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Dachauer Leitenberg:"Friedhof muss Teil der Erinnerungskultur sein"

Das Staatliche Bauamt Freising stellte in Untersuchungen fest, dass der Leitenberg "in hohem Maße geologisch instabil" ist und Abbruchgefahr besteht.

(Foto: Toni Heigl)

Grünen-Politikerin Triebel fordert, dass der Freistaat sich seiner Verantwortung für den Dachauer Leitenberg bewusst wird

Von Julia Putzger, Dachau

Der Dachauer Leitenberg, eigentlich ein zentraler Gedenkort und Grabstätte für mehrere Tausend KZ-Häftlinge, ist in miserablem Zustand: Einer der beiden Wege, die zum Friedhof auf dem Leitenberg führen, ist schon seit Jahren gesperrt, die Südostflanke droht abzurutschen. Verantwortlich für das Gelände ist prinzipiell die Stiftung Bayerische Gedenkstätten, doch die verweist ob der enormen Kosten, einer Instandsetzung an das Kultusministerium und den Freistaat. Die Verantwortlichen dort scheinen das Problem allerdings nicht ernst zu nehmen, weiterer Stillstand über Jahre hinweg droht.

Das geht aus der Beantwortung einer Anfrage hervor, die die Landtagsabgeordnete Gabriele Triebel (Grüne) Anfang Februar gestellt hatte. So heißt es in der Antwort des Kultusministeriums unter anderem, dass das Problem lediglich der Weg zum Leitenberg und nicht des Gräberfeld selbst sei: "Der Friedhof selbst ist nicht gefährdet." Dass das Staatliche Bauamt Freising in ersten Untersuchungen feststellte, dass der Berg "in hohem Maße geologisch instabil" ist und Erosions- und Abbruchgefahr besteht, bewegt die Verantwortlichen im Kultusministerium allerdings nicht dazu, möglichst bald zu handeln. Stattdessen heißt es in der schriftlichen Antwort: "Eine zeitliche Perspektive für die Behebung dieses Problems gibt es derzeit nicht." Grund dafür seien "unabsehbare Kosten", die eine Sanierung des Südhangs mit sich bringe. Die geologische Instabilität des Hangs ist jedoch bereits seit den 1980er-Jahren bekannt.

Dabei gab es bereits ein konkretes Projekt, um den Leitenberg als Gedenkstätte besser zu erschließen: Ein barrierefreier, asphaltierter Weg sollte von Norden zum Gräberfeld hinaufführen und mit Informationstafeln flankiert werden. Sogar EU-Fördergelder standen bereits im Raum, doch ein privater Grundstückseigentümer verwehrte seine Zustimmung. Doch selbst wenn dafür eine Lösung gefunden würde, sieht Triebel eine weitere Frage offen: Die Gedächtnishalle "Oktogon" im Osten des Gräberfelds ist aus baulichen Gründen schon länger gesperrt. Laut Kultusministerium müsste die Halle jedoch nicht nur ertüchtigt werden, sondern auch als Erinnerungsort erklärt und eingeordnet werden. Wie, wann und mit welchen Geldern, das ließ das Ministerium erneut offen.

Die Grüne Landtagsabgeordnete Gabriele Triebel ist von den Antworten aus dem Kultusministerium jedenfalls schwer enttäuscht und findet, dass die Staatsregierung das Problem nicht erkennt oder zumindest nicht erkennen will: "Sollen alle Menschen, die nicht so gut zu Fuß sind, diesen Friedhof nicht erreichen können? Ist das vertretbar - gerade bei einem Friedhof? Ich finde das absolut nicht!" Sie fordert deshalb, dass der Freistaat sich endlich seiner Verantwortung bewusst wird und statt bestehende Probleme nur aufzulisten, einen konkreten Zeitplan entwickelt und sich zu Finanzierungsfragen äußert. "Ich sehe den Freistaat klar in der Verantwortung, den Friedhof Leitenberg in einen würdevollen Zustand zu versetzen und ihn auch barrierefrei zugänglich zu machen. Der Friedhof muss Teil des Gesamtkonzeptes für Erinnerungskultur sein, das die Staatsregierung letztes Jahr vorgestellt hat", so Triebel.

© SZ vom 09.03.2021
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