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Umstrittenes Lied:OB Florian Hartmann verteidigt Konzertzuschuss

Der Streit um die Punkband "Sabot Noir" weitet sich aus. Nun hat sich der Dachauer Oberbürgermeister zum Thema geäußert.

Von Thomas Balbierer, Dachau

Der Streit um die Punkband Sabot Noir weitet sich aus. Nachdem der Dachauer Kulturausschuss in der vergangenen Woche nach hitziger Debatte knapp für einen 750-Euro-Konzertzuschuss im "Freiraum" votiert hat, äußern sich nun Bürger und konservative Politiker empört. Der CSU-Landtagsabgeordnete Bernhard Seidenath erklärt in einem Schreiben an Dachaus Polizeichef Thomas Rauscher, er sei "bestürzt und beschämt", dass die Stadt eine Band bezuschusse, "die in einem ihrer Lieder Polizistinnen und Polizisten beleidigt und sich zu Hass auf die Polizei bekennt". Er bezieht sich auf den Song Fuck Cops, in dem die Zeile "Jajajajaja ich hasse die Bullen!" wieder und wieder gesungen wird. Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) hingegen verteidigt die Entscheidung mit Verweis auf die Meinungsfreiheit, macht jedoch klar, dass er das Lied "weder musikalisch noch textlich als gelungen" empfinde. Sein Respekt vor der Polizei sei nach wie vor "riesengroß", so Hartmann in einer schriftlichen Stellungnahme.

In der Ausschusssitzung vor einer Woche geißelten CSU und AfD die Musik von Sabot Noir als "linksextrem" und "undemokratisch" und stellten sich gegen die Förderung, während sich SPD und Grüne auf die künstlerische Freiheit beriefen. Am Ende setzten sich die Befürworter des Zuschusses, unter ihnen der OB, mit nur einer Stimme Mehrheit durch. CSU-Landespolitiker Seidenath bezeichnet die Entscheidung als "falsch und bedauerlich", denn sie falle in eine Zeit, in der das Klima für die Polizei rauer werde. Das sehe man an Ausschreitungen in Stuttgart und Frankfurt. "Wir stehen hinter Ihnen!", lässt er die Dachauer Beamten wissen. Rathauschef Hartmann äußert sich am Donnerstag unglücklich über die öffentliche Diskussion über den Liedtext: "Dass ihm nun so viel Aufmerksamkeit zuteil wird, ist bedauerlich, denn rein künstlerisch hat dieser Text meiner Meinung nach keine Aufmerksamkeit verdient."

"Das hat nichts mit Kultur zu tun"

Auf Unverständnis trifft der Beschluss auch in der Dachauer Bürgerschaft. Einige wandten sich mit verärgerten Leserbriefen an die SZ, auf Facebook entbrannte unter dem Bericht über Sabot Noir eine leidenschaftliche Debatte, ob die Gruppe nun extremistisch sei oder nicht. "Das ist ein ganz klarer Aufruf zu Gewalt gegen Staatsorgane. Das hat nichts mit Kultur zu tun", kommentierte ein Nutzer. Ein anderer hielt dagegen, die Punkmusik falle "unter Meinungsfreiheit. Den Aufruf zur Gewalt, den Sie der Band hier andichten, sehe ich an keiner Stelle." Ähnlich hatte im Ausschuss der Grünen-Stadtrat Richard Seidl argumentiert. Die Musik von Sabot Noir sei "Ausdruck von Dachauer Jugendkultur". Eine Äußerung, die CSU-Ortsvorsitzender Tobias Stephan in einem Leserbrief scharf kritisiert. Gewaltfantasien würden so "verniedlicht und verharmlost". Die AfD teilte mit, sie würde dem Jugendprojekt "Freiraum", wo das Konzert der Punkband aufgezeichnet werden soll, am liebsten gleich die Mittel streichen.

Sabot Noir selbst hatte den Vorwurf des Linksextremismus schon nach der Entscheidung im Kulturausschuss zurückgewiesen und betont, dass man in dem umstrittenen Song auf "Polizeigewalt und strukturellen Rassismus" aufmerksam machen wolle. Aufmerksamkeit hat die Band nun immerhin erreicht. Und vielleicht profitieren die drei Musiker am Ende ja sogar noch von dem Streit, schließlich präsentieren sie am 31. Juli ihr zweites Album. Es trägt den Titel Kollaps.

© SZ vom 24.07.2020

Dachau
:"Wer damit nicht klar kommt, soll's halt nicht anhören"

Die Stadt bezuschusst ein Punkkonzert mit der Band "Sabot Noir". Daran stören sich CSU und AfD und werfen der Gruppe vor, sich mit Liedern wie "Fuck Cops" gegen den Rechtsstaat zu stellen. Die Musiker verteidigen sich.

Von Thomas Balbierer

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