Der Abschuss von mehreren Saatkrähen im Landkreis Dachau hat möglicherweise juristische Folgen. Wie der Verein Ärzte gegen Tierversuche mitteilt, habe er bei der Staatsanwaltschaft München Anzeige wegen Tierquälerei erstattet. Im Rahmen des Projekts seien bereits im März „mindestens 80 Saatkrähen im Landkreis Dachau“ getötet worden, erklärt der Verein.
Zudem sei es zur Entnahme und Zerstörung von Nestern sowie zur Entfernung von Gelegen gekommen. Dies sei ein Gesetzesverstoß, so Nele Berndt, Juristin bei Ärzte gegen Tierversuche: „Die Tiere wurden getötet, um wissenschaftliche Daten zu erheben. Das ist durch die Ausnahmegenehmigung nach dem Bundesnaturschutzgesetz nicht gedeckt.“
Hintergrund ist ein vom Bayerischen Landesamt für Umwelt und Natur initiiertes Projekt unter Leitung der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf mit dem etwas sperrigen Namen: „Erweitertes Management von Saatkrähen zur Verhinderung landwirtschaftlicher und urbaner Schäden“. Denn solche richten die Tiere durchaus an, sowohl in der Landwirtschaft als auch in bewohnten Gebieten. Die Saatkrähe gehört darum nebst Wolf, Biber und Otter zu den Tierarten, deren Schutzstatus die bayerische Staatsregierung herabstufen möchte.

Modellprojekt:Jäger darf 80 Saatkrähen in Dachau abschießen
Im Rahmen eines wissenschaftlichen Modellprojektes dürfen in Dachau ausnahmsweise Saatkrähen getötet und deren Eier aus Nestern entfernt werden. Naturschützer kündigen Klagen an.
Derzeit allerdings stehen Saatkrähen, anders als die bejagbaren Rabenkrähen, nach EU-Recht und Bundesnaturschutzgesetz noch unter strengem Schutz. Darauf weist nun auch der Verein Ärzte gegen Tierversuche hin. Außerdem vermutet man dort hinter dem Krähen-Projekt „einen rechtswidrigen Tierversuch“, so Berndt, was ganz grundsätzlich gegen das Tierschutzgesetz verstoße.
Denn dazu sei eine gesonderte Genehmigung erforderlich, laut Berndt ist eine solche indes nicht erteilt worden. Wie der Verein weiter mitteilt, gebe es durchaus andere Optionen: In Dachau seien „bereits 2024 erfolgreiche tierschonende Maßnahmen“ vorgenommen worden. „Diese hätten aus Sicht des Vereins auch jetzt ausgereicht, um Schäden zu verhindern.“
Seitens des Umweltministeriums gibt man die Zahl der getöteten Vögel indes viel geringer an: Ganze 14 Tiere seien „vor der Eiablage (März/April) an zwei ausgesuchten innerstädtischen Standorten entnommen“ worden, schreibt die Pressestelle dazu. „Weitere Abschüsse waren hier nicht mehr nötig, da sich schnell ein Erfolg einstellte und diese Kolonien umsiedelten.“
Das Krähenprojekt des Umweltministeriums soll bis 2026 auch in anderen Landkreisen stattfinden, etwa in Bad Aibling, Erding, Straubing und im schwäbischen Asbach-Bäumenheim. Wobei es hier durchaus regionalen Widerstand gibt: Als es im November im Landkreis Erding vorgestellt wurde, weigerten sich die örtlichen Jäger schlichtweg, sich daran zu beteiligen. Der Biologe Thomas Schreder, Vorsitzender im Erdinger Kreisjagdverband, nannte das Projekt „wenig zielführend“ und „nicht durchführbar“. Weder er selbst, noch die anderen Jäger und Jägerinnen aus Erding und Umgebung würden sich daran beteiligen.

