Zum ersten Mal in Bayern findet in Dachau der „March of the Living“ statt – „eine bayerische Version“ der internationalen Gedenkveranstaltung in Auschwitz, wie die Initiatoren sagen. Der Münchner Wirtschaftswissenschaftler Guy Katz, Landrat Stefan Löwl (CSU) und Antisemitismusbeauftragter Michael Holland haben die Idee dazu geboren. Am 25. Januar, zwei Tage vor dem Holocaust-Gedenktag, startet der Marsch am Besucherzentrum der KZ-Gedenkstätte Dachau zum Bahnhof. Mit dabei: als Schirmherrin die Shoah-Überlebende Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, sowie die Schauspielerin Uschi Glas.
Katz, der in München die Initiative „Dach gegen Hass“ gegründet hat, erklärt in einer Pressemitteilung: „Ziel ist ein sichtbares, würdiges und breites Zeichen gegen Judenhass sowie für Verantwortung, Erinnerung und gesellschaftlichen Zusammenhalt.“
Der „March of the Living“ ist ein jährlich stattfindender Gedenkmarsch vom Konzentrationslager Auschwitz I zum Vernichtungslager Birkenau. Seit der Premiere 1988 sind mehr als 300 000 Teilnehmer, vor allem jüdische Jugendliche, aus 50 Ländern am israelischen Gedenktag für die Opfer der Shoah im April (Yom Hashoah) auf dem drei Kilometer langen Weg marschiert. In Auschwitz-Birkenau sind etwa eine Million europäischer Juden von den Deutschen vergast worden. Auch Sinti und Roma, polnische Häftlinge, sowjetische Kriegsgefangene und Homosexuelle sind dort ermordet worden.
Der „March of the Living“ bringt die Teilnehmer mit Shoah-Überlebenden zusammen, deren Erinnerung sie weitertragen sollen – um angesichts der bezeugten Gräuel des Holocaust „Gleichgültigkeit, Rassismus und Ungerechtigkeit zu bekämpfen“, wie es auf der Website der Initiative heißt. Drei Kilometer misst auch die Strecke in Dachau – vom ehemaligen Konzentrationslager zum Bahnhof Dachau, „jenem Ort, der symbolisch für den historischen Kontext des damaligen Leidensweges steht, an dem die Deportierten ankamen“, erklären die Organisatoren.

Im Konzentrationslager Dachau waren zwischen 1933 und 1945 mehr als 200 000 Menschen aus ganz Europa gefangen, mehr als 41 500 überlebten im Stamm- und in den Außenlagern nicht. Dachau war das Modell für alle anderen Konzentrations- und Vernichtungslager der Nationalsozialisten. Rudolf Höß zum Beispiel, Kommandant von Auschwitz, wurde in Dachau von der Lager-SS ausgebildet. Dachau stehe „für den Tod, für die dunkle Vergangenheit“, erklärt Holland, der auch Leiter der Abteilung für öffentliche Sicherheit und Ordnung im Landratsamt ist. Aber nicht nur: „Es kann eine Zukunft geben, die nicht nur dunkel ist.“
Erwartet werden laut Katz auch Schülerinnen und Schüler aus Dachau und vom Jüdischen Gymnasium in München. Bei der Auftaktveranstaltung um 14 Uhr im Besucherzentrum werde auch eine muslimische Schülerin sprechen. „Heute gehen wir ihn für das Leben, für die Würde und für die Zukunft unserer Gesellschaft“, erklärt Katz zum geplanten Marsch. Prominente Unterstützerin der Initiative ist Uschi Glas. Bei den wöchentlichen „Run for Their Lives“-Schweigemärschen für die in Gaza festgehaltenen israelischen Geiseln war die Schauspielerin von Anfang an dabei. Vor der Presse kritisierte sie die Ansichten vieler junger Menschen zur Lage im Nahen Osten. „Ich bin entsetzt über die Einseitigkeit und den Hass“, so Uschi Glas. Gerade im Kulturbetrieb fehle es an Solidarität für die jüdische Gemeinschaft in Deutschland.


