Karlsfeld:Klingeln, Drängeln, Schimpfen

Würm Spazierweg

Wildromantisch ist der kleine Weg an der Würm entlang zwischen Reschenbachweg und Eichinger Weiher. Kein Wunder, dass er gerne von Fußgängern und Radlern genutzt wird. Aber er ist auch sehr schmal, und so kommt es oft zu Konflikten.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Karlsfeld wäre gerne eine besonders fahrradfreundliche Gemeinde. Das rücksichtslose Verhalten einiger Radler hat aber nun eine Diskussion in Gang gesetzt, ob man sie von manchen Wegen nicht lieber fernhalten sollte

Von Christiane Bracht, Karlsfeld

Im Straßenverkehr ist es schnell vorbei mit der Freundlichkeit, und es sind nicht nur Autofahrer, die schimpfen, hupen oder, wie man in Bayern sagt, gschert fahren. Auch Radler und Fußgänger sind sich zuweilen spinnefeind - speziell dann, wenn sie sich einen Weg teilen müssen. So ist es auf dem lauschigen, aber auch recht schmalen Weg entlang der Würm in Karlsfeld zwischen Reschenbachstraße und Eichinger Weiher schon häufiger zu unschönen Begegnungen gekommen.

Nicht selten beschwerten sich die Fußgänger später im Rathaus über Radl-Rowdys, die so rasant und knapp an Senioren oder Müttern mit Kinderwägen vorbeigerast seien, dass diese nur deshalb nicht umgefahren wurden, weil sie noch schnell zur Seite gesprungen seien. Andere beklagten, dass jemand Spaziergänger einfach rüde schimpfend aus dem Weg geklingelt habe. Der Karlsfelder Verkehrsexperte Günther Rustler schlug deshalb in der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses vor, den Weg für Radler zu sperren. "Damit Fußgänger künftig nicht mehr gefährdet oder behindert werden", so Rustler.

2018 hatte die Gemeinde in dem Bereich das Schild "Radfahrer frei" aufgestellt. Doch jetzt, wo es gehäuft Beschwerden über Rowdytum gebe und der Weg so schmal ist, dass zwei Menschen nur aneinander vorbei können, wenn einer Platz macht, könne man dies auch wieder abschrauben, erklärte Rustler. Es gebe ja eine Parallelroute über die Reschenbach-, Bayernwerkstraße und den Erlenweg. Die sei zwar 600 Meter länger, aber das sei Radlern durchaus zumutbar, meinte der Verkehrsexperte.

Der Gegenwind ließ nicht lange auf sich warten: "Das halten wir für den falschen Weg", sagte Thomas Nuber (Grüne). "Wenn Karlsfeld eine fahrradfreundliche Kommune werden will, brauchen wir mehr Radwege und keine weiteren Verbote." Es entspann sich eine hitzige Debatte, an deren Ende sich der Umweltausschuss vorerst gegen das Verbot aussprach.

Mit einem Verbot würden nur wieder die anständigen Radler abgestraft, denn nicht alle seien Rowdys, erzürnte sich Beate Full (SPD). Im übrigen sei es doch so: "Wer sich nicht an die Regeln hält, bei dem nützt auch ein Schild nichts; der bollert trotzdem durch", sagte sie. Fahrradreferent Franz Trinkl (SPD) sah das Problem etwas grundsätzlicher: "Viele wissen mit dem Schild gar nichts anzufangen", meinte er. Eine Erklärung sei nötig.

Mechthild Hofner (Bündnis):

"Wenn wir jetzt aber ein Verbot für Radler aussprechen, knicken wir vor dem Egoismus einiger weniger ein. Das ist nicht in Ordnung"

Laut Straßenverkehrsordnung bedeutet "Radfahrer frei", dass Radler auf diesen Wegen nur zu Gast sind. Sie müssen auf Fußgänger Rücksicht nehmen und im Schritttempo fahren. Trinkl bot an, sich künftig öfters an den Anfang und das Ende des Wegs zu stellen und die Leute aufzuklären. Thomas Nuber forderte indes eine gegenseitige Rücksichtnahme ein. Nicht nur die Radler sollten vorsichtig fahren, sondern auch die Fußgänger so freundlich sein und beiseite gehen. "Das führt zur Entspannung", sagte er.

Bernd Wanka (CSU) plädierte dagegen eher für eine Sperrung des Würmwegs. "Oft ist nur ein Meter Platz", sagte er. "Da sind Konflikte und Gefährdungen programmiert." Schwere Unfälle seien ihm nicht bekannt, bemerkte Anton Flügel (Freie Wähler). Wenn man dort jedoch den Radlern die Durchfahrt verbiete, müsse man dies auch überwachen, sonst bringe das Schild gar nichts. "Für die Überwachung fehlt aber die Kapazität", gab er zu bedenken. Trinkl bemerkte zudem, dass der alternative Weg am Rewe und der Bayernwerkstraße vorbei, nicht attraktiv sei. Er werde sicher nicht genutzt, zumal es auch noch ein Umweg sei.

"Dass Egoismus und Rowdytum so zunehmen, ist traurig", beklagte Mechthild Hofner (Bündnis). "Wenn wir jetzt aber ein Verbot aussprechen, knicken wir vor dem Egoismus einiger weniger ein. Das ist nicht in Ordnung", sagte sie. Im übrigen sei es kaum vermittelbar, dass die Gemeinde etwa auf dem neuen Ludl-Areal Shared Spaces einrichten wolle, die alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt nutzen dürften, und hier dem Radler signalisiere: So geht es nicht.

Wie Fahrradreferent Franz Trinkl plädierte Hofner dafür, lieber auf Aufklärung zu setzen. Man könne einen Aufruf in den Medien machen, schlug sie vor. Im gemeindlichen Blatt Journal K zum Beispiel. Das Problem sei schließlich auch, dass der Würmweg nicht der einzige in der Gemeinde sei, auf dem es zu Streit und gefährlichen Situationen zwischen Fußgängern und Radlern komme. Im Schwarzhölzl gebe es dieselben Konflikte - nur dass der Weg dort doppelt so breit sei. Michael Fritsch (Grüne) wusste zudem von einem Weg in der Rothschwaige nahe dem Altenheim, wo Raser ebenfalls Schaden anrichten könnten und ein Umweg fünf Minuten länger wäre.

Trotz seiner Bedenken ließ sich Wanka umstimmen: "Ich bin kompromissbereit", sagte er. Man will nun eine Art Werbekampagne zur gegenseitigen Rücksichtnahme ausarbeiten und über Schilder aufklären. Nächstes Jahr nach den Sommerferien soll dann Bilanz gezogen werden, ob sich die Situation verbessert hat. Wenn nicht, könne man den Weg dann immer noch für Radler sperren. Doch bis dahin bleibt die jetzige Regelung bestehen.

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