Dachau Karl Bruckmayer ist tot

Der ehemalige Vorsitzende der Ludwig-Thoma-Gemeinde hat das kulturelle Leben von Stadt und Landkreis geprägt.

Von Wolfgang Eitler und Walter Gierlich

Auf der Verleihung des SZ-Tassilopreises an Künstler und Kulturschaffende aus der ganzen Region München am Mittwoch vergangener Woche hat Karl Bruckmayer noch darüber gescherzt, dass nicht er, sondern der Starnberger Tiger Willi den Lebenswerk-Preis erhielt. "Aber dass ich nicht falsch verstanden werde, ich habe mich über die Nominierung sehr gefreut." Bruckmayer fügte hinzu, dass er sich im Alter von gerade 75 Jahren noch in der Lage sehe, den Preis irgendwann entgegennehmen zu können. Er lachte. Am Montagmorgen ist der ehemalige Vorsitzende der Ludwig-Thoma-Gemeinde und frühere Lehrer am Josef-Effner-Gymnasium überraschend gestorben. Überraschend, weil auch Freunden und Angehörigen keine Erkrankung bekannt war.

 Karl Bruckmayer bei der Gedenkfeier zum 90. Todestag Ludwig Thomas im vergangenen Jahr. 

(Foto: npj)

Auf der SZ-Veranstaltung betonte Karl Bruckmayer im Gespräch, dass er schon stolz auf seine kulturelle Leistung sei und den Thomaverein hin zur Moderne geführt habe. Weil ihn die Leistungen der Künstler aus der Region München sehr beeindruckten, wünschte er sich, dass das Dachauer Publikum sich noch mehr öffnete und eben weniger an Thoma-Literatur und Landschaftsmalerei aus der Zeit der Künstlerkolonie hängen würde. Darin sah er seine kulturelle Aufgabe, die jetzt sein Vermächtnis geworden ist.

Bevor er im vergangenen November von seinem Amt als Vorsitzender des Thomavereins zurückgetreten war, ließ er die Öffnung des Vereins sogar noch in der Satzung festschreiben. Aus dem bürgerlichen-braven Verein, den einst schon sein Vater geführt hatte und dem beizutreten ihm als jungem Mann nie in den Sinn gekommen wäre, hat Bruckmayer ein aufregendes Theaterensemble gemacht. In Stadt und Landkreis Dachau erinnert man sich an spektakuläre Inszenierungen etwa von Stücken von Franz Xaver Kroetz, Ödön von Horváth, Peter Hacks, Peter Turrini, Thomas Bernhard oder Ernst Toller, aber natürlich auch immer wieder der Werke Ludwig Thomas. Viel umjubelt wurde im vergangenen Jahr die Inszenierung des Bauernmädchendramas "Magdalena", bei der Bruckmayers ehemaliger Schüler am Josef-Effner-Gymnasium (JEG), Wolfgang Möckl, Regie geführt hat.

Im Grund genommen war er schuld, dass ich als Jugendlicher Theaterspielen angefangen habe", erinnert sich der Dachauer Kulturreferent Dominik Härtl. Er hätte bestimmt nicht in den Musiksommer-Theatern wie "Die Blutnacht auf dem Schreckenstein" oder bei "Romeo und Julia" mitgespielt, wenn Bruckmayer ihn nicht gefördert hätte. Als dessen großes Verdienst sieht Härtl das Engagement für die Jugend: "Er hat stets darauf geachtet, dass die jungen Leute sich kulturell engagieren. Er war immer gerne von jungen Leuten umgeben und hat ihre Meinungen ernst genommen und auch geschätzt. Auch noch im höheren Alter." Härtl sieht in Karl Bruckmayer einen "kulturellen Revoluzzer - eine Haltung, die er sich bis zuletzt bewahrt hat".

Der neue Vorsitzende des Thomavereins, Edi Hörl, sagt: "Er hat uns in den vergangenen 20 Jahren ganz entscheidend geprägt." Er habe die Gemeinde "auf einen neuen Weg gebracht". Edi Hörl trauert um Karl Bruckmayer als einen "sehr kreativen Mann", der sich mit den Thoma-Traditionalisten auch schon mal angelegt habe. "Ich habe ihn da unterstützt. Er hatte eine Vision, die sich bestätigