma: Einen halbwegs vernünftigen Stellplatz für das Radl zu finden, ist schwierig. Die vorhandenen Fahrradständer sind meist belegt.Oft blockieren uralte Blechruinen die Einstellplätze, sicher anschließen lässt sich ein Fahrrad auch nicht. Dieser Missstand wird bald beendet. Nachdem die Stadt das entsprechende Grundstück von der Bahn kaufen konnte, soll eine bereits seit sieben Jahren geplante Fahrradhalle an der Ostseite des Bahnhofs nun entstehen. Nach dem Motto: "Wenn schon, denn schon" votierte der Bauausschuss einstimmig dafür, gleich ein zweistöckiges Bike & Ride-Parkhaus zu bauen, um möglichst viele Stellplätze zu schaffen. Ein öffentliches WC wird ins Gebäude integriert. Vorgesehen ist, die Radlhalle südlich des Bahnzugangs zu bauen. Auf Vorschlag von Bündnis-Stadtrat Kai Kühnel wird nun geprüft, ob das Gebäude ganz oder teilweise nach Norden Richtung Schleißheimer Straße verschoben werden kann.

Die Chance, hier ein drängendes, uraltes Problem zu lösen, wollen alle Fraktionen offensichtlich jetzt beherzt ergreifen. Von den vier Varianten, die das beauftragte Planungsbüro vorbereitet hatte, ließ man sich auf Vorschlag von CSU-Stadtrat Erwin Zehrer nur die einzige zweistöckige Version vorstellen. Die Anregung, auf zwei Etagen zu planen und damit die Kapazität zu erhöhen, kommt vom Runden Tisch Radverkehr. Unter dem Titel "Radbox2" hat Planer Anton Meyer vom Dachauer Büro "pmp Architekten" einen zwölf Meter breiten und 70 Meter langen Baukörper entworfen, der direkt entlang der Bahngleise entstehen würde. Das Gebäude umhüllt nach Meyers Entwurf eine durchlässige Fassade aus Stahlblechen in Form von stilisierten Fahrradreifen. In der Radlhalle entstehen 1240 Stellplätze auf zwei Ebenen, im Gegenzug wegfallen müssten dafür die dort vorhandenen 275 Radlständer. Vorgesehen hat Planer Meyer zusätzlich im Erdgeschoss spezielle Stellflächen für Fahrradanhänger oder Liegeräder wie auch abschließbarer Mietboxen, die mit einer Ladestation für Pedelecs ausgestattet werden sollen. Eingeplant ist ebenso ein öffentliches WC. Die Baukosten für das Fahrradhaus samt Toiletten werden 1,6 Millionen Euro betragen, für den laufenden Unterhalt mit Reinigung, Müllentsorgung und Winterdienst sind rund 65 000 Euro jährlich kalkuliert.

Ein überzeugendes Konzept, befand Verkehrsreferent Volker C. Koch (SPD). Das hinlänglich bekannte "Chaos" bei den Radlständern am Bahnhof könne so bereinigt werden. Aktuell sind am Bahnhof rund 1100 Stellplätze auf vier Flächen westlich wie östlich des Bahnsteigs vorhanden. Weil aber viel mehr Fahrräder noch irgendwie abgestellt werden, herrscht das besagte Durcheinander. Die "zukunftsträchtigste Lösung" sei es deshalb, so viele Stellplätze wie möglich zu schaffen, sagte Koch, der auch für alle Extras einschließlich der Toiletten plädierte. "Wir sollten einmal diesen Wurf machen". Die CSU sprach sich ebenfalls für die "Maximallösung" aus. Das sei einer 50 000-Einwohner-Stadt angemessen, betonte CSU-Sprecher Erwin Zehrer.

Einzig offen ist noch die Frage, wo genau das Fahrradhaus platziert werden soll. Geplant war, das Bauwerk direkt südlich des Bahnzugangs zu errichten. Also auf einer Teilfläche des asphaltierten Areals, wo derzeit Autos parken. Weil aber für die Zukunft ein Radweg entlang der Bahn Richtung Schleißheimer Straße geplant ist, befürchtet der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) Konflikte, wenn Radler auf dem Weg zur Fahrradhalle den Zugang zum Bahnhof queren müssen. Auf Anregung von Stadtrat Kai Kühnel wird nun bis zur Mai-Sitzung des Bauausschusses geprüft, ob das Rad-Parkhaus geteilt oder komplett Richtung Norden geschoben werden soll. Den Einwurf der CSU-Fraktion, keine Zeit mehr zu verlieren, entkräftete Oberbürgermeister Peter Bürgel (CSU). "Wir geben soviel Geld aus, dann sollten wir auch die beste Lösung finden." Vorgabe aller Überlegungen ist, mit der Fahrradhalle nicht die Option für ein Autoparkhaus zu verbauen, das nördlich des Bahnzugangs noch möglich sein soll.

© SZ vom 27.03.2014

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