Dachau Petition für Grünzug

Kreisrat Roderich Zauscher (Grüne), Vorsitzender des Bundes Naturschutz im Landkreis.

(Foto: Toni Heigl)

Naturschützer kämpfen um das Areal zwischen Dachau und Karlsfeld

Von Christiane Bracht, Dachau

Die Menschen in Dachau und Karlsfeld brauchen frische Luft zum Atmen. Ohne den Grünzug zwischen beiden Kommunen werde die Luft jedoch knapp, besonders bei Inversionswetterlagen, sagen Experten. Die Folge sei Smog und eine erhebliche Feinstaubbelastung der mehr als 60 000 Einwohner. "Viele klagen schon jetzt darüber, dass sie nicht mehr atmen können", weiß Roderich Zauscher, der Kreisgeschäftsführer des Bundes Naturschutz Dachau. Deshalb will er sich nicht mit dem Beschluss des Kreistags zufrieden geben. Dieser hatte erst im November die Ausweisung des Grünzugs zwischen Würm und Tiefem Graben als Landschaftsschutzgebiet abgelehnt.

Zusammen mit Naturschutzverbänden und der Bürgerinitiative Grünzug Dachau und Karlsfeld will Zauscher nun eine Petition initiieren, die sich für die Freihaltung der Grünfläche von Bebauung einsetzt. Alle 4000 Mitglieder des Bundes Naturschutz bekommen deshalb am Wochenende Post. Zauscher hofft zusammen mit den Ortsgruppen Dachau und Karlsfeld, dass möglichst viele die Petition unterschreiben. Darin fordern die Initiatoren die Stadt Dachau und die Gemeinde Karlsfeld auf, mit Hilfe von Flächennutzungsplänen eine weitere Bebauung auf dem Areal zwischen Würm und Saubach "für die Zukunft weitestgehend auszuschließen". Ausdrücklich ausgenommen sind die Kleingartenanlagen nördlich des Karlsfelder Sees. Man fürchtet, die Kleingärtner könnten verunsichert werden. Zudem fordert die Petition den Landkreis erneut auf, dort ein Landschaftsschutzgebiet auszuweisen. Zwei Mal ist dies bereits gescheitert, doch die Naturschützer lassen sich dadurch nicht irritieren und beharren weiterhin darauf. Schließlich sei der Landschaftsschutz auch besser als ein Flächennutzungsplan. Änderungen würden schwieriger.

"Wir wollen zum Nachdenken auffordern"

"Wir wollen zum Nachdenken auffordern", erklärt Ludwig Wilhelm, der Vorsitzende der LBV-Kreisgruppe im Rahmen eines Pressegesprächs am Donnerstag. Man müsse auch an die Kinder denken, man könne ihnen nicht nur eine verbaute Gegend hinterlassen, deshalb setze er sich so ein. "Dachau und Karlsfeld sind die Inversion am meisten gefährdeten Orte in Bayern", warnt Zauscher. Je mehr "Hindernisse" in den Grünzug zwischen die beiden Kommunen gebaut würden, um so problematischer sei der Frischluftaustausch, und die Schadstoffbelastung nehme zu. In den vergangenen Jahrzehnten hätten Landkreis und Gemeinden immer wieder an dem Regionalen Grünzug "geknabbert", jetzt sei er so eng geworden, dass er ernsthaft bedroht ist.

Aber es ist nicht nur die Frischluft, die erhalten werden soll, sondern auch das Erholungsgebiet. "Der Karlsfelder See ist voll belegt sommers wie winters, und auch im Schwarzhölzl ist es enorm voll. Am Wochenende ziehen dort ganze Karawanen durch", sagt Marion Matura-Schwarz, die Vorsitzende der BN-Ortsgruppe Karlsfeld. "Einsamkeit ist fast nicht mehr möglich und das merken die Leute schon jetzt." Die Enge sei einfach für jeden spürbar geworden, deshalb rechnen die Naturschützer mit viel Unterstützung bei ihrem Anliegen aus der Bevölkerung. "Ich glaube, dass viele auf unserer Seite sein werden", prophezeit Zauscher.

Eine Aufforderung an die Gemeinden und den Landkreis zu handeln

Eine Petition sei zwar rechtlich unverbindlich, sagen die Naturschützer, "aber es ist eine Aufforderung an die Gemeinden und den Landkreis zu handeln". Sie sollen kreativ sein und eine Lösung finden, fordern sie. Wichtig ist ihnen vor allem, dass das Thema nicht "einschläft", sagt der Vorsitzende der BN-Ortsgruppe Dachau Peter Heller. Genau das befürchten die Naturschützer nach dem Kreistagsbeschluss. Der Gegenvorschlag der CSU, das Landschaftsschutzgebiet am Schwarzhölzl im Norden und Süden zu "arrondieren", bringe nichts. Es leiste der "Spekulationslobby" vielmehr Vorschub, klagen Zauscher, Wilhelm, Matura-Schwarz und Heller. Die Argumentation der CSU, der Grünzug sei nicht schützenswert, weil es sich nur um Äcker handle, sei falsch. "Es müssen nicht immer Biotope betroffen sein, in denen seltene Pflanzen wachsen. Hier geht es um das Schutzgut Mensch", sagt Zauscher. "Wer hier lebt, profitiert stark davon, wenn der Grünzug von Bebauung frei gehalten wird." Die Petition ist nicht nur für BN-Mitglieder, jeder kann mitmachen: www.dachau.bund-naturschutz.de.