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Dachau:Mobilität vernetzen

Verkehrskonferenz Münchner Norden

Der Dachauer Landrat Stefan Löwl ist Pate der Verkehrskonferenz, zu der auch Bayerns Verkehrsminister Joachim Herrmann ins Thoma-Haus kam.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

S-Bahn-Nordring, mehr Buslinien, Autobahnausfahrten und Radschnellwege: Es gibt konkrete Ideen, den Verkehr in der Region zu bewältigen. Auf einer Konferenz in Dachau bestellen Landräte und Bürgermeister erste Gutachten

Um die Verkehrsströme in der wachsenden Region München zu bewältigen, haben sich die Landräte und Bürgermeister der nördlichen Landkreise und aus der Landeshauptstadt München zu einer zweiten Verkehrskonferenz in Dachau zusammengefunden. Ergebnis der zweieinhalbstündigen Debatte: Es werden Gutachten in Auftrag gegeben. Zwei Stück, Ergebnisse davon werden 2018 erwartet.

Direktverbindungen zwischen den Städten im Großraum, die nicht den Umweg über München nehmen. Mehr Buslinien, mehr Autobahnausfahrten, bessere Radwege: Über das, was die Menschen im Großraum München brauchen können, sind sich die Landräte von Dachau, Freising und München, sowie Bürgermeister von Kommunen aller drei Landkreise und Vertreter von sechs Münchner Stadtbezirken soweit einig. Im Oktober haben sie ihre Zusammenarbeit in der sogenannten Dachauer Erklärung fest geschrieben. Der Dachauer Landrat Stefan Löwl (CSU) ist Gastgeber und Organisator der Verkehrskonferenz, die im Herbst zum dritten Mal tagen soll.

Studie soll zeigen, welche Verkehrsverbingungen wie stark genutzt werden

Bis all die Ideen und Pläne, die man im Grunde schon jetzt brauchen könnte, in die Tat umgesetzt werden, wird aber noch viel geredet und sehr viel Papier beschrieben werden. Immerhin: Es gibt ein Bekenntnis zu den Problemen der Region. Der Münchner Landrat Christoph Göbel (CSU) bringt es so auf den Punkt: "Wir sind eine unglaublich erfolgreiche Region, doch wenn wir die Infrastruktur nicht verbessern, drohen wir an diesem Erfolg zu ersticken." Göbel rechnet nicht damit, dass genügend Wohnraum für alle, die im Großraum München arbeiten, geschaffen werden kann. Umso wichtiger sei ein belastbares Verkehrsnetz. Er spricht von vernetzter Mobilität - also zum Beispiel von Rad- und S-Bahnverkehr und neuen Mobilitätssystemen, damit meint er zunächst einmal Elektrobusse. Sein Landkreis hat das Schweizer Institut Ernst Basler und Partner mit einer Verkehrsstudie beauftragt, zu der auch die Bevölkerung befragt wurde. Ziel ist, herauszufinden, welche Verkehrsverbindungen wie stark genutzt und welche noch benötigt werden. Man habe mit 100 Rückmeldungen gerechnet, sagt Göbel, eingegangen seien mehr als 2000 qualifizierte Anregungen. Im Herbst rechnet er mit den Ergebnissen der Studie, die über seinen Landkreis hinaus interessant sein dürften.

Eine eigene Verkehrsstudie wird derzeit auch für die Landkreise Erding und Freising unter Beteiligung der Flughafengesellschaft gemacht. Im Landkreis Dachau wird hingegen ein Verkehrsentwicklungskonzept in Zusammenarbeit mit allen Gemeinden erstellt. Hinzu kommen soll nun also ein weiteres überwölbendes Riesengutachten, das der Planungsverband äußerer Wirtschaftsraum vorbereite und in diesem Jahr in Auftrag geben soll. Zudem soll ein Gutachten über die Möglichkeiten eines S-Bahn-Nordrings erstellt werden.

Alles, was die Bahn betrifft, dauert immer lange

Jede Menge Papier, aber die Landräte beeilen sich, auch konkrete Projekte vorzustellen. Weil alles, was die Bahn betrifft, immer furchtbar lange dauert, konzentriert man sich auf Busse und Radwege. So werde eine Busverbindung zwischen Fürstenfeldbruck und Dachau konzipiert, sagte Landrat Stefan Löwl (CSU). Über eine Verbindung zwischen Röhrmoos und Oberschleißheim solle zumindest nachgedacht werden. Als Pilotprojekt bezeichnet er eine geplante Verbindung zwischen Dachau und Am Hart. Zudem werde an einem Radschnellweg Richtung München geplant. An Autofahrer wird auch gedacht: Das Planfeststellungsverfahren zur Ostumfahrung Dachau werde vorangetrieben. Über die Finanzierung könne man noch einmal neu reden, formulierte Löwl so vage wie hoffnungsvoll und bezog sich damit auf eine Aussage, die er von Verkehrsminister Joachim Herrmann (CSU) erhalten hatte, der extra zur Konferenz ins Thoma-Haus nach Dachau gekommen war.

Wie so ein Radschnellweg aussehen kann, werden sich die Dachauer in absehbarer Zeit zwischen Freising und Garching anschauen können. Zwischen den beiden Außenposten der Technischen Uni München sollen Radler bald besser pendeln können. Der Freisinger Landrat Josef Hauner (CSU) setzt wie Stefan Löwl große Hoffnungen in den öffentlichen Nahverkehr. Eine direkte Verbindung zwischen Freising und Dachau sei dringend nötig. Taktverdichtungen auf den bestehenden Linien könnten kurzfristig Erleichterung schaffen. Zum Flughafen sagte Hauner: "Wir müssen erst einmal die bestehenden Verkehrsprobleme lösen, bevor man an eine dritte Startbahn denken kann."

Im Herbst tagt die Verkehrskonferenz ein drittes Mal. Sollte diesmal der bayerische Minister Herrmann der Veranstaltung Bedeutung verleihen, soll es dann gleich Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sein. Gastgeber Löwl und die Teilnehmer sind entschlossen, für die Interessen der Region laut zu trommeln. Auch in Berlin.

© SZ vom 21.04.2016

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