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Dachau:ÜB/FDP-Fraktion mahnt zu verträglicher Bebauung des MD-Geländes

Abriss komplett

Aktuell laufen noch die Abbrucharbeiten auf der 17 Hektar großen Industriebrache am Fuße des Dachauer Altstadtberges.

(Foto: N.P.JØRGENSEN)

Die geplante Fusion der Immobilienkonzerne Vonovia und Deutsche Wohnen sorgt weiter für Gesprächsstoff in der Dachauer Stadtpolitik.

Von Thomas Radlmaier, Dachau

Die geplante Fusion der Immobilienkonzerne Vonovia und Deutsche Wohnen beschäftigt weiterhin die Dachauer Politik. Die Deutsche Wohnen hatte erst im vergangenen Jahr das MD-Gelände am Fuße der Dachauer Altstadt gekauft. Dort soll der Münchner Projektentwickler Isaria ein neues Stadtviertel errichten. Geplant ist ein Mix aus Gewerbe und Wohnen, aktuell sind bis zu 1000 Wohneinheiten im Gespräch. Derzeit verhandeln Stadt und Isaria über wesentliche Punkte der künftigen Bebauung. Einen Bebauungsplan gibt es noch nicht.

Der Dachauer SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Schrodi sieht den Zusammenschluss der beiden größten deutschen Immobilienkonzerne auch für die Entwicklung des MD-Geländes sehr kritisch. Dieser könne zu einer "teilweise marktbeherrschenden Stellung" führen, so Schrodi. Er hoffe, dass hier das Bundeskartellamt genau hinschaue. Durch den starken Zuzug in die Landkreise Dachau und Fürstenfeldbruck habe sich die Wohnungssituation vor allem auch für junge Menschen und Beschäftigte mit kleinem bis mittlerem Einkommen wesentlich verschärft. "Nur durch klare Regelungen auf dem Wohnungsmarkt wie einen zeitlich befristeten Mietendeckel und vor allem zeitnahe Investitionen in den öffentlichen Wohnungsbau kann hier Abhilfe geschaffen werden." Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) habe als früherer Bürgermeister der Hansestadt Hamburg mit dem Bau von 10 700 Wohnungen allein im Jahr 2018 vorgemacht, "wie es geht", so Schrodi. Hierfür seien Investitionen notwendig, um genossenschaftlichen und öffentlichen Wohnungsbau zu fördern. "Nur indem wir sicherstellen, dass neu entstehender Wohnraum keine Rendite für Aktionäre abwerfen muss, können wir sicher sein, dass bezahlbarer Wohnraum entsteht."

Die ÜB/FDP-Fraktion im Dachauer Stadtrat kommt vor dem Hintergrund der anstehenden Fusion von Vonovia und Deutsche Wohnen zu einer ganz anderen Schlussfolgerung als Michael Schrodi. "Wer dem Investor oder auch Teilen der Dachauer Politik zuhört, könnte den Eindruck gewinnen, es gehe darum, für jede zusätzliche Wohnung auf dem ehemaligen MD-Gelände zu kämpfen", schreiben die Stadträte Ingrid Sedlbauer (ÜB), Peter Gampenrieder (ÜB) und Jürgen Seidl (FDP) in einer gemeinsamen Stellungnahme. Dass die Isaria mit mehr Wohnungen mehr Rendite machen wolle, "liegt auf der Hand". Für die Politik dagegen gehe es auch immer darum, mehr Sozialwohnungen zu schaffen.

Die drei Stadträte halten die aktuelle Diskussion mit dem Fokus auf das Thema Wohnen für verkürzt. Sie verweisen darauf, dass die Stadt in den vergangenen 50 Jahren "vorbildlich gehandelt" und über die Stadtbau GmbH Dachau 1168 Mietwohnungen, 538 Eigentumswohnungen und 104 Eigenheime für Dachauer Bürgerinnen und Bürger gebaut oder geplant hat. Dass dies fortgesetzt werden soll, ist für die ÜB-FDP-Fraktion unbestritten. "Aber muss das Thema Wohnen wirklich so dominant sein?" Es gehe doch auch um andere Entwicklungsziele. "Mehr Grün statt Beton beispielsweise. Oder auch um wohnortnahe Arbeitsplätze." Auf dem MD-Gelände werde faktisch ein neuer Stadtteil entstehen. "Soll es dort so aussehen wie etwa in Allach auf dem ehemaligen Diamalt-Gelände?" Die ÜB und FDP wollen das definitiv nicht.

Der Verkehr in der Stadt Dachau ist heute schon enorm. Wenn irgendwann einmal das MD-Gelände bebaut ist, könnte es zum Kollaps kommen. "Ist es vor diesem Hintergrund tatsächlich sinnvoll, die Wohnbebauung und damit die Einwohnerzahl zu maximieren?", so die ÜB/FDP-Fraktion. Dies bedeute auch hohe Folgekosten für die Stadt hinsichtlich Kindergärten, Schulen und sonstiger Infrastruktur. "Das kann sich die Stadt nicht nur heute, sondern auch mit Blick auf künftige Generationen schlicht nicht leisten. Schließlich haben wir auch noch den zweiten neuen Stadtteil Augustenfeld vor der Brust." Insgesamt sind Sedlbauer, Gampenrieder und Seidl davon überzeugt, "dass eine reduzierte, im Sinne von verträgliche Bebauung auf dem MD-Gelände der Stadt sehr gut tun wird". Dafür wollen sie sich "mit Nachdruck einsetzen".

© SZ vom 07.06.2021 / thra
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Von Thomas Radlmaier

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