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Ziegelei bei Dachau:Pionier in Sachen Energiewende

Ziegelei Hörl und Hartmann

Beate Walter-Rosenheimer im Gespräch mit den Unternehmern Matthias und Michael Hörl (links und rechts).

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Beate Walter-Rosenheimer lobt das Windrad der Pellheimer Ziegelei Hörl & Hartmann als vorbildlich.

Von Katja Gerland, Dachau

Das Windrad der Ziegelei Hörl & Hartmann in Pellheim bei Dachau ist nicht zu übersehen: 149 Meter hoch, mit drei Flügeln, die jeweils 60 Meter nach außen ragen. An diesem Dienstag ist es der Grund für einen Besuch der Grünen-Bundestagsabgeordneten Beate Walter-Rosenheimer und des neuen Landesvorsitzenden der Grünen in Bayern, Thomas von Sarnowski, in der Dachauer Ziegelei. Gemeinsam mit der Geschäftsführung, der Familie Hörl, soll noch vor der Bundestagswahl über die Energiewende in mittelständischen Unternehmen debattiert werden. Denn für Walter-Rosenheimer ist klar: Der Familienbetrieb Hörl & Hartmann geht "als Pionier auf diesem Gebiet im Landkreis voran".

Im Jahr 2013 stellte die Ziegelei ihre Brennstoffversorgung bereits auf Erdgas um. 2016 folgte dann der Bau des Windrads, das nun den gesamten Energiebedarf der Dachauer Ziegelei deckt. Zusätzlich sorgt eine Rauchgasnachverbrennungsanlage dafür, dass die Abgase des Unternehmens nicht in die Atmosphäre gelangen. "Das ist Teil unserer ökologisch ausgerichteten Strategie", sagt Geschäftsleiter Anton Hörl im Gespräch mit den Grünen-Politikern. Der Transformation des Unternehmens stünden jedoch immer wieder bürokratische Hürden entgegen, so Hörl. Fünf Jahre habe es gedauert, bis das Landratsamt Dachau den Bau des Windrads genehmigte. Bedenken zum Vogelschutz, insbesondere zur Gefährdung des Rotmilans, standen damals im Raum. Hinzu kamen Beschwerden der Anwohner, die kein Windrad in der Nähe ihres Wohnorts wollten. "Der Weg als Unternehmer zum Windrad war schlimm", so Hörl. Und auch sein Sohn Matthias Hörl, der gemeinsam mit seinen Geschwistern in die Geschäftsleitung eingestiegen ist, erinnert sich: "In Bürgergesprächen wurden wir regelrecht zerfetzt."

Ein Brutplatz des Rotmilans konnte in der Nähe der Windkraftanlage letztendlich nicht nachgewiesen werden. Sicher ist jedoch, dass die Ziegelei und die Energiewende nun gleichermaßen von der Windkraft profitieren: Die Energiekosten seien dank der verschiedenen Maßnahmen der Familie Hörl seit 2012 um 60 Prozent gesunken, die Emissionen konnten um 50 Prozent reduziert werden. Anton Hörl findet deshalb deutliche Worte an Walter-Rosenheimer und von Sarnowski: "Die Energiewende muss im Einklang mit den mittelständischen Unternehmen passieren und nicht mit Gewalt durchgesetzt werden." Er sei sich sicher, dass viele Unternehmen ökologischer handeln würden, stünde die Bürokratie nicht im Wege. "Solche Investitionen gehen nicht ohne Unterstützung des Staats." Thomas von Sarnowski zeigt Verständnis für Hörls Unmut. Es sei "jammerschade", dass bürokratische Hürden die Energiewende in mittelständischen Unternehmen verhinderten. Er verweist auch auf die Verantwortung anderer Parteien in solchen Entscheidungen: "Wir können als Partei nicht durchregieren."

Für Anton Hörl soll es im Gespräch nicht nur um die betriebliche Energiewende gehen. Auch im nachhaltigen Hausbau bestehe in der Politik noch Verbesserungsbedarf, so Hörl. Der Holzbau werde besonders von Grünen-Politikern oft als einziger klimafreundlicher Baustoff dargestellt, moniert der Geschäftsführer. Den Ziegel sieht er in dieser Debatte vernachlässigt. Zwar ist das Holz kurzfristig klimaeffektiver, lenkt Hörl ein, Häuser im Ziegelbau seien jedoch wesentlich langlebiger und damit ebenso nachhaltig. "Da sollten sich politische Parteien nicht festlegen. Ich würde mir wünschen, dass sie gegenüber Baustoffen Neutralität wahren", so Hörl.

"Wir wollen niemandem verbieten, ein Ziegelhaus zu bauen", sagt Walter-Rosenheimer. Sie wolle sich deshalb in Zukunft für einen "Weitblick in der Politik" einsetzen, der die Beständigkeit von Baustoffen in Klimaentscheidungen einschließt.

© SZ vom 16.06.2021
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