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Dachau/Mitterndorf:Beispielhafte Beteiligung

Der südliche Teil der griechischen Schule (links), der aus mehreren Wohnungen besteht, soll als Identität stiftendes Element erhalten bleiben.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Stadtbaurat Michael Simon ist von Form und Ergebnissen der Diskussion über die Zukunft der ehemaligen griechischen Schule in Mitterndorf begeistert. Die Eckpunkte werden jetzt Teil eines Architektenwettbewerbs.

Dachaus Stadtbaurat Michael Simon gibt in der Öffentlichkeit ansonsten den zurückhaltenden und sehr vorsichtig formulierenden Fachmann. Am Donnerstag zeigte er sich euphorisch. "Meine Erwartungen haben sich voll erfüllt", sagte er der SZ. Oftmals beschleiche einen das Gefühl vergeblicher Bemühungen. "Aber am Mittwochabend war mir keine Minute zu viel. Ich habe die Bürgerbeteiligung als sehr positiv verbucht." Deren Ergebnisse münden in eine sogenannte Auslobung darüber, was für Erfordernisse bei den Entwürfen für das neun Hektar große Areal der ehemaligen griechischen Schule zu berücksichtigen sind. Zehn Architekturbüros, die erst noch in einem eigenen Verfahren ausgewählt werden müssen, sollen Vorschläge erarbeiten.

Am Mittwochabend trafen sich an die 80 Mitterndorfer mit dem Ziel, darzulegen, was sie sich wie in dem künftig zentralen Ortsteil wünschen. Einen kleinen, vorübergehenden Dämpfer versetzte der Veranstaltung das höhnische Geplänkel über die vermeintliche Unfähigkeit des Stadtrats, die Größenordnung der Bauten und die Anzahl der zu erwartenden Bewohner vorzugeben. Tatsächlich aber wollten Stadtbauamt, Stadtrat und Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) von den Mitterndorfer direkt erfahren, in welchem Umfang ihr noch dörflich anmutender Stadtteil wachsen soll. Deswegen verzichteten sie auf Vorgaben über das künftige Baurecht und auf die dafür maßgebende Geschossflächenzahl im Verhältnis zur Größe des Areals.

Die ehemalige Schule steht seit zwei Jahren leer, weil der griechische Staat die überfällige Sanierung nicht leisten wollte. Das Gebäude selbst besteht aus einem Wohntrakt von 1910 und einem Anbau aus den fünfziger Jahren. Zunächst hatte Stadtbaurat Simon gemeinsam mit einem eigens engagierten Moderatorenteam die Eckdaten einer Planung herausgearbeitet. Sie ergeben sich aus den Emissionen von der nahe gelegenen Staatsstraße nach Fürstenfeldbruck und den Geruchsbelästigungen eines großen landwirtschaftlichen Betriebs in der Nachbarschaft. Dadurch wird der Bereich bereits stark eingeschränkt, innerhalb dem die Grenzwerte nicht überschritten oder im Sinne einer Wohnbebauung eingehalten werden.

Der Lärm- und Geruchsschutz spielte deshalb eine zentrale Rolle auf der Bürgerbeteiligung. Simon und die Moderatoren Gabrielle Heller sowie Martin Späth verdeutlichten den Zuhörern, dass die Architekten besonders gefordert seien, dafür eine entsprechende Bauweise zu verwirklichen. Wahrscheinlich ist ein Riegel in Ost-West-Richtung, der im Norden zur Staatsstraße hin das übrige Areal abschirmt.

Diese Erkenntnis führte dazu, dass sich die große Mehrheit in einem Meinungsbild für den Abriss der griechischen Schule aussprach, die sowieso als extrem sanierungsbedürftig gilt. Sie befindet sich in einer Nord-Süd-Richtung. Nur das kleine Wohnhaus im Süden aus dem Jahr 1910 soll als "identitätsstiftendes Element", als Zitat der Vergangenheit, erhalten bleiben. Außerdem haben sich im Dachstuhl Fledermäuse heimisch niedergelassen, die in der Planung aus Gründen des Naturschutzes berücksichtigt werden müssen.

Sehr wichtig war den Bürgern eine Architektur, welche den dörflichen Charakter aufnimmt. Freilich war fraglich, wie modern gebaut werden soll. Die einen wünschen sich eine Einheit mit der Umgebung, also mit einer Architektur, die von Einfamilien- und Reihenhäusern bestimmt wird. Die anderen wiederum plädierten für Kontrapunkte und Akzente.

Einig waren sich alle, dass auf dem Areal sozialer Wohnungsbau entstehen soll. Die Ideen, wie hier mehrere Generationen zusammenleben könnten, reichten von Wohnungen für betreutes Wohnen bis hin zu Wohngemeinschaften für Senioren. Deshalb soll ein Spielplatz entstehen, der beispielsweise über einen zusätzlichen Pavillon die Chance auf Begegnungen eröffnet. Simon sprach von einem "Strauß an Ideen". Eine klare Linie war nicht erkennbar.

Schließlich sprach sich die Bürgerbeteiligung für eine Kindertagesstätte aus, die vierzügig sein soll. Zurzeit wäre ein solches Angebot in Mitterndorf überdimensioniert. Da aber mit einem Zuzug von mindestens 100 Neubürgern gerechnet wird, davon viele Familien, dürfe die Tagesstätte vorsorglich nicht zu klein ausfallen, hieß es. Außerdem befindet sich nördlich der Staatsstraße die ehemalige Gärtnerei Flachslander. Es sei zu erwarten, dass auch dort ein Wohngebiet entsteht.

Für Stadtbaurat Simon war die Veranstaltung am Mittwochabend in Mitterndorf ein starkes Plädoyer für das Instrument der Bürgerbeteiligung. Sie ist mit dem Wunschkatalog für den Architekturwettbewerb noch nicht beendet. Denn die Mitterndorfer werden auch in die Entscheidung darüber einbezogen, welcher Vorschlag der beste ist. Dabei wird sich zeigen, ob die Architekten dem Wunsch der Mitterndorfer nachkommen können, einen optimalen Lärmschutz zu schaffen und gleichzeitig eine dörflich, lockere Bauweise anzustreben. Außerdem braucht es ein überzeugendes Konzept für die Verkehrserschließung.