Für ihr Alter hat Romy schon ein ausgeprägtes Modebewusstsein. Im Kindergarten, auf dem Spielplatz, auf dem Fahrrad – wann immer es geht, trägt die Viereinhalbjährige ihr geblümtes Kleid mit Schleife und silbernen Schmuckknöpfen. „Die Kleine ist ein Riesen-Dirndl-Fan“, sagt ihre Mutter Valerie Heumann. Man könnte auch sagen: Romy ist schon jetzt die beste Botschafterin eines brandneuen lokalen Mode-Labels für Kindertrachten. Benannt ist es nach ihr und ihrem eineinhalbjährigen Bruder: „romy & julius“.
Hinter der Marke stehen die beiden Dachauer Mütter Valerie Heumann, 32, und Nicol Wildgruber, 36. Sie präsentieren ihre kleine Kollektion für Kinder im Alter von einem bis sechs Jahren an einem Stand im Dachauer Modekaufhaus Rübsamen. An den Kleiderbügeln hängen Dirndl, Größe 86 bis 122. Auf den ersten Blick sehen sie aus wie Puppenkleider: verspielt, farbenfroh und mit vielen Details.
Dass die beiden einmal selbst Mode machen würden, hätten sie sich bis vor einem Jahr nicht träumen lassen. Heumann ist Wirtschaftsjuristin in einem Konzern, Wildgruber kommt aus der Medienbranche. „Wir sind nicht mit einem Businessplan gestartet“, sagt Wildgruber. Das Ganze habe eher als „Liebhaberprojekt“ in der Elternzeit begonnen. Beide haben kleine Kinder, jeweils ein Mädchen und einen Buben.
Die Idee für eine eigene Kollektion entstand aus einer Erfahrung, die viele Eltern kennen: Man sucht etwas Schönes und Praktisches für die Kinder – und findet irgendwie nicht so das, was man sich vorstellt. „Wir achten sehr auf Nachhaltigkeit“, betont Valerie Heumann. Zwar gebe es viele Kinderkleider in Bio-Qualität, bei Kindertrachten sei das Angebot aber extrem dünn; zudem erfüllten viele Produkte ökologische und soziale Ansprüche nur unzureichend. Das wollten sie bei „romy & julius“ besser machen.
„Wir wollen das so nachhaltig wie möglich gestalten“
Verarbeitet wird nach Angaben der Gründerinnen GOTS-zertifizierte Bio-Baumwolle. Darauf sind sie stolz: Der Global Organic Textile Standard (GOTS) zählt zu den anspruchsvollsten Standards der Textilbranche, weil er neben dem Einsatz von Biofasern auch Vorgaben für Verarbeitung, Umwelt und soziale Kriterien umfasst. „Wir wollen das so nachhaltig wie möglich gestalten“, sagt Valerie Heumann.
Die Dirndl kann man allerdings nicht nur kaufen, sondern auch leihen – entweder fürs Wochenende (vier Tage für 49 Euro) oder für eine ganze Volksfest-Saison (16 Tage für 63,90 Euro). Kaution verlangen sie nicht, die Reinigung übernehmen sie selbst. „Mit Romy haben wir ein super Testimonial“, sagt Valerie Heumann und lacht. Ihre Tochter hat schon alle möglichen Flecken auf ihrem Kleid gehabt. War alles kein Problem. Bis auf die Fingerfarben. „Die gehen echt schwer raus.“


Auch beim Design machen sie vieles anders als klassische Anbieter. „Wir wollten nicht einfach ein Erwachsenendirndl adaptieren, sondern schon wirklich die Kinder ansprechen“, sagt Valerie Heumann. Deshalb setzen sie auf fröhliche Farben, florale Muster, praktische Taschen und Schnitte, die beim Spielen, Rennen oder Karussellfahren funktionieren. Die eigenen Kinder sind ein wichtiges Testpublikum: Was gefällt ihnen, was nicht? Und was brauchen sie ganz praktisch? Für Romys Fahrchips fürs Karussell bekam das Dirndl zum Beispiel eine eigens angenähte Tasche.
Wichtig ist den Gründerinnen aus Dachau die regionale Verwurzelung. So eine Tracht steht ja immer auch für Heimat. Eine Sonderedition wird in einer Schneiderei in Dachau gefertigt – und zwar von Hand. Das ist natürlich extrem aufwändig, macht die Kleidchen aber auch zu etwas ganz Besonderem. „Die Schneiderin sagt auch immer, sie gibt denen so viel Liebe mit“, erzählt Heumann.


Auch mit dem „Ridikül“ in der Altstadt arbeiten die beiden Unternehmerinnen eng zusammen: In dem Garngeschäft treffen sich regelmäßig Strickbegeisterte. Eine von ihnen ist Hanna Mosel, 88 Jahre alt. „Sie hat uns toll unterstützt“, sagt Valerie Heumann. Mit ihrer Hilfe haben sie eine Strickanleitung entwickelt, mit der man die Kinderjacke für das Dirndl selber stricken kann.
Trachten für Jungen haben sie bei „romy & julius“ noch nicht im Programm, allerdings zeigt der Name des Labels schon, dass sie noch mehr anbieten wollen als Dirndl. „Nicht unbedingt gleich Lederhosen“, sagt Nicol Wildgruber, „aber vielleicht ein schönes Hemd.“ Am Anfang muss man kleine Schritte machen. Und erst einmal wollen sie sehen, wie es mit den Dirndln läuft, als Testlauf gewissermaßen für den weiteren Ausbau des Labels.
Jetzt geht es erst einmal darum, wahrgenommen zu werden
Wie ihre kleinen Namensgeber steckt auch „romy & julius“ nämlich noch in den Kinderschuhen. Der Online-Shop ist erst vor wenigen Wochen gestartet. Der Absatz ist bislang, wie Nicol Wildgruber offen sagt, „eher schleppend“. „Aktuell ist das größte Thema bei uns die Sichtbarkeit.“ Der winzige Pop-up-Laden im weitläufigen Modekaufhaus Rübsamen zeigt das Problem: Man muss „romy & julius“ erst einmal entdecken in der großen Welt der Kinder-Freizeitmode.
Der hohe Anspruch der zwei Mütter hat auch seinen Preis: Das günstigste Kinderdirndl gibt es bei ihnen ab 179 Euro. Auf der Salzburger Trachtenmesse „Fesch“ wurden sie schon gewarnt: „Solche Preise zahlt Ihnen keiner!“ Probieren wollen sie es trotzdem. Und welcher Zeitpunkt könnte günstiger sein als jetzt: Am Samstag beginnt das Dachauer Volksfest. Dort könnte am Kinderkarussell in diesem Jahr einiges in Bewegung kommen, auch modisch.
Bis 14. August gibt es im Dachauer Kaufhaus Rübsamen einen Pop-up-Laden mit den Kinderdirndln. Im Online-Shop sind sie unter www.romyundjulius.de erhältlich.

