KulturDer Poetische Herbst zieht übers Dachauer Land

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Der „Poetische Herbst“ - hier eine Aufnahme von einer Lichtinstallation  in der Kaltmühle in Ampermoching im Oktober 2021 - geht in die nächste Runde.
Der „Poetische Herbst“ - hier eine Aufnahme von einer Lichtinstallation  in der Kaltmühle in Ampermoching im Oktober 2021 - geht in die nächste Runde. (Foto: Veronika Plajer/Landratsamt Dachau)

Unter dem Titel „Liebe und Leidenschaft in Literatur, Musik und Schauspiel“ haben Kreisheimatpflegerin Birgitta Unger-Richter und mehrere Vereine ein Kulturprogramm zusammengestellt.

Von Dorothea Friedrich, Dachau

Der Poetische Herbst im Dachauer Land steht unter dem Motto „Liebe und Leidenschaft in Literatur, Musik und Schauspiel“. Kreisheimatpflege, Dachauer Forum und Kulturvereine haben trotz Sparmaßnahmen ein beachtliches Programm auf die Beine gestellt. Und nah am Thema geht es los: „Mit der Liab is so a Sach“, heißt es am Freitag, 10. Oktober, in der Dachauer Gemäldegalerie. Dachauer Gästeführerinnen widmen sich dort den Liebesfreud- und Liebesleid-Geschichten aus der Region.

Der Zweckverband Dachauer Galerien und Museen lässt im Sonderausstellungsraum eigens eine Bühne aufbauen, ist doch der Streifzug durch die Historie der Auftakt zum „Poetischen Herbst“. Kreisheimatpflegerin Birgitta Unger-Richter hat in Zusammenarbeit mit dem Dachauer Forum und engagierten Kulturvereinen im Landkreis ein Programm unter dem Titel „Liebe und Leidenschaft in Literatur, Musik und Schauspiel im Dachauer Land“ zusammengestellt.

Warum hat sie gerade dieses Motto in den gerade so verstörenden Zeiten gewählt? „Das Thema ist der Kitt, der uns alle verbindet. Es geht um das Zwischenmenschliche, um die Frage: Warum schreibst du oder warum machst du Musik“, sagt sie. Das sei einer der Beweggründe gewesen. Ein weiterer: der allerorten spürbaren pessimistischen Grundstimmung „etwas Positives entgegenzusetzen.“ Dazu zähle auch die Beteiligung vieler lokaler Kulturvereine. „Sie brauchen Wahrnehmung und Wertschätzung für das, was sie leisten. Denn gerade in Zeiten, in denen die öffentlichen Mittel immer knapper werden, wäre hier bald Kulturwüste, wenn diese Vereine aufhören würden“, sagt Unger-Richter.

Weitere Station des „Poetischen Herbstes“ ist Sulzemoos, „ein Ort, in dem es eigentlich keinen für ‚Canzoni della bella Italia‘ geeigneten Veranstaltungsort gibt“, sagt Unger-Richter. Also haben der rührige Verein Kult-A8 und die Kreisheimatpflegerin den Abend in die Barockkirche Sankt Johann Baptist verlegt. Weil die Kult-A8-Macherinnen und -Macher sich mittlerweile „ein echtes Netzwerk von Künstlern, die gern kommen, aufgebaut haben“, wie Unger-Richter sagt, gestalten der bekannte Saxofonist Mulo Francel und die Pianistin Nicole Heartseeker am Dienstag, 14. Oktober, diese italienische Soiree in einem außergewöhnlichen Ambiente.

Starke Sängerinnen mischen Rock, Pop, Wiener Lied und Jodler

Der Kulturkreis Röhrmoos ist bekannt für seine Konzerte und hat sich deshalb für Donnerstag, 16. Oktober, die „Nature Girls“ ins Gasthaus Brummer in Großinzemoos eingeladen. Das sind starke Sängerinnen, die Musik und Lyrik unter dem verführerischen Motto „Der Kuss, der auf dem Mund dir lag“ unterschiedlicher Genres – von Rock und Pop bis zum Wiener Lied und zum alpenländischen Jodler  – miteinander verbinden. Die titelgebende Gedichtzeile stammt übrigens von Else Lasker-Schüler. „Der Kulturkreis hat so viel Erfahrung, die wuppen das. Da muss ich mich gar nicht einmischen“, sagt Unger-Richter anerkennend. Für sie sei es zudem besonders wichtig, „dass die Kooperation zwischen öffentlicher Hand und Ehrenamt funktioniert, dass wir alle an einem Strang ziehen“.

So manche Liebesgeschichte war zu ihrer Zeit ein Skandal, weil sie nicht den Konventionen entsprach. Das traf auch auf den Komponisten Frédéric Chopin und die Schriftstellerin, Aktivistin und Feministin Aurore Dupin zu, besser bekannt als George Sand. Beider Leben ist schon jeweils für sich genommen extraordinär, ihre langjährige Verbindung auch heute noch – Forschungsergebnisse hin oder her – Anlass für allerlei Geraune und Gerüchte. Die Autorin Katalin Fischer und die Pianistin Aglaya Zinchenko haben daraus „Chopins Liebesleben – eine Sinfonie in vier Sätzen“ gemacht. Freunde des Musikgiganten und Freundinnen der mehr als unkonventionellen und rebellischen George Sand können sie am Sonntag, 19. Oktober, im Barocksaal des ehemaligen Klosters Indersdorf erleben.

Kreisheimatpflegerin Birgitta Unger-Richter bei einer Ausstellungseröffnung in der Sparkasse in Dachau.
Kreisheimatpflegerin Birgitta Unger-Richter bei einer Ausstellungseröffnung in der Sparkasse in Dachau. (Foto: Niels P. Jørgensen)

Für die Kreisheimatpflegerin sind solche „Impulse von außen“ eine Säule der Kulturarbeit im Landkreis. „Es ist immer wieder spannend zu erleben, wie das alles zusammengeht“, sagt sie. Dass es zusammengeht, zeigt nicht zuletzt der Erfolg des „Poetischen Herbstes“. Diesen gibt es seit 2009. Bis 2016 fand er jährlich statt, nun im Zweijahres-Rhythmus alternierend mit den deutsch-polnischen Kulturtagen.

Das Hoftheater Bergkirchen, das einzige professionelle Theater zwischen München und Augsburg, ist seit zwanzig Jahren einer der wichtigsten Kulturträger im Landkreis. Die Premiere von „Die starken Frauen auf der Burg“ am Donnerstag, 23. Oktober, ist der Beitrag zum „Poetischen Herbst“. Theaterleiter Herbert Müller hat die unsterbliche – und immerhin 2400 Jahre alte – Komödie „Lysistrata“ des Aristophanes neu bearbeitet. Man darf also gespannt sein, wie die (Theater-)Frauen des 21. Jahrhunderts Frieden schaffen.

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„El Pasión del Tango“ lässt sich am Samstag, 26. Oktober, im Gasthaus Freudenhaus in Kleinberghofen erleben. Begleitet vom Fendell Orchester Altomünster spielen Akkordeonist Alex Keil und Geiger Christian Romanitan diese in Noten gegossenen Geschichten von Begehren, Entfremdung, Nähe, Erfüllung und Verlust. Der noch junge Verein „Beim Fenibaur“ aus Deutenhofen bei Altomünster hat diesen Abschluss eines „Poetischen Herbstes“ organisiert. Dazu sollte man wissen, dass der Verein sich als erstes Ziel Denkmalpflege ins Programm geschrieben hat, mittlerweile jedoch eine breite Palette an Kursen und Veranstaltungen anbietet. Für Kreisheimatpflegerin Unger-Richter ist das ein leuchtendes Beispiel dafür, „wie offen und vielfältig“ Kultur im Landkreis ist und wie sich die vielen Potenziale nutzen lassen.

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