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Dachau:Neue Heimat Dachau

Die Zahl der Asylsuchenden ist in den vergangenen Monaten stetig gestiegen. Auch der Landkreis muss weitere Flüchtlinge aufnehmen - die ersten zehn sollen kommende Woche in Deutenhofen ankommen.

Der Landkreis Dachau muss zusätzliche Asylbewerber unterbringen. Nach Mitteilung des Landratsamts werden in der kommenden Woche der Kreisbehörde zunächst voraussichtlich die ersten zehn Flüchtlinge zugewiesen. Sie werden nicht in der seit mehr als 20 Jahren bestehenden Gemeinschaftsunterkunft an der Kufsteiner Straße in Dachau untergebracht, sondern im ehemaligen Altenheim in Deutenhofen. Bis zum Jahresende rechnet man nach Auskunft von Landratsamtspressesprecher Gerhard Weber mit bis zu hundert Personen, die unterzubringen sind.

In der kommenden Woche sollen die ersten zehn Flüchtlinge im ehemaligen Altenheim in Deutenhofen untergebracht werden.

(Foto: DAH)

Lange Zeit ist der Landkreis Dachau in der Region München einer der wenigen gewesen, in dem eine große Flüchtlingsunterkunft für rund 150 Personen stand. Als daher in den vergangenen Monaten die Zahl der Asylsuchenden in der Bundesrepublik stetig anstieg, wurde zunächst in anderen Landkreisen nach Unterbringungsmöglichkeiten gesucht. Doch nun kommen auch in den Landkreis Dachau weitere Flüchtlinge, wie Pressesprecher Weber am Dienstag mitteilte. Für Ende des Monats habe die Regierung von Oberbayern angekündigt, zunächst voraussichtlich die ersten zehn Personen nach Dachau zu schicken. "Sicher nicht zum letzten Mal in diesem Jahr", glaubt Weber. Sie werden laut Weber im ehemaligen Rotkreuz-Altenheim im Hebertshausener Ortsteil Deutenhofen untergebracht.

Insgesamt sollen in Deutenhofen 30 bis 40 Flüchtlinge Platz finden. Denn Weber rechnet bis zum Jahresende mit bis zu hundert Asylsuchenden, die dem Landkreis Dachau zugewiesen werden. Für die Menschen sucht das Landratsamt "dringend geeignete Grundstücke, um darauf Wohnmodule zu errichten", wie es Weber ausdrückt. "Denn der Mietwohnungsmarkt ist absolut dicht", betont der Pressesprecher. Das zeige eine einfache Suche im Internet: Man brauche nur Dachau und einen Umkreis von 20 Kilometern eingeben. Zu finden sei nichts Passendes, so Webers Erfahrung: "Wir haben seit über einem halben Jahr alles abgegrast." Auch die Gemeinden kämpften bereits jetzt, um obdachlose Personen unterzubringen.

Seit Anfang der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, als die Zahlen von Asylbewerbern in Deutschland in die Hunderttausende gestiegen waren, stehen am Dachauer Stadtrand, an der Kufsteiner Straße, fünf Holzbaracken, in denen derzeit rund 150 Flüchtlinge leben. Alle Fraktionen im Dachauer Stadtrat sprachen im November vorigen Jahres von unhaltbaren Zuständen. Sie hielten den Bauzustand der Baracken für so heruntergekommen, dass sie die zum Jahresende 2012 ausgelaufene Baugenehmigung zunächst nicht noch ein weiteres Mal verlängern wollten. Doch dann sprach sich eine Mehrheit der Stadträte noch einmal für eine Verlängerung um ein halbes Jahr aus, weil man Angst hatte, dass die Regierung ansonsten aus eigener Machtvollkommenheit handeln würde. Eigentlich will die Stadt ein festes Haus für die Flüchtlinge errichten - mit richtigen abgeschlossenen Wohnungen für Familien. Doch die Planungen sind ins Stocken geraten.

Woher die neuen Flüchtlinge stammen, weiß man im Landratsamt bisher noch nicht. Weber betont zudem, dass man keine politische Debatten über die Herkunftsländer führen wolle. "Wir haben humanitäre Hilfestellung zu geben. Das ist unsere Aufgabe", sagt er.

© SZ vom 22.05.2013

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