Es gibt viele Wege, um die Welt besser zu machen, warum also nicht bei Gitarrenkabeln ansetzen? Die sind fast immer mit dem problematischen Kunststoff PVC ummantelt. Bei Cordial Sound & Audio Equipment, einem auf Veranstaltungstechnik spezialisierten Kabelhersteller aus Dachau, gibt es aber eine Ausnahme.
Seit zwei Jahren bietet die Firma die PVC-freie Produktlinie Ecocord an und hat dafür den German Innovation Award 2023 für herausragende Innovationsleistung erhalten. Dann den internationalen Designpreis Red Dot Award und zuletzt vor zwei Wochen den Ressourceneffizienzpreis des bayerischen Umweltministeriums.

Cordial hatte schon davor einen Namen in der Veranstaltungsbranche. Nicht umsonst liefert der mittelständische Betrieb seine Mikrofon-, Instrumenten-, Lautsprecher-, Licht- oder Datenkabel in über 65 Länder dieser Erde, USA und Asien inklusive. Rund 1250 Produkte sind im Portfolio, von der Meterware Instrumentenkabel bis zur Highflex-Verkabelung für Strom-Rennwagen von Studierenden der Uni Bochum.
So ein Kabel besteht nicht, wie man meinen könnte, einfach aus einem oder mehreren Kupferdrähten und einem Plastikmantel drumherum. Nachsichtig lächelnd erklärt Stefan Felbermeir, Product Manager bei Cordial, die Unterscheidungsmerkmale in puncto Qualität: „Wenn Sie im Tonstudio sitzen, hören Sie jede Nuance, da braucht es ein Kabel höchster Güte.“ Felbermeir versichert, Musiker könnten am Klang unterscheiden, ob die E-Gitarre an ein Billig-Kabel gestöpselt ist oder an eines besserer Qualität. Isolatoren, die Schirmung gegen Störeinflüsse, mehr oder weniger Kupfer im Draht, der Aufbau der Drähte – „die Konstruktion und verwendeten Materialien verändern den Datenfluss“, erklärt er.

Der 48-Jährige war die treibende Kraft hinter der Öko-Linie, seit er vor fünf Jahren als Product Manager zu Cordial kam. Der Betrieb selbst ist seit seiner Gründung vor 30 Jahren in Dachau ansässig, mittlerweile sind hier gut 30 Leute beschäftigt. Produziert wird in Deutschland, Europa und China, in Dachau sitzt die Hauptverwaltung.
Einen Großteil seiner Arbeitszeit beschäftigt sich Felbermeir mit Produkt-Compliance, da geht es um Normen, Vorschriften und Anforderungen an Produkte und ihre Inhaltsstoffe. Dass PVC-ummantelte Kabel die Regel sind, war ihm klar. Auch, dass es bei Cordial schon länger Überlegungen gibt, Alternativen zu dem Kunststoff zu verwenden. Denn PVC ist nicht natürlich abbaubar, nur schwer recycelbar und enthält Stoffe, die gesundheitsschädlich sein können.

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Nachhaltigkeit sei schon immer sein Steckenpferd gewesen, schiebt Felbermeir ein. Er ist als Angler privat viel in der Natur und findet, es gehe nicht an, dass die Menschheit mit ihrem Wirtschaften so viel Schaden anrichtet. Man müsse die Natur bewahren, schon für die Kinder. „Mein eigener Anspruch ist, weiterzudenken.“ Lösungen zu finden, die nützen, ohne zu schaden.
Bis der Kunststoff TPE-V mit einer Partnerfirma entwickelt war, hat es drei Jahre gedauert. Es sei schwierig gewesen, die Anforderungen seien hoch und vielfältig. PVC ist deshalb so verbreitet, weil es robust, kostengünstig und vielfältig einsetzbar ist. Einerseits müssen die Kabel einiges aushalten, andererseits gibt es auch ästhetische Ansprüche und Anwenderfreundlichkeit: „Da geht es auch um die Haptik. Ist es weich, flexibel, glänzt es? Auf der Bühne willst du kein Kabel sehen, deshalb sind sie dort eher matt und in gedeckten Farben“, erklärt der Produktmanager.

All das könne TPE-V und noch vieles mehr, schwärmt Felbermeir: „Es ist leichter, ressourcenschonender, recyclingfähig, robuster und sogar günstiger in der Herstellung, ohne Weichmacher, Halogene und Schwermetalle, dazu langlebig und auch technisch überzeugend.“
Wer es edel möchte, wählt die Variante Ecohemp, für die es 2023 den Designpreis gab. Hier ist das Öko-Kabel mit Fasern aus biologisch angebautem Hanf ummantelt, seidenweich und in dezentem Schilfgrün, die Verpackung ist aus recycelter Graupappe. Dazu lässt Cordial für jedes verkaufte Ecohemp-Kabel von der gemeinnützigen Organisation Trees for the Future einen Baum pflanzen, als Ausgleich für den Materialeinsatz.
„Für mich hört eine Entwicklung nie auf“, sagt Felbermeir. Parallel entwickeln Cordial und eine Partnerfirma einen bleifreien Kabelstecker. Die Idee hatte Stefan Felbermeir. „Da tüftele ich schon seit Jahren dran rum, wie man das Blei vollständig eliminieren könnte.“

