Dachau Schilhabel will Elefant Benjamin schützen

Die parteilose Stadträtin in Dachau hat Strafanzeige gegen den Circus Luna wegen nicht artgerechter Haltung eines Wildtiers gestellt. Außerdem kritisiert sie das Veterinäramt wegen angeblicher Fehleinschätzung.

Von Benjamin Emonts

Da staunten die Dachauer, als Elefantenkuh Benjamin mit Walter Alois Frank vom Circus Luna durch die Altstadt marschierte.

(Foto: Toni Heigl)

Vor zwei Wochen noch spazierte Elefantenkuh Benjamin durch die Dachauer Altstadt. Auf Promotion-Tour für den Circus Luna, mit dem er in der Kreisstadt Halt gemacht hat, sollte der Elefant Gäste anlocken. Mehr nicht. Inzwischen aber ist Benjamin zum Gegenstand des öffentlichen Interesses geworden, ja, sogar die Polizei interessiert sich für ihn. Grund dafür ist eine Strafanzeige der fraktionslosen Stadträtin Elisabeth Schilhabel. Sie wirft dem Zirkus vor, den Elefanten nicht artgerecht zu halten. Außerdem hätte das Dachauer Veterinäramt eine Genehmigung für einen Auftritt des Zirkusses verhindern müssen. Auch gegen die Behörde erhob sie Strafanzeige.

Proteste von Tierfreunden und -schützern gegen die Wildtierhaltung in Zirkussen sind nun wahrlich nichts Neues. Erst kürzlich etwa wurde im Internet eine Petition gegen den deutschen Branchenprimus Circus Krone gestartet. 1690 Personen hatten das Ersuchen bis Fristende unterschrieben. In Dachau regten sich vor zwei Wochen Proteste: 30 Tierschützer hatten sich vor das Zelt des Circus Luna gestellt und demonstriert: "Tiere haben Rechte" stand auf ihrem rot leuchtenden Plakat.

Schilhabel begründet ihre Strafanzeige mit den Zirkusleitlinien des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Darin heißt es über die Haltung von Elefanten: "Da es sich um sozial lebende Tiere handelt, dürfen Elefanten grundsätzlich nicht alleine gehalten werden. Dies gilt nicht für Elefantenbullen."

Benjamin ist zwar kein Elefantenbulle, lebt aber seit 13 Jahren ohne Artgenossen. Darauf bezieht sich Stadträtin Schilhabel in ihrer Attacke auf den Zirkus. Darin weiß sie sich einig mit der Tierschutzorganisation Peta. Auf ihrer Webseite warnt Peta, "die Elefantendame Benjamin sei durch jahrelange tierquälerische Haltung beim Circus Luna unberechenbar geworden". Peta beruft sich auf einen Vorfall aus dem Jahr 2010, als ein Mann von dem Elefanten lebensgefährlich verletzt wurde: Er verlor eine Niere und lag im Koma. Alexandra Fink, Tiertrainerin des Circus Luna, räumt im Gespräch mit der SZ in Dachau den Vorfall ein. Allerdings klingt ihre Version ganz anders: "Der Mann ist zwischen den Elefanten und den Zaun gegangen. Es war sein Fehler. Deshalb hatte der Vorfall auch keine strafrechtlichen Folgen." Ob sich das nach Schilhabels Anzeige nun ändert, ist unklar. Betina Brühl, Mitarbeiterin des Dachauer Veterinäramts, das den Zirkus kontrolliert hat, bekam aber bereits einen Anruf von der Polizei. Sie solle die Ergebnisse der Kontrolle vom 19. September liefern. Brühl sagt der SZ: "Der Circus Luna liefert keinen Grund zu Beanstandungen, die Tiere befinden sich in einem guten Ernährungs- und Pflegezustand, die Gehege sind groß genug." Wie sie weiter darlegt, kontrolliert das Veterinäramt fast alle Zirkusse, die im Landkreis Vorstellungen geben wollen. "In den vier Jahren, in denen ich hier arbeite, gab es noch nie größere Beanstandungen."

Trotzdem hat das Veterinäramt im Fall des Circus Luna mit einer Spezialeinheit des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) zusammengearbeitet. Die hatte nämlich im Juli noch gravierende Mängel in der Tierhaltung festgestellt. Pressesprecherin Claudia Schuller betont allerdings, dass diese Mängel behoben worden seien. Das habe die Nachkontrolle am 19. September in Karlsfeld, wo der Zirkus ebenfalls gastierte, ergeben.

Trotzdem bleibt die Frage, weshalb Elefantenkuh Benjamin allein gehalten werden darf. Claudia Schuller sagt: "Es kann Ausnahmen geben, wenn Tiere extrem menschengeprägt sind, ihr Leben lang ohne Artgenossen gelebt haben und nicht vergesellschaftbar sind." Der Circus Luna habe kürzlich ein medizinisches sowie ein verhaltensbiologisches Gutachten in Auftrag gegeben, das später behördlich überprüft werden soll. Spätestens nach der Auswertung soll Klarheit darüber herrschen, ob Benjamin gefährlich ist. "Er ist halt ein Einzelelefant", sagt seine Tiertrainerin Alexandra Fink.