Zwischen dem hektischen Treiben auf der Ludwig-Thoma Straße und dem Kühberg liegt in Dachau eine kleine, hölzerne Brücke über dem Mühlbach, ganz versteckt im Schatten der Bäume. Der Straßenlärm dringt nur gedämpft durch die Äste und wird überdeckt vom sanften Glucksen des fließenden Wassers.

An diesen Ort kommt Monika Wolf gerne, um die Ruhe zu genießen, oder um als Gästeführerin den Besuchern Dachaus die schöne Aussicht zu präsentieren und die spannende Geschichte des Mühlbachs zu erzählen.
"Oben ist das Alte, dreht man sich um, sieht man das Moderne", beschreibt Monika Wolf die Aussicht von der Brücke schwärmerisch. Tatsächlich bietet ein Blick gen Himmel eine wunderbare Sicht auf die Dachauer Altstadt.
Besonders auf die historischen Gebäude des Gasthof Zieglerbräu und des Hotel Hörhammer Bräu, die beide schon seit dem 16. Jahrhundert existieren, wie Monika Wolf weiß. Auf der anderen Seite der Brücke dreht sich die Skulptur von Ulrich Brüschke beständig im Wasser - ein schwarzer Zylinder der von Form und Aussehen an ein Mühlrad erinnert.
Statt hölzernem Poltern erzeugt das Kunstwerk, das 2009 an dieser Stelle installiert wurde, aber ein sanftes, geradezu meditatives Plätschern.
Von einer tatsächlichen Wassermühle habe der Bach aber auch seinen Namen, erklärt Monika Wolf. "Weiter unten im Flusslauf war ursprünglich eine Mühle, eine der Ältesten im Landkreis.
Sie wurde erstmals Anfang des 14. Jahrhunderts erwähnt", erzählt die Gästeführerin. Diese wurde ursprünglich als Mahl- und Sägemühle gebraucht. 1871 wurde sie jedoch abgerissen und auf den Angern wurde eine Papierfabrik am Wasser des Mühlbaches gebaut.
Doch nicht nur zu Produktionszwecken diente der Arm der Amper. Monika Wolf weiß auch, dass aus dem Bach früher Trinkwasser zum Dachauer Schloss hochgepumpt wurde. Ein Blick von der kleinen Holzbrücke verrät außerdem eine weitere Nutzung aus früheren Zeiten.
Am Ufer des Baches spazieren einige Enten über alte, bemooste Steine, an denen sich das Wasser leise bricht. "Das sind Fundamente von ehemaligen Badehütten", erklärt die Gästeführerin. In diesen hölzernen Verschlägen mit Trennwänden konnten die Badegäste früher ungesehen ins Wasser steigen. Der Name des Übergangs lautet nicht zufällig "am Hüttelbach".
"Baden ist hier ein Thema in jeder Hinsicht", sagt Monika Wolf. In den Fünfziger Jahren beispielsweise seien parallel zum Dachauer Volksfest Schwimmwettkämpfe im Mühlbach veranstaltet worden. Monika Wolf habe aber selbst nie darin gebadet.
"Ich bin 1970 nach Dachau gekommen, da war das Wasser schon zu dreckig", erzählt die gebürtige Wienerin. Inzwischen sei es aber s wieder möglich, sich im Mühlbach zu erfrischen.
Monika Wolf aber erfreut sich lieber oberhalb des kühlen Nasses an der Geschichte und der Ruhe des versteckten Plätzchens. Sie betrachtet das endlos fließende Wasser von der kleinen Brücke aus, leicht gegen das hölzerne Geländer gelehnt.
"Dieser Platz ist wie ein ruhender Pol für mich, einer der letzten idyllischen Orte. Davon gibt es nur noch wenige hier."