Dachauer Krippenpfad:"Ein bisschen heile Welt"

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Dachauer Krippenpfad: Diese orientalisch anmutende Krippe von David Seifert ist beim Ampertaler Krippenpfad in der Münchner Straße im Schaufenster der Parfümerie Vesna zu sehen.

Diese orientalisch anmutende Krippe von David Seifert ist beim Ampertaler Krippenpfad in der Münchner Straße im Schaufenster der Parfümerie Vesna zu sehen.

(Foto: Toni Heigl)

Seit 2015 gibt es die Ampertaler Krippenfreunde, vor zwei Jahren haben Thomas Babinsky, Josef Kugler und David Seifert erstmals einen Krippenpfad in Dachau organisiert. Heuer sind mehr als 50 Krippen in den Schaufenstern der Stadt zu sehen. Ein Rundgang.

Von Petra Neumaier, Dachau

Der Verkehr scheint stillzustehen, das Rauschen und Brummen zu verstummen. Ganz ruhig ist es auf einmal in der Münchner Straße, wenn sich der Blick senkt in die friedvolle Ruhe, die hinter den Schaufenstern leuchtet. Auch hier ist die Szenerie stehengeblieben: die Menschen mitten in ihrer Arbeit, die Tiere in ihren Bewegungen. Staunend steht man davor, mit den Blicken jeden Winkel der Häuser abtastend, in den Gesichtern Gedanken und Gefühle lesend. Ganz egal, ob die Szenen der heuer insgesamt 51 Krippen groß oder klein, orientalisch oder alpenländisch, klassisch oder modern sind: Eine jede ist ein Unikat, ein Kunstwerk für sich. Zu bestaunen sind sie vom 27. November bis zum 6. Januar auf einem der längsten Krippenpfade in Bayern. In Dachau.

David Seifert, Thomas Babinsky und Josef Kugler, die drei Gründer der seit 2015 bestehenden "Ampertaler Krippenfreunde", schweben regelrecht über das Pflaster, als sie erzählen. Vom vergangenen Wochenende, als im Ludwig-Thoma-Haus 81 Krippen ausgestellt wurden und ein riesiger Andrang herrschte. "Über 1000 Besucher waren das bestimmt", schätzt Josef Kugler und strahlt. Der Ansturm und die Begeisterung der Besucher zeigten, wie groß das Interesse der Bevölkerung an den Heile-Welt-Szenen ist. Und vielleicht auch, wie groß das Bedürfnis nach Tradition, die Halt gibt: Krippendarstellungen gehen bis ins Spätmittelalter zurück, und es gibt wohl kaum eine Familie, die nicht eine solche zur Adventszeit im Wohnzimmer stehen hat. In welcher Form und Ausführung auch immer.

Auch nach sieben Jahren sind die Organisatoren des Krippenpfads noch begeistert

Auch die Augen von David Seifert, Thomas Babinsky und Josef Kugler leuchten. Und das, obwohl die drei Gründer der seit 2015 bestehenden Gruppe schon unzählige Krippen selbst gebaut und etwa 140 Teilnehmer in ihren Kursen (ohne Kinder) zum Bau angeleitet haben. Doch die Drei sind immer wieder aufs Neue fasziniert von den Miniaturwelten und Szenen, die sie darstellen. "Ein bisschen heile Welt", sagt David Seifert lächelnd. Der 46-jährige Mediendesigner ist nach vier Jahren Lehrzeit seit kurzem Meister im Krippenbau - die Urkunde steht neben seinem Meisterstück im Schaufenster. Nur 48 Stunden hatte er für die wunderschöne orientalische Krippe Zeit. Kaum zu glauben, beim Anblick der vielen liebevollen Kleinigkeiten und feinsten Ausführungen.

Wie vielfältig jene sein können, beweisen seit sieben Jahren die Ampertaler Krippenfreunde um die drei Gründer, die sogar ihren Meister im Krippenbau gemacht haben. In ihren Kursen leiten sie vor der Adventszeit ihre Teilnehmer an: Erwachsene und Kinder - die Veranstaltungen sind weit im voraus ausgebucht. Schon jetzt stehen für 2023 fast 30 Interessenten auf der Warteliste.

Die drei Organisatoren haben zwar selbst eine ganze Reihe verschiedener Krippen zuhause stehen und im Keller ruhen. "Ohne unsere Kursteilnehmer gäbe es den Pfad aber nicht", betont Thomas Babinsky. Die Figuren werden von ihnen nicht hergestellt - sie sind Fertigprodukte aus Holz oder Ton, seltener bis gar nicht aus schnödem Plastik - aber immer passend zum Stil der gefertigten Szenerie. Auf zweieinhalb Monate erstreckt sich der Kurs. Eine Zeit, die neben dem Handwerk von Gemeinschaft und Geselligkeit geprägt ist. "Viele Freundschaften wurde hier schon geschlossen", erzählt Josef Kugler.

