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Dachau/München:Widersprüchliche Aussagen

Im Feuerwehrball-Prozess befragt das Gericht weitere Zeugen

In dem Zivilprozess vor dem Landgericht München II, in dem eine Studentin gegen die Freiwillige Feuerwehr Dachau auf Zahlung von Schmerzensgeld in Höhe von 7000 Euro klagt, hat das Gericht am Donnerstag zwei weitere Zeugen vernommen. Beim Faschingsball der Wehr im Februar 2018 hatte die 23-Jährige großflächige Verbrennungen zweiten Grades an der Vorderseite ihres linken Armes erlitten, als ein Heizstrahler umkippte und sie streifte. Die junge Frau musste operiert werden. An der betroffenen Hautpartie spüre sie bis heute nichts, berichtete die 23-Jährige beim ersten Verhandlungstermin im Januar.

Eine Zeuge gab damals an, eine stark alkoholisierte Frau, sei dafür verantwortlich, dass der Heizpilz umfiel. Auch ein Immobilienkaufmann und eine medizinische Fachangestellte, die das Gericht am Donnerstag vernahm, bestätigten dies. Allerdings widersprachen sie sich darin, wie die Frau den Heizpilz zum Umkippen brachte. Während der Immobilienkaufmann sagte, die Frau habe sich mit dem Rücken gegen den Heizpilz gelehnt, worauf dieser umstürzte, glaubte die zweite Zeugin gesehen zu haben, dass die Frau torkelte und stolperte. Im Vorwärtsfallen habe sie sich dann an dem Heizpilz festgehalten. Beim ersten Verhandlungstermin hatte ein Zeuge dagegen erklärt, die Frau habe den Heizpilz mit den "Händen gepackt", so dass er umgefallen sei. Von der Frau fehlt bis heute jede Spur.

Der Anwalt der Studentin ist der Überzeugung, dass die Heizpilze ungeeignet gewesen seien, da man sie leicht habe umstoßen können. Zudem standen die Strahler an einer nicht ganz ebenen Stelle, die gepflastert ist. Der Erste Vorsitzende der Freiwilligen Feuerwehr, Stefan Fichtl, versicherte bei der Verhandlung im Januar er habe vor Beginn des Faschingsballs darauf geachtet, dass die Heizpilze möglichst gerade standen. Was passierte sei, tue ihm leid. Seit er und sein Stellvertreter für die Organisation verantwortlich seien, sei massiv in die Sicherheit investiert worden. Sicherheit habe bei ihnen "oberste Priorität". Sollte das Gericht zu dem Ergebnis kommen, dass er eine Mitschuld an dem Unfall trage, werde er Konsequenzen daraus ziehen, hatte Fichtl angekündigt. Ein Termin für die Verkündung einer Entscheidung des Gerichts steht noch nicht fest.

© SZ vom 21.02.2020 / sal
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