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Nahostkonflikt:Tage des Hasses

Solidaritätsbesuch bei der israelischen Generalkonsulin

Der Dachauer Landrat Stefan Löwl (CSU) bei einem Solidaritätsbesuch bei der israelischen Generalkonsulin Sandra Simovich in München.

(Foto: privat/oh)

Landrat Stefan Löwl setzt ein Zeichen gegen antisemitische Hetze und fährt zu einem Solidaritätsbesuch bei der israelischen Generalkonsulin Sandra Simovich nach München.

Von Helmut Zeller, Dachau/München

Landrat Stefan Löwl (CSU) hat in der vergangenen Woche den eskalierenden Konflikt zwischen der palästinensischen Terrorgruppe Hamas und Israel mit wachsender Sorge verfolgt. Die Hamas begann am vergangenen Montag die Konfrontation mit massiven Raketenangriffen aus dem Gazastreifen auf israelische Städte, darunter auch Tel Aviv. Inzwischen feuerten die Hamas und andere radikalislamische Gruppen mehr als 2300 Raketen auf Israel. Die israelische Luftwaffe flog als Reaktion darauf massive Angriffe auf ausgewählte Ziele im Gazastreifen - auf beiden Seiten gibt es Tote und Verletzte. Am Freitag fuhr der Landrat zu einem Solidaritätsbesuch bei der israelischen Generalkonsulin Sandra Simovich nach München und ließ die israelische Staatsflagge vor dem Gebäude des Landratsamts in Dachau hissen, wie auch andere Kommunen Deutschlands das gemacht haben.

Landrat Löwl zeigte sich im Gespräch mit der SZ erschüttert auch von den Reaktionen in Deutschland - zu den aggressiven antiisraelischen und teils auch antisemitischen Demonstrationen der vergangenen Tage erklärte die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch: "Ich bin zutiefst erschüttert, wie schamlos und offen der Antisemitismus auf den Demonstrationen der letzten Tage zur Schau gestellt wurde. Synagogen als Angriffsziele und Demonstrationen für Israel, die nur mit massivem Polizeischutz stattfinden können: Wenn das unsere Realität ist, hat der Judenhass gewonnen...Einen Ort des Gebets zu attackieren, den Kern von Gemeinschaft - das ist eine Absage an alle unsere Werte und an die Menschlichkeit."

Löwl sagte, dass er sich über das breite Schweigen ausgerechnet in Dachau mit seiner NS-Vergangenheit doch sehr wundere, gerade auch von Organisationen, die doch sonst zu anderen Problemen ihre Stimme lautstark erheben würden. Man könne, so Löwl, Kritik an israelischer Staatspolitik üben, aber was wir in diesen Tagen auf deutschen Straßen erlebten, sei antisemitische Hetze, Hass auf Juden, die als deutsche Staatsbürger für diesen Konflikt, mit dem sie überhaupt nichts zu tun hätten, haftbar gemacht würden. Antisemitismusforscher sind nicht überrascht. Israelbezogener Antisemitismus ist in Deutschland weit verbreitet: Weil er nach Auschwitz eine sozial akzeptierte Umwegkommunikationsform für antijüdische Einstellungen ist.

© SZ vom 17.05.2021
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