Jugendgästehaus "Max Mannheimer ist ein Vorbild"

Ein Zeichen gegen das Vergessen: Das Jugendgästehaus in Dachau wird künftig den Namen des KZ-Überlebenden Max Mannheimer tragen.

Von Melanie Staudinger

Er ist ein Symbol gegen das Vergessen: Max Mannheimer, KZ-Überlebender, Vorsitzender der Lagergemeinschaft Dachau und unermüdlicher Kämpfer für Freiheit und Demokratie. Aus Anlass seines 90. Geburtstags im vergangenen Februar wird nun das Jugendgästehaus Dachau nach ihm benannt. "Es gibt viele gute Gründe, die für Max Mannheimer sprechen", sagt die pädagogische Leiterin Nina Ritz. Sein Name sei wie kein anderer mit dem Ort verbunden. Mannheimer stehe für die Bildungsarbeit der Einrichtung, habe dort mit unzähligen Schulklassen gesprochen. Sein Einsatz soll Vorbild sein im "Internationalen Jugendgästehaus Dachau - Max Mannheimer Studienzentrum".

Ein Symbol gegen das Vergessen: Das Dachauer Jugendgästehaus wird den Namen von Max Mannheimer tragen.

(Foto: Claus Schunk)

Am Anfang seien es praktische Erwägungen gewesen, die für einen neuen Namen sprachen. "Unsere Bildungsarbeit spiegelt sich derzeit im Titel nicht wider", sagt Ritz. Der Name Jugendgästehaus verweise nur auf die Übernachtungsmöglichkeit, nicht aber auf die inhaltliche Ausrichtung der Einrichtung. Sie bietet Seminare, Workshops und Zeitzeugengespräche zur Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus an und stellt Gegenwartsbezüge zu aktuellen Themen wie Menschenrechte, Demokratie, Toleranz, Frieden und Internationalität her.

Der neue Name sollte diesen Aspekt berücksichtigen, er sollte aber auch persönlicher sein als die Begriffe Begegnungsstätte oder Bildungsstätte. "Wir wollen Max Mannheimer damit ehren", so die pädagogische Leiterin. Der Vorstand der Stiftung Jugendgästehaus Dachau habe sich im April dafür entschieden. Ende Juli wird es eine offizielle Feierstunde geben.

Der 90-jährige Mannheimer überlebte das Ghetto Theresienstadt sowie die Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, Dachau und das Außenlager Mettenheim bei Mühldorf. In Auschwitz verlor er seine Eltern, seine Geschwister Käthe, Erich und Ernst und seine erste Frau Eva. Nur sein Bruder Edgar überlebt mit ihm. Seit einem Vierteljahrhundert ist Mannheimer unterwegs, um mit Jugendlichen über die Gräuel der Nazi-Zeit zu sprechen. Er kommt nicht als Ankläger oder Richter, sondern als Zeuge. Er hat er eine Botschaft: Die Demokratie ist nicht selbstverständlich, Freiheit muss immer wieder neu erkämpft werden.

"Konstruktives Signal der Politik"

Die Bezeichnung "Max Mannheimer Studienzentrum" ist für Ritz ein Meilenstein. Vor zwölf Jahren, als das Jugendgästehaus in Dachau nach jahrelangen Auseinandersetzungen endlich eröffnet worden ist, sei es noch undenkbar gewesen, im Namen auf die inhaltliche Arbeit hinzuweisen. "Der Bildungscharakter sollte damals nicht auf den ersten Blick erkennbar sein", sagt Ritz. Sie deutet die Umbenennung daher als "konstruktives Signal der Politik". "Der Lern- und Erinnerungsort Dachau bekennt sich jetzt auch nach außen zu unserer Bildungsarbeit", so die pädagogische Leiterin.

Kultusminister Ludwig Spaenle sprach sogar persönlich bei Mannheimer vor, um ihn zu fragen, ob er mit der Namensgebung einverstanden sei. "Max Mannheimer ist eine Ikone, ein Vorbild für die Jugend", sagt Josef Erhard, Ministerialdirektor im Kultusministerium und Vorstandsvorsitzender der Stiftung des Jugendgästehauses. Für Dachaus Oberbürgermeister Peter Bürgel (CSU) ist der neue Name nur schlüssig: "Die Verdienste von Max Mannheimer werden so gewürdigt und für die Zukunft festgehalten." Landrat Hansjörg Christmann (CSU) sagt, dass Mannheimer sich um das Jugendgästehaus höchste Verdienste erworben habe. "Ausdruck der hohen Wertschätzung, die er dafür genießt, soll die Namensgebung bereits zu Lebzeiten sein", so Christmann. Was in Dachau gelang, ist den Mühldorfer Hauptschülern bisher verwehrt geblieben. Sie kämpfen seit Jahren dafür, dass ihre Schule nach Max Mannheimer benannt wird. Doch dort heißt es, dass dies erst nach dem Tod des Namensgebers möglich ist.