So voll erlebt man das Bezirksmuseum Dachau sonst nur bei Ausstellungseröffnungen. Gut 300 Besucherinnen und Besucher tummeln sich beim Aktionstag „Neustart Museum“. Und was die Veranstalter vom kommunalen Zweckverband Dachauer Galerien und Museen besonders freut: Gekommen sind an diesem sommerlichen Sonntag Groß und Klein, gefühlt ein echter Querschnitt durch die Gesellschaft. Das Bezirksmuseum erzählt schließlich die Geschichte des Dachauer Landes und seiner Menschen.
Die meisten der insgesamt rund 15 000 Exponate schlummern in Depots, nur ein Bruchteil ist im Museum zu sehen: Bauernmöbel, Butterfässer und Vitrinen mit Dachauer Trachten – alles sehr museal. Was fehlt, ist der Anschluss an die Gegenwart der Menschen des Jahres 2026. Der Webstuhl unter dem Dach ist ein symbolträchtiger Anknüpfungspunkt für die Frage an die Besucher: „Was sollten wir heute sammeln, um morgen unsere Geschichte erzählen zu können?“
Das Museum der Zukunft hat mehr Akteure
Nicht nur inhaltlich, sondern auch konzeptionell soll das Dachauer Bezirksmuseum neu ausgerichtet werden: vielseitiger, interaktiver, offener – und vor allem stärker verankert im Vereinsleben des Landkreises. Das lässt sich bei so einem Aktionstag auch nur im Kleinen zeigen, mit bescheidenen Mitteln, doch es genügt, um anschaulich zu machen, wie ein kleines Regionalmuseum im 21. Jahrhundert aussehen könnte.
Karin Schuff von der Künstlervereinigung Dachau betreut eine Station, in der man Karten mit dekorativen Mustern vollstempeln kann. Wer dabei vergisst, die Infotafel in der Wand zu lesen, dem erklärt Schuff, dass die Dachauer Unternehmerfamilie Wallach mit diesen Mustern Trachtenstoffe bedruckte. Die enorme Popularität ihrer Textilien bewahrte sie allerdings nicht vor dem Schicksal vieler anderer jüdischer Familien im Nationalsozialismus: Verfolgung, Enteignung, Ermordung im KZ.


Mit glücklicherweise nicht ganz so schrecklichen Verbrechen setzen sich die kleinen Besucher auseinander. Sie bekommen eine Fallakte, die aussieht wie in alten amerikanischen Krimis. Herauszufinden ist: Wer macht heimlich die Löcher in die Dachauer Trachten des Museums? Das Ermittler-Duo Max und Sebastian kommt dem Täter schnell auf die Schliche: Es ist die Kleidermotte, die hier tatsächlich schon einigen Schaden angerichtet hat.
Zu guter Letzt kann man sich auch noch selbst im „Traumjob“ eines Museumsdirektors erproben: Kultur bewahren und erforschen, Ausstellungen gestalten, aber auch Gebäude erhalten, Technik warten und Schäden beheben. Um die Aufgaben zu finanzieren, startet man mit zehn Chips. Nach ein paar Runden liegen fast alle Chips auf der Karte für den Gebäude-Unterhalt. Das Ergebnis sei „nicht unrealistisch“, kommentiert Nina Möllers, Leiterin des Zweckverbands Dachauer Galerien und Museen. Von der gesamten Finanzierung blieben dem Zweckverband am Ende nur etwa acht Prozent übrig, um überhaupt Ausstellungen zu machen.
Wie immer das Bezirksmuseum der Zukunft aussieht: Der Weg dorthin wird nicht einfach sein.

