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Dachau:Mit Zahlen und Fakten gegen den Protest

Mehr als 1600 Unterschriften haben Eltern gegen den Neubau des Kindergartens in Dachau-Süd gesammelt. Stadt und Caritas halten mit eigenen Daten dagegen.

Den Elternprotesten gegen das städtische Konzept für einen Neubau des Pfarrkindergartens Dachau-Süd will Oberbürgermeister Peter Bürgel (CSU) den Wind aus den Segeln nehmen. Der Kritik der Elterninitiative, die unter dem Motto "Raum für Kinder" ein Bürgerbegehren anstrebt, setzte der OB in einem Pressegespräch Zahlen und Daten entgegen. Ausführlich erläuterte er gemeinsam mit Bauamtsleiter Michael Simon sowie Dekan Wolfgang Borm und Caritas-Geschäftsführer Axel Hannemann als Vertreter des Trägers die Planungsidee. Ihr Fazit: "Es entsteht ein zeitgemäßer, hochwertiger und kindgerechter Kindergarten."

Um den Kindergarten Mariä Himmelfahrt gibt es Streit: Auf der Grünfläche soll ein Erweiterungsbau entstehen.

(Foto: DAH)

Seit einigen Wochen macht eine Elterninitiative mobil gegen die städtischen Planungen für den Neubau des Pfarrkindergartens Mariä Himmelfahrt. Mit ihrer Forderung nach mehr Platz für die Kleinsten finden die Initiatoren viel Zuspruch, mehr als 1600 Unterschriften haben sie bereits gesammelt für einen Bürgerentscheid gegen das städtische Vorhaben. Einig sind sich Stadt und Elterninitiative, dass die 1974 errichtete Kita einem Neubau weichen soll, da der marode Flachbau nicht mehr saniert werden kann. Die Kritik der Eltern richtet sich aber gegen das städtische Konzept, das an der Josef-Effner-Straße einen zweigeschossigen Neubau für vier Kindergarten- und zusätzlich zwei Krippengruppen vorsieht und einen Teil des Kita-Grundstücks als künftige Wohnbaufläche ausweist.

Die Idee, ein Teilareal als Bauland zu entwickeln, "wurde aus der Finanznot geboren", erklärt OB Bürgel. Allerdings steht die Stadt aktuell finanziell gut da. "Wir werden das Grundstück nicht verkaufen, solange die Stadt das Geld nicht braucht." Zudem bleibe den Kindern noch immer viel Platz, widerspricht Bürgel der Elternkritik. Die neue Kita, die 3,6 Millionen Euro kosten wird, biete im Haus "sogar 100 statt bisher 90 Quadratmeter pro Gruppe, aber anders verteilt", erklärt Axel Hannemann, der als Geschäftsführer der Caritas als künftigem Träger eng in die Bauplanungen involviert ist. Geringer werde die Freispielfläche, die sich von 2000 auf künftig 1550 Quadratmeter reduziert. Doch mit 12,4 Quadratmeter pro Kind liege der Garten noch 25 Prozent über dem staatlichen Richtwert.

Andere Dachauer Kitas kämen mit weniger Garten aus, "die funktionieren alle ohne Beschwerden", betont der OB. Letztlich entschieden nicht Quadratmeter über den Erfolg einer Kita, sondern "die pädagogische Arbeit des Teams", sagt Hannemann. Gerade das von Eltern geschätzte pädagogische Konzept bleibe erhalten, auch wenn die Trägerschaft nach dem Umzug der Kita von der Pfarrstiftung auf die Caritas übergehe. "Es bleibt ein kirchlicher Kindergarten", betont Pfarrer Wolfgang Borm nachdrücklich. Weitere Kritikpunkte der Eltern entkräftet Bauamtsleiter Michael Simon: Eine hohe Lärmschutzwand um den Kindergarten sei nicht geplant. Er verstehe deshalb nicht, warum die Eltern befürchteten, der Garten liege im Schatten.

Der Neubau entsteht neben dem alten Gebäude, die Kinder können während der Bauzeit also in ihrer gewohnten Umgebung bleiben. "Die Einschränkungen werden wesentlich geringer sein, als bei einer sonst nötigen Containerlösung", sagt Hannemann, der gemeinsam mit dem Mitarbeiterteam an der Konzeptentwicklung beteiligt war. Dabei seien "auch die Vorstellungen des Elternbeirats eingeflossen", betont Hannemann.

Stadt und Träger bedauerten die negative Resonanz des Projekts bei einem Teil der Eltern. "Wir wollten etwas Gutes, nun wird das gegenteilig dargestellt", sagt OB Bürgel. Dabei drängt die Zeit: Das Projekt ist vom Stadtrat beschlossen, im Frühjahr ist der Spatenstich geplant. Sollte sich der Bau durch ein Bürgerbegehren verzögern, müssten nicht nur die Kinder länger im maroden Altbau ausharren. Der Stadt gingen auch öffentliche Zuschüsse bis zu 400 000 Euro verloren, falls die Kita nicht bis Ende 2013 bezogen wird.