Dachau Ringen um ein Stück Natur

Eine landwirtschaftliche Nutzung soll weiter möglich sein, auch wenn zwischen Würm und Tiefem Graben ein Landschaftsschutzgebiet ensteht, versicherte Landrat Löwl.

(Foto: Toni Heigl)

Zwischen Dachau und Karlsfeld wird es ein neues Landschaftsschutzgebiet geben. Strittig ist nur, welche Flächen es umfasst. Die Fachbehörden sollen jetzt die Vorschläge der Kommunen prüfen

Von Robert Stocker, Dachau

Der Streit um ein Landschaftsschutzgebiet zwischen Dachau und Karlsfeld geht allmählich in die entscheidende Phase. Die beiden Kommunen haben Vorschläge für die Ausweisung von Flächen gemacht, die sich aus ihrer Sicht für ein Landschaftsschutzgebiet eignen. Der Bund Naturschutz (BN) und der Naturschutzbeirat haben Planungen vorgelegt, die über die Vorschläge der Kommunen hinausgehen. Wie das Landschaftsschutzgebiet zwischen Würm und Tiefem Graben letztlich aussehen wird, sollen die Fachbehörden in den nächsten Wochen und Monaten prüfen. Der Umwelt- und Kreisausschuss empfahl in seiner Sitzung am Freitag dem Kreistag, ein Verfahren für die Ausweisung eines Landschaftsschutzgebiets einzuleiten. Grundlage dafür sollen die Vorschläge Dachaus und Karlsfelds sein.

Die Stadt Dachau beantragte im April vergangenen Jahres, das Gelände südlich der Schleißheimer Straße zwischen Würm und Tiefem Graben als Landschaftsschutzgebiet auszuweisen. Miteingeschlossen ist bisher die Kleingartenanlage und die Fläche an der Kufsteiner Straße, auf der sich die Sammelunterkunft für Flüchtlinge befindet. Der Gemeinde Karlsfeld schwebt ein Landschaftsschutzgebiet als Pufferzone zwischen dem Naturschutzgebiet Schwarzhölzl und dem Gebiet der Stadt Dachau vor. Ausgenommen ist ein Areal südlich der Schleißheimer Straße, auf dem ein Gewerbegebiet entstehen soll. Der Bund Naturschutz fordert einen größeren Umgriff und will Areale westlich der Bahn und südwestlich der B 304 mit Würm und Waldschwaigsee miteinbeziehen. Der Naturschutzbeirat unterstützt diesen Vorschlag, fordert aber zusätzlich einen 50 bis 100 Meter langen Korridor an beiden Seiten der B 471. Dort soll jegliche Bebauung - auch eine landwirtschaftliche - verboten werden. Ein Teil der Fläche an der Schleißheimer Straße, auf der Karlsfeld ein Gewerbegebiet plant, soll entgegen des BN-Vorschlags gestrichen werden.

Der Umwelt- und Kreisausschuss ging nicht näher auf die inhaltlichen Unterschiede aller Vorschläge ein. Landrat Stefan Löwl (CSU) stellte fest, dass es jetzt nur um die Entscheidung gehe, ob der Landkreis in das Verfahren einsteigen wolle. Einige Anlieger, deren Betriebe in dem geplanten Landschaftsschutzgebiet liegen, verfolgten die Sitzung. Sie machen sich Sorgen um ihre Zukunft. Der Landrat versicherte, dass Landwirtschaft dort weiter möglich sein werde. Löwl: "Was bisher genehmigungsfrei war, soll so bleiben." Für Kreisrat Franz Eichinger (FW) ist aber nicht von der Hand zu weisen, dass die Ausweisung eines Landschaftsschutzgebiets "ein massiver Eingriff in das Recht der Grundeigentümer ist". Sie bedeute für die Eigentümer einen Wertverlust. Dagegen könnten sie klagen. Er selbst sei zwischen Landschaftsschutz und den berechtigten Privatinteressen hin- und hergerissen. Peter Gradl (FW) appellierte: "Lasst die Bauern auf ihren Flächen friedlich weiterarbeiten."

Kreisrätin Mechthild Hofner (ÖDP) plädierte dafür, mit dem größtmöglichen Umfang des Landschaftsschutzgebiets in das Verfahren einzusteigen. Sie sprach sich ausdrücklich für das Landschaftsschutzgebiet aus. "Es hätte Signalwirkung, wenn wir uns hier nicht dem Siedlungsdruck beugen." Die Kommunalpolitik habe die moralische Pflicht, ein schönes Stück Natur zu erhalten. Dachaus Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) zeigte sich erstaunt, dass die Kleingartenanlage am Tiefen Graben aus dem Landschaftsschutzgebiet herausgenommen werden soll. Die Erwartung, dass die Fläche Bauland werden könnte, sei spekulativ. Zudem glaube er nicht, "dass die Landwirte an einem Landschaftsschutzgebiet zugrunde gehen". Für den Fall, dass eine Einigung über einen neuen Pachtvertrag für das Areal mit der Flüchtlingsunterkunft an der Kufsteiner Straße zustande kommt, kündigte Hartmann eine Änderung des Flächennutzungsplans an.

Michael Reindl (FW) und Josef Riedlberger (CSU) plädierten dafür, nicht voreilig über Inhalte zu entscheiden. Sebastian Leiß (FWD) ist der Ansicht, dass das Areal keine schützenswerte Landschaft sei, sondern nur ein Flickenteppich, für den es Ausnahmeregelungen gebe. "Die Karte für das Landschaftsschutzgebiet ist ein politischer Kompromiss." Die Freien Wähler Dachau seien gegen das Landschaftsschutzgebiet, weil sie die Entwicklungsmöglichkeiten der Kommunen und Landwirte schützen wollen. Letztlich empfahl der Ausschuss, in das Verfahren einzusteigen und die Vorschläge der Kommunen prüfen zu lassen. Die Variante der Naturschützer wird vorerst nicht geprüft.