Süddeutsche Zeitung

Dachau / Karlsfeld:Was das Herz berührt

Ein Wochenende mit hochkarätiger klassischer Musik: Die Sinfonietta Dachau und das Karlsfelder Sinfonieorchester spielen Mozart und Dvořák.

Musik der Wiener Klassiker Haydn, Mozart und Beethoven sowie das hochromantische Cellokonzert von Robert Schumann und die berühmte Symphonie "Aus der Neuen Welt" von Antonín Dvořák erwarten die Besucher der beiden Sinfoniekonzerte des kommenden Wochenendes. Am Samstag, 21. März, gibt die Sinfonietta Dachau ihr Frühjahrskonzert mit Werken von Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart und Robert Schumann im Festsaal des Dachauer Schlosses, und am Sonntag, 22. März, spielt das Sinfonieorchester Karlsfeld im Karlsfelder Bürgerhaus nach einer Ouvertüre von Gioachino Rossini Werke von Ludwig van Beethoven und Antonín Dvořák.

Das Konzert der Sinfonietta Dachau beginnt mit Mozarts glänzender, daher oft gespielten Sinfonie A-Dur KV 201. Mozart schrieb 1774 in Salzburg eine Reihe von Sinfonien, aus denen die frühe g-Moll-Sinfonie KV 183 und die A-Dur-Sinfonie KV 201 als die bedeutendsten herausragen. Die A-Dur-Sinfonie hat im Vergleich zur g-Moll-Sinfonie "nicht weniger Kraft, sie hat vielleicht noch mehr Leben, mehr Mannigfaltigkeit und Vollkommenheit; sie ist der Gipfel in einem weniger ernsten Licht. Das Menuett und das Finale stellen ein Spiel von Modulationen dar, mit dem Mozart fortan nur zu schöpfen braucht, um unser Herz zu berühren, wenn er will." So eine begeisterte französische Stimme zu dieser Sinfonie.

Die klassische Sinfonie dieses Programms schlechthin ist aber die 1793 in Wien für London geschriebene Sinfonie Nr. 99 Es-Dur von Joseph Haydn. Der erste Satz ist ein mustergültig komponierter Sonatenhauptsatz mit langsamer Einleitung, die sehr farbige Instrumentation - Haydn

erweitert das klassische Orchester um zwei Klarinetten - macht vor allem das Adagio besonders ausdrucksvoll, der dritte Satz ist ein Menuett mit Trio, das Finale eine höchst virtuose Kontrapunktstudie.

Das romantische Werk des Abends schrieb Robert Schumann 1850, sein Cellokonzert a-Moll op. 129. Es ist dreisätzig, doch die drei Sätze gehen unmittelbar ineinander über. Schumanns Worte "Ich kann kein Konzert schreiben für Virtuosen, ich muss auf etwas anderes sinnen" stehen im Widerspruch zur Komposition dieses Cellokonzerts, das sogar außerordentlich virtuos ausgefallen ist.

Am Cello wird Hans-Henning Ginzel zu hören sein. Der junge Musiker - Jahrgang 1989 - hat bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Darunter viele für seine Kompositionen. Mit der Sinfonietta unter der Leitung von Victor Bolarinwa wird er zum ersten Mal spielen. Ginzel studierte Violoncello in München und Madrid, im vergangenen Jahr wurde er als Stipendiat der Initiative "Yehudi Menuhin Live Music Now" aufgenommen. Sein Debüt als Solist gab er sechzehnjährig mit dem Konzert für Violoncello und Chor "Stabat Mater" von Knut Nystedt in München.

Im Konzert des Karlsfelder Sinfonieorchesters ist Dvořáks Sinfonie "Aus der Neuen Welt" das Hauptwerk. Antonín Dvořák schrieb sie 1894 während seines Aufenthalts in New York. Er lernte dort indianische Melodik und Negro-Spirituals kennen, verwendete sie aber nicht etwa als Zitate in seinem Werk. "Ich habe nur im Geiste dieser Nationalmelodien komponiert", schrieb er. So darf es nicht verwundern, dass seine Musik in unseren Ohren nicht amerikanisch sondern - wie in allen anderen Werken Dvořáks - eindeutig böhmisch klingt. In allen Sätzen schwingt die Sehnsucht nach seiner böhmischen Heimat mit.

Beethovens Klavierkonzert in B-Dur ist zwar vor dem Klavierkonzert in C-Dur op. 15 geschrieben, aber erst als 2. Klavierkonzert op. 19 erschienen. Dazu eine bezeichnende Briefstelle Beethovens: "Dabei ist es vielleicht das einzige Geniemäßige, was an mir ist, dass meine Sachen sich nicht immer in der besten Ordnung befinden, und doch niemand im Stande ist, als ich selbst, da zu helfen. So zum Beispiel war zu dem Konzert in der Partitur die Klavierstimme meiner Gewohnheit nach noch nicht geschrieben, und ich schrieb sie erst jetzt, daher Sie dieselbe wegen Beschleunigung von meiner eigenen, nicht gut lesbaren Handschrift erhalten."

Wer jemals einen Blick auf Beethovens Notenschrift werfen konnte, weiß, was das bedeutet. Findige Verlagslektoren haben trotzdem herausgebracht, was Beethoven fürs Klavier komponierte, nämlich außerordentlich Virtuoses. So kann auch das zweite der fünf Klavierkonzerte von Beethoven ausgeführt werden - keine geringe Herausforderung für die Solistin Nino Margvelashvili, auch nicht für ein Laienorchester. Das Konzert unter der Leitung von Bernhard Koch wird mit der spritzigen Ouvertüre der Oper "Die Italienerin in Algier" von Gioacchino Rossini eröffnet - auch das eine Herausforderung, denn was leicht und beschwingt klingen soll, ist oft besonders schwer zu spielen.

Das Konzert der Sinfonietta im Schloss Dachau beginnt um 20 Uhr, Karten gibt es unter sinfoniettadachau@gmx.de. Das Konzert im Bürgerhaus Karlsfeld beginnt um 19 Uhr, Karten an der Abendkasse.

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SZ vom 19.03.2015
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