„Können eigentlich alle Kinder schwimmen?“ Als ein Praktikant diese Frage im Sportunterricht stellt, antwortet der Sportlehrer: „Wird man ja von ausgehen können, wenn die alle mit dem Boot gekommen sind.“ Von diesem Gespräch erzählte einer der Teilnehmer bei einer Fortbildung des Kreisjugendrings Dachau zum Umgang mit Diskriminierung. Um Lehrkräfte und Betroffene zu unterstützen, die solche Situationen erfahren oder beobachten, gibt es seit etwa drei Monaten die Meldestelle des Kreisjugendrings Dachau.
Manuel Liebig, Leiter der Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Dachau und in der Gemeinde Karlsfeld, sagt, dass tatsächlich schon einige Meldungen eingetroffen seien – sowohl von Lehrern als auch von Schülern. Wie viele genau, sei schwierig zu sagen, da die Meldungen nicht systematisch erfasst werden. „Die Meldestelle ist nicht dafür gedacht, um zu dokumentieren, ob jemand etwas falsch macht“, erklärt Liebig. Vielmehr solle Betroffenen Unterstützung angeboten werden, wenn sie sich bedroht oder unsicher fühlen.
Die Meldestelle ist online. Wer einen Fall meldet, kann den eigenen Namen, Kontaktdaten und den Namen der Schule eingeben, muss aber nicht. Somit können Vorfälle anonym gemeldet werden. Wenn Schüler also Hilfe brauchen und Sorgen oder Ängste haben, haben sie einen niederschwelligen Zugang zur Meldestelle. Welche Maßnahmen dann aus ihren Berichten folgen, hängt vom jeweiligen Fall ab. Liebig erklärt, dass sich die Meldestelle bereits im Austausch mit betroffenen Schulen befinde, wo Maßnahmen wie schulinterne Projekttage geplant werden. Zudem wird derzeit an einem Präventionsprogramm gearbeitet, bei dem Schulen lernen sollen, mit Situationen wie extremistischen Äußerungen im Unterricht, Beleidigungen oder Mobbing richtig umzugehen.
Neben dem neuen Online-Angebot veranstaltete der Kreisjugendring in Dachau bisher bereits die jährliche Fortbildungsreihe „Diskriminierungsfrei?“, zusammen mit Aufstehen-gegen-Rassismus.de. Sie hilft Lehrern, mit Rechtsextremismus an Schulen umzugehen. Vor Kurzem ging es dort um das Thema „Mythos Neutralitätsgebot“. Dieser Begriff wird häufig von Rechtsradikalen verwendet, um Lehrkräfte zu maßregeln, die demokratische Grundwerte lehren. Allerdings gebe es kein Neutralitätsgebot der politischen Bildung, sondern lediglich ein parteipolitisches Neutralitätsgebot, erfuhren die Teilnehmer. Politische Bildung sei immer an ethische Werte gebunden und somit nicht neutral. Lehrer und Schüler könnten sich zusätzlich auch in der Schule auf ihre Grundrechte wie Meinungsfreiheit berufen, hieß es in dem Seminar. Allerdings dürften Lehrkräfte den Schülern nicht ihre Meinung aufdrängen. Erlaubt seien aber zutreffende Zitate, der Nachweis von Fake News, wahrheitsgemäße Berichte, Hinweise auf Behördenentscheidungen und Gerichtsurteile oder sachliche Bewertungen.

