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Stadtrat Dachau:Stadt Dachau will Kleingärten schützen

Kleingärten

Mehrere Kleingartenanlagen wie etwa am Schäferweg sind derzeit offiziell noch Schwarzbauten - die Stadt will das nun ändern.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Die Stadt will ein gesamtstädtisches Kleingartenkonzept erarbeiten. Die grünen Oasen sollen geschützt werden.

Von Thomas Radlmaier, Dachau

Sie sind die Oasen der Stadt. Und für viele Menschen, die in Geschosswohnungen leben, sind sie beliebte Rückzugs- und Erholungsorte: Kleingärten. Besonders im dicht besiedelten Speckgürtel um München erfüllen diese Grünanlagen soziale, ökologische und städtebauliche Funktionen. Doch das rasante Bevölkerungswachstum bringt die Flächen in Gefahr. Der Ausbau von Wohn-, Gewerbe- und Verkehrsflächen verringert den Kleingartenbestand. Die Stadt Dachau möchte ihre Kleingärten schützen und deren Anzahl bestenfalls erweitern. Die Verwaltung hat deshalb ein gesamtstädtisches Kleingartenkonzept erarbeitet. Dieses haben die Mitglieder des Bauausschusses nun gebilligt. "Wir wollen versuchen, den Bestand zu legalisieren und schauen, wo können wir neue Kleingärten schaffen", sagte Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD).

Heute gibt es in Dachau nach Angaben der Verwaltung 527 Kleingärten. Von diesen sind 417 mittels Bauleitplanung (teilweise im Verfahren) gesichert, 37 genießen Bestandsschutz. Doch letztere werden mittelfristig weichen müssen. Die dazugehörigen Flächen befinden sich auf der Anlage "Sonnengärten" am Dachauer Bahnhof und gehören der Stadt, die damit andere Pläne hat. Zuletzt wollte man dort ein Parkhaus bauen, was sich aber nicht realisieren ließ. Die größte Anlage befindet sich an der Kufsteiner Straße. Der Verein "Gartengemeinschaft Dachau" verpachtet auf einer Fläche von 250 000 Quadratmetern rund 440 Parzellen.

Daneben sind 73 Kleingärten in Dachau rechtlich gesehen eigentlich Schwarzbauten, die von der Stadt nie genehmigt wurden. Die ersten Kleingärten entstanden in Dachau in den Sechzigern. Damals machten sich viele Besitzer nicht die Mühe, ihre Parzellen bei den der Stadt genehmigen zu lassen. Diese kleinen Anlagen verteilen sich im Süden der Stadt, etwa im Himmelreich oder an der Moosstraße. Auch am Schäferweg befinden sich 27 solcher - zumindest offiziell - ungenehmigten Kleingärten.

Die CSU-Fraktion hatte sich im vergangenen Jahr für die Kleingartenbesitzer am Schäferweg eingesetzt und beantragt, dass diese in den Flächennutzungsplan der Stadt entsprechend als Kleingärten aufzunehmen. Daraufhin sei man in der Verwaltung grundlegend an das Thema Kleingärten herangegangen, sagte Hartmann. Die Verwaltung hat bestehende Anlagen und Flächen für mögliche zukünftige Kleingärten ermittelt. Im Rahmen des nun erstellten Kleingartenkonzeptes sollen auch die ungenehmigten Parzellen im Süden der Stadt als "Dauerkleingärten" in den Flächennutzungsplan aufgenommen werden. Zudem will man mögliche weitere Flächen finden und bei künftigen städtebaulichen Planungen miteinbeziehen. Mittels einer weiteren Untersuchung soll zudem der künftige Bedarf für Kleingärten in Dachau bis zum Jahr 2037 ermitteln. Nach Angaben der Stadtverwaltung ergibt sich rein rechnerisch bei einer Einwohnerzahl von 47 600 schon jetzt ein Bedarf von bis zu 2700 Parzellen.

Die CSU-Fraktion, die mit ihrem Antrag das Thema aufbrachte, lobte die Verwaltung für die Ausarbeitung des Konzeptes. Es sei gut, dass man das Thema generell angehe, sagte Stadträtin Gertrud Schmidt-Podolsky. "Davon profitieren alle."

© SZ vom 17.09.2020

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