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Abriss der MD-Papierfabrik in Dachau:Ende Gelände

Die Abbrucharbeiten auf dem MD-Areal am Fuße der Dachauer Altstadt schreiten voran. Viele Gebäude der alten Papierfabrik sind bereits verschwunden. Circa zwei Jahre noch, dann soll das Baufeld vollständig saniert sein.

Text: Thomas Radlmaier; Fotos: Toni Heigl, Dachau

Der Hammer des Abbruchbaggers drischt auf einen Brocken ein, bis dieser auseinanderfällt. Weiter hinten rattert rastlos ein Brecher und pulverisiert Gestein. Was übrig bleibt, kippt die raupenartige Maschine über ein Förderband zu Schutthaufen zusammen. Überall auf dem 17 Hektar großen MD-Gelände türmen sich Berge aus zertrümmertem Beton und Ziegelsteinen auf, aus ihnen stechen rostige Eisenstangen heraus. Dazwischen stapft Fritz Thoma an diesem wolkenverhangenen Vormittag durch den Matsch. Er ist jetzt ungefähr dort, wo früher das Heizkraftwerk stand, der Mühlbach fließt unter ihm hindurch. Mit jedem Gebäude, das verschwunden sei, habe sich auch der Blickwinkel auf das Areal geändert, sagt Fritz Thoma. Was hier am Fuß der Dachauer Altstadt geschieht, ist für ihn auch eine persönliche Geschichte, er hat früher in der Papierfabrik gearbeitet und ist inzwischen für den Investor Isaria tätig. Nun wünscht er sich, dass die Planungen für das neue Stadtviertel zügig vorangehen und etwas Neues auf diesem Boden entsteht. "Jetzt will ich was sehen", sagt er.

Auf dem MD-Gelände geht ein Kapitel Dachauer Industrie- und Stadtgeschichte zu Ende: Die Produktionshallen der Papierfabrik, die von 1862 bis 2007 in Betrieb waren, sind abgerissen, das markante Heizkraftwerk dem Erdboden gleichgemacht. Nur die denkmalgeschützten Gebäude an der Ludwig-Thoma-Straße und Konrad-Adenauer-Straße und ein Wohngebäude stehen noch. Auch die Graffiti-Fassade an der Freisinger Straße bleibt vorerst, um Anwohner vor Lärm und Staub von der Baustelle zu schützen. Dahinter erstreckt sich eine Fläche mit aufgetürmten Schutt. Von der alten Schleiferei ist nur noch die Ruine eines Anbaus geblieben. "Unsere Akropolis", sagt Pierre Manthe von den mit dem Abbruch beauftragten Ingenieurbüros Campus. Diese werde erst abgerissen, wenn der Mühlbach verlegt sei.

265 000 Tonnen Bauschutt und 300 000 Tonnen Bodenmaterial

Es sind fast aberwitzige Zahlen: Rund 265 000 Tonnen Bauschutt und 300 000 Bodenmaterial fallen beim Abbruch des Zentralgeländes an. Hinzu kommen 10 000 Tonnen Asphalt. Zum Vergleich: Beim Abriss und der Bodensanierung des Holzlagerplatzes gegenüber des zentralen Areals entstanden 10 000 Tonnen Schutt, 16 000 Bodenmaterial und 5000 Tonnen Asphalt. "Wir streben an, möglichst viel des aus dem Abbruch anfallenden Materials zu recyceln", sagt Isaria-Pressesprecher Willi Brandt. Genutzt werde beispielsweise gebrochenes Bauschuttmaterial für den Unterbau von Neubauten. Der Asphalt wird in Aufbereitungsanlagen aufbereitet und wiederverwendet. Laut Brandt wird das Material möglichst in der näheren Umgebung wiederverwendet. "Vor Ort erfolgt auch die Trennung nach Materialien. Metalle gehen von der Baustelle direkt in die Kanäle des Recyclings", sagt er. Baukoordinator Manthe ist zufrieden mit dem Verlauf der Abrissarbeiten. Er blickt oben vom Rand des Teils der Kalanderhalle, der noch steht, über die Fläche und Schutthügel. Etwas mehr als zwei Jahre noch, dann sei das Baufeld wie der Holzlagerplatz vollständig saniert. Dann könnte theoretisch gebaut werden. Isaria will ein "urbanes Stadtviertel" bauen, in dem die Geschichte der Papierfabrik gegenwärtig bleiben soll.

Fritz Thoma ist die Treppen zur ehemaligen Kantine hochgestiegen. Sie wurde 1951 erbaut und befindet sich in dem denkmalgeschützten Gebäude an der Kreuzung der Ludwig-Thoma-Straße zur Konrad-Adenauer-Straße. Kleine Metallteile liegen verstreut auf dem Boden. An der Decke hängen noch die Lampenschirme. Im Saal sind einige der hohen Fenster eingeschlagen. Wie und ob der Saal in Zukunft genutzt werden wird, ist noch völlig offen. Der Abriss war ein Kraftakt und Thoma ist froh, dass nun hoffentlich bald ein neues Kapitel auf dem Gelände der ehemaligen MD-Papierfabrik beginnt. Ein Fenster, dort oben in der alten Werkskantine, ist noch unbeschadet. Der Glasmaler Syrius Eberle hat es gestaltet. Darauf steht: "Das Schwerste = immer zuerst."

© SZ vom 14.10.2020
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