Erlaubt ist bei der Gestaltung alles, was möglich ist. Aufgeben während des Bauens gibt es nicht. Auch, wenn Josef Kugler (77) selbst bei seiner letzten Krippe kurz davor war. 200 Stunden, erzählt er kopfschüttelnd, habe er gebraucht für die Krippe, die er in den Stamm einer Esche hinter Glasfenstern integriert hat. Das Holz erwies sich als lebendig. "Mehrere Scheiben gingen zu Bruch", stöhnt er heute noch und ist doch stolz, dieses Unikat heuer im Schaufenster eines Trachtengeschäftes präsentieren zu können.

Dachauer Krippenpfad: Thomas Babinsky, Josef Kugler und David Seifert (v.l.) sind die Organisatoren des Ampertaler Krippenpfads in Dachau. Heuer sind dort 50 Krippen zu sehen.

Thomas Babinsky, Josef Kugler und David Seifert (v.l.) sind die Organisatoren des Ampertaler Krippenpfads in Dachau. Heuer sind dort 50 Krippen zu sehen.

(Foto: Toni Heigl)
Dachauer Krippenpfad: Auch Thomas Babinsky hat eine Krippe in orientalischem Stil geschaffen. Zu sehen ist sie im Schaufenster von Trachtendreams in der Münchner Straße.

Auch Thomas Babinsky hat eine Krippe in orientalischem Stil geschaffen. Zu sehen ist sie im Schaufenster von Trachtendreams in der Münchner Straße.

(Foto: Toni Heigl)
Dachauer Krippenpfad: Diese urige Wurzelkrippe steht beim Beleuchtungsladen Lichtquelle in der Münchner Straße.

Diese urige Wurzelkrippe steht beim Beleuchtungsladen Lichtquelle in der Münchner Straße.

(Foto: Toni Heigl)

Wie auf einer Perlenkette sind die Krippen auf dem Rundweg aufgereiht, der sich von der Augsburger Straße durch die Altstadt zieht und über die Münchner Straße bis hin zum Bahnhof und nur unterbrochen wird von schaufensterlosen Abschnitten. Als der Krippenpfad 2020 erstmals durch die Innenstadt führte, waren es gerade mal 30 Exponate. Damals mussten die Organisatoren bei den Geschäftsinhabern hausieren gehen. Inzwischen müssen sie nach Ausstellungsflächen nicht mehr suchen. Der Werbeeffekt ist groß - fast 15 000 Klicks im vergangenen Jahr auf den Online-Gehplan und 3000 sofort vergriffene Flyer im Tourismusamt sprechen für sich.

Die Krippenbauer fertigen sogar in Auftrag der Geschäftsinhaber passende Krippen an. Wie die Hundertwasser-Krippe für die Candisserie oder die orientalische Krippe für den Optiker Tannek in der Münchner Straße. Wer sich bückt und durch den Torbogen schaut, blickt in eine weitläufige Gasse: "Ein Spiegel im Turm", erklärt der Erbauer, David Seifert den faszinierenden optischen Trick.

Auch Wurzelkrippen sind zu sehen

Neben heimatlichen, orientalischen und italienischen Krippen sind auch Darstellungen der Herbergssuche oder der Geburt zu sehen. Sogar in Fässern, Kisten oder Laternen sind sie integriert. Zwei Krippen zeigen die Flucht und den Aufenthalt in Ägypten. Und weil Wiedersehen Freude macht, kann man die eine oder andere Krippe heuer erneut bewundern. Nicht wenige sind jedoch neu. Darunter auch Wurzelkrippen: Anstelle von Stall oder Haus versammelt sich die Heilige Familie unter bemoosten Wurzeln. Thomas Babinsky zuckt mit den Schultern. "Ein Krippenbauer geht schließlich nicht nur zum Spazieren in den Wald, er sucht auch immer Materialien, die er für seine Krippe verwenden kann," erklärt er.

Eine jährlich wiederkehrende Herausforderung ist es für die Krippenfreunde jedoch, einen beheizten Raum zu finden, den sie für die Dauer der Kurse nutzen können. "Da sind wir selbst immer auf Herbergssuche", sagt Thomas Babinsky. Bezahlbar muss der Raum auch sein und zentral liegen. Eine feste Bleibe ist deshalb für die Krippenfreunde, die keinen Verein gründen wollen und deshalb auch ohne Förderungen auskommen müssen, der größte Weihnachtswunsch.

Wobei: einen hätten sie noch. Josef Kugler erklärt. "Wir freuen uns, wenn der weihnachtliche Gedanke gelebt wird und die Geschäftsinhaber oder Besucher des Krippenwegs soziale Einrichtungen im Landkreis unterstützen." Denn auch in diesem Jahr unterstützen die Krippenbauer das Haus des Lebens Dachau e.V. - eine Mutter-Kind-Einrichtung in Hebertshausen im Ortsteil Deutenhofen.

Der Ampertaler Krippenpfad ist noch bis zum 6. Januar 2023 in den Schaufenstern der teilnehmenden Geschäfte zu sehen. Ein Flyer (erhältlich zum Beispiel im Tourismusbüro) informiert über die genauen Standorte. Zusätzlich sind an den Schaufenstern QR-Codes angebracht. Weitere Informationen unter www.ampertaler-krippenfreunde.de.

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