Dachau/Klagenfurt:Trauer um einen Freund

Dachau/Klagenfurt: Leopold Guggenberger, Altbürgermeister der Partnerstadt Klagenfurt.

Leopold Guggenberger, Altbürgermeister der Partnerstadt Klagenfurt.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Der Klagenfurter Altbürgermeister Leopold Guggenberger ist tot

Von Helmut Zeller, Dachau/Klagenfurt

Er war der erste ausländische Politiker, der Dachau die Hand gereicht hat: Im Jahr 1974 ging der Klagenfurter Bürgermeister Leopold Guggenberger eine Partnerschaft mit der Stadt ein, deren Name bis heute weltweit für die Verbrechen des Naziregimes steht. In der Nacht auf Donnerstag ist Leopold Guggenberger im 99. Lebensjahr gestorben. Dachau reagiert mit großer Betroffenheit auf den Tod eines Mannes, der als ein großer Freund der Stadt empfunden und 1985 zu einem ihrer Ehrenbürger ernannt wurde. Dachaus Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) erklärte: "Leopold Guggenberger hat sich mit seiner beispiellosen Aufgeschlossenheit gegenüber Dachau und seiner aufrichtigen und herzlichen Freundschaft herausragende Verdienste um die Stadt erworben."

Leopold Guggenberger war 24 Jahre lang Bürgermeister der Kärntner Landeshauptstadt und damit eines der am längsten dienenden Stadtoberhäupter Österreichs. Während seiner gesamten Amtszeit war er ein Garant dafür, dass die freundschaftliche Verbindung der beiden Städte nicht nur auf dem Papier bestand, sondern mit Leben gefüllt wurde. Er engagierte sich zeitlebens für einen regelmäßigen und regen Austausch zwischen Dachauer und Klagenfurter Vereinen sowie Bürgern. Im Jahr 2014 feierten Klagenfurt und Dachau das 40-jährige Bestehen ihrer Städtepartnerschaft, die auf eine enge persönliche Freundschaft zwischen Leopold Guggenberger und dem Dachauer Altoberbürgermeister Lorenz Reitmeier zurückgeht. Seine enge Verbundenheit mit Dachau demonstrierte Guggenberger zuletzt 2014. Trotz seines hohen Alters besuchte er den Festakt zum 40-jährigen Jubiläum der Partnerschaft im Dachauer Schloss. Der "Guggi", wie ihn die Klagenfurter nannten, begründete auch Partnerschaften unter anderem mit Czernowitz, Duschanbe, Nazareth und Sibiu.

Vertreter aller österreichischen Parteien würdigten am Donnerstag den Klagenfurter Altbürgermeister. SPÖ, ÖVP und die rechtspopulistische FPÖ rühmten die Leistungen des Politikers, die Grünen auch seine "große Weltoffenheit". Der Kärntner Politiker galt schon zu seinen Lebzeiten als eine Legende, an der sich öffentliche Kritik verbat. So wurde nur hinter vorgehaltener Hand von seiner Sympathie für den Rechtspopulisten Jörg Haider gesprochen oder ihm eine gewisse Wehrmachtsromantik nachgesagt. Dabei war Leopold Guggenberger ein österreichischer Nationaler, der nur knapp der Deportation in das KZ Dachau entkommen sein soll. Vor und während seines Militärdienstes in der deutschen Wehrmacht studierte er an der Universität Wien Jura.

Oberbürgermeister Hartmann wird nach Klagenfurt reisen und an der Trauerfeier teilnehmen.

© SZ vom 24.02.2017
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