Knapp zwei Jahre ist es her, dass Dachauer Künstler auf Litfaßsäulen und Plakatwänden ein Zeichen setzten gegen Hass, Hetze und Ausgrenzung. „Haltung zeigen“ nannte sich die Aktion. Von kommender Woche an sind die 33 Plakate in der internationalen Jugendbegegnungsstätte (IJBS) in Oświęcim zu sehen. Besucht wird sie von Jugendgruppen aus aller Welt, der größte Teil kommt aus Deutschland. Zur Eröffnung am 26. Januar reist eine achtköpfige Delegation aus Dachau an. Schirmherren der Ausstellung sind der Dachauer Landrat Stefan Löwl und sein polnischer Amtskollege, Andrzej Skrzypiński.
2024 hatte Florian Marschall, Vorstandsmitglied der Künstlervereinigung Dachau (KVD), die Aktion „Haltung zeigen“ ins Leben gerufen. Die erbittert geführten Kontroversen während der Corona-Pandemie und die zunehmend aggressive politische Rhetorik alarmierten ihn: Ein offener Diskurs schien kaum mehr möglich. Hinter dem öffentlichen Bekenntnis „gegen Hass, Polemik und Egoismus“ versammelten sich Dutzende Künstlerinnen und Künstler der Stadt, nicht nur aus den Reihen der KVD. Zu jedem Plakat steuerten sie ein Motiv bei – gewissermaßen als persönliche künstlerische Signatur.
„Das ist ein sehr wichtiges Projekt“, sagt Bernadetta Czech-Sailer. Sie koordiniert im Büro von Landrat Stefan Löwl die Landkreispartnerschaft Dachau-Oświęcim. Eigentlich wollte sie die Ausstellung schon im vergangenen Jahr nach Polen bringen – zum 80. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz und zu zehn Jahren Landkreispartnerschaft. Das scheiterte damals an den Terminplänen der KVD-Vertreter. „Ich kann mir nicht vorstellen, so eine Ausstellung zu machen, und unsere Künstler sind nicht dabei.“ Denn sie waren es, die schon vor mehr als 30 Jahren den Grundstein für diese Partnerschaft gelegt haben. Die tragende Achse bilden Heiko Klohn und Paweł Warchoł; die beiden Zeichner sind Freunde.
Dass „Haltung zeigen“ eine Neuauflage an der internationalen Jugendbegegnungsstätte erlebt, freut Florian Marschall besonders, „weil die IJBS die Geburtsstätte der internationalen Biennale des sozialpolitischen Plakats ist“. Die Initiatoren dieses Projekts, darunter Paweł Warchoł, gingen davon aus, dass die „Stimme von Oświęcim“ im heutigen Informationsrummel eher gehört werde. Oświęcim sollte daher ein Forum werden für einen künstlerischen Meinungsaustausch über die wichtigsten Probleme der heutigen Welt. Das Projekt existiert seit 2006. Die Ausstellung ist bis 28. Februar zu sehen.

