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Medizinische Versorgung:Schlechte Chancen für Kindernotdienst im Landkreis Dachau

Auch er ist machtlos: Gerd Koslowski. Er ist Geschäftsführer der Amper-Kliniken AG.

(Foto: Toni Heigl)

Kommunalpolitiker wollen weiter für eine Bereitschaft für kleine Patienten am Helios Amper-Klinikum kämpfen. Doch dafür bräuchte es unbedingt mehr zugelassene Ärzte.

Der Landkreis will weiter um eine kinderärztliche Versorgung am Dachauer Helios Amper-Klinikum kämpfen. Doch die Chancen für einen Notdienst stehen derzeit schlecht. Denn über die ambulante Versorgung von Kindern im Notfall entscheidet die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB). Für einen Notdienst sei die Zahl der Kinderärzte im Landkreis zu gering, argumentiert die KVB. Eltern sollten mit ihren Kindern die Bereitschaftspraxen in München aufsuchen. Der Landkreis will sich damit nicht zufrieden geben, hat aber auf die Entscheidung der KVB keinen Einfluss. Die Situation ändert sich nur dann, wenn im Landkreis mehr Kinderärzte zugelassen werden.

Die Freien Wähler hatten an den Kreistag den Antrag gestellt, einen kinderärztlichen Notdienst am Helios Amper-Klinikum einzurichten. Die Kommunalpolitik beschäftigt sich mit dem Thema schon seit einiger Zeit. Viele Eltern machten ihrem Unmut Luft, dass sie nach München fahren müssen, wenn ihr Kind etwa am Wochenende dringend ärztliche Hilfe braucht. Das Problem brennt auch den Dachauer Stadträten auf den Nägeln. Die Überparteiliche Bürgergemeinschaft (ÜB) Dachau hatte in einem offenen Brief die Einrichtung eines kinderärztlichen Notdienstes und einer Kinderstation am Krankenhaus angemahnt. Landrat Stefan Löwl (CSU) verwies in seiner Antwort darauf, dass der Landkreis darauf wenig Einfluss habe. Dennoch brachte er als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Amper-Kliniken AG den Antrag der Freien Wähler in eine Sitzung des Aufsichtsrats ein. Auch der Klinikbeirat befasste sich mit dem Thema.

Die Notfallversorgung wurde im Landkreis Dachau eingestellt

Die Notfallversorgung war im Landkreis wegen der zu geringen Zahl von Kinderärzten eingestellt worden. Mit dem Vorschlag der KVB, den Notdienst nach München zu verlegen, wollen sich die Freien Wähler nicht zufrieden geben. Die Fahrt nach München, so Michael Reindl im Kreisausschuss, dauere zu lang, die Kinderabteilungen an den Münchner Krankenhäusern seien am Sonntag geschlossen. Das Helios Amper-Klinikum, so die Freien Wähler in ihrem Antrag, solle prüfen, ob Kinder in der Notaufnahme behandelt werden können.

Gerd Koslowski, Geschäftsführer der Amper-Kliniken AG, verwies in einer Stellungnahme darauf, dass die ambulante Versorgung von der KVB geregelt wird. Eine Behandlung im Krankenhaus dürfe nur dann erfolgen, wenn die ambulante Versorgung nicht ausreichend sei. Weil das Amper-Klinikum keine Zulassung für eine kinderärztliche Versorgung hat, sei auch keine Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung möglich.

"Wir können nur Druck machen"

Auf die Zuständigkeit der KVB verwiesen auch Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) und Wolfgang Offenbeck (CSU). Er sei in intensivem Kontakt mit der KVB, sagte Hartmann im Kreisausschuss. Über die Verteilung von Kinderärzten in den Kommunen entscheide der Bundesausschuss der KVB. "Wenn die Zahl der Kinderärzte nicht ausreichend ist, gibt es keinen Notdienst", habe er als Auskunft bekommen. Der Antrag der Freien Wähler erwecke den Eindruck, dass der Landkreis zuständig sei, so Offenbeck. "Hier entscheidet aber allein die KVB." Dennoch wolle der Landkreis weiter um einen Notdienst kämpfen. "Wir können nur Druck machen", stimmte Edgar Forster von den Freien Wählern Dachau zu.

Nach München zu fahren ist auch für Steffi Burgmaier (CSU) keine Lösung. Sie berichtete von dem Erlebnis einer Mutter, die wegen eines Notfalls zur Bereitschaftspraxis im Elisenhof nach München geeilt sei. Die Praxis habe den Andrang nicht bewältigen können. "Wir hoffen deshalb, dass wir drei zusätzliche Sitze von Kinderärzten im Landkreis erhalten." "Über den Bereitschaftsdienst entscheidet die KVB", hielt auch Landrat Löwl fest. Arzt sei ein freier Beruf, den der Landkreis nicht steuern könne. Der Landkreis bleibe aber bei seiner Forderung, eine Kinderstation am Krankenhaus einzurichten. "Darauf haben wir wenig Einfluss, auf einen kinderärztlichen Notdienst haben wir gar keinen Einfluss."

© SZ vom 27.01.2020
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