Das Schnitzel im „Kochwirt“ war heiß begehrt und der Renner auf der Karte. Stefan Eisenreich soll über diesen Zuspruch nicht immer erfreut gewesen sein, er sei doch nicht bloß „Schnitzelklopfer“, schimpfte er manchmal, wenn schon wieder jemand selbiges geordert hatte. Eisenreich war ein vielseitiger Könner an Herd und Ofen, nicht nur in der traditionell bayerischen Küche, der Dachauer war Vollblut-Gastronom.
Man kann kaum aufzählen, wie viele Lokale er schon geführt hat, wie viele Speisen er zubereitet hat, vom Schnitzel bis zum Schwertfisch. Eisenreich brannte für seinen Job, vielleicht ein bisschen mehr, als gesund gewesen wäre. Am 13. November starb er mit 58 Jahren in Dachau, wo er auch geboren und aufgewachsen ist.
In seiner Heimatstadt hat er sich schon früh einen Namen gemacht. Mit 26 Jahren wurde er jüngster Festwirt in der Geschichte des Dachauer Volksfests. Zehn Tage hatte er im Festzelt täglich bis zu 8000 hungrige und durstige Leute zu verköstigen – damals, 1992, erstmals unter Verwendung von Mehrweggeschirr. Auf die große Aufgabe war er bestens vorbereitet, nicht nur durch seine Ausbildung als Koch, sein Vater, Eduard Eisenreich, hatte selbst bereits einmal das Festzelt betrieben. Nur ein Accessoire fehlte ihm noch: die Lederhose. Für seine große Premiere im Sommer 1992 legte er sich extra eine Hirschlederne zu.
Er war extrem fleißig, aber auch gesellig
Im Jahr 2004 entgingen seine Gäste und er selbst nur knapp einer Katastrophe. Ein heftiges Unwetter zog am Abend über Dachau hinweg, orkanartige Böen rissen Teile der Dachplanen des knapp 4000 Personen fassenden Festzelts weg, einige Stützpfeiler knickten unter dem Druck ein. Eisenreich half, die Zeltgäste im tobenden Sturm zu in Sicherheit bringen. 15 Menschen wurden verletzt, Tote gab es zum Glück keine.
Die Dachauer Lokale, in denen Eisenreich kochte, waren die einstige Gaststätte „Helferwirt“ in der Augsburger Straße – der Familienbetrieb der Eisenreichs – und später der Kochwirt, wo er zusammen mit seiner damalige Frau Renate die Gäste kulinarisch verwöhnte. Wenn es ihm die Zeit erlaubte, setzt er sich auch mal zu einem Ratsch an den Stammtisch. Stefan Eisenreich galt – wie es einem Wirt geziemt – als sehr gesellig, doch die Küche kam immer zuerst, hungrige Gäste ließ er nicht warten. Selbst dann nicht, wenn sie nur wieder Schnitzel bestellten.
Die letzten Jahre reiste Stefan Eisenreich als Mietkoch von Event zu Event. Wer ihm nahe stand und seinen Gesundheitszustand kannte, wusste, dass dieses Leben so wohl nicht mehr lange weitergehen würde. Am vergangenen Freitag wurde er unter größer öffentlicher Anteilnahme am Waldfriedhof in Dachau beerdigt. Stefan Eisenreich hinterlässt eine Tochter und seine Lebensgefährtin.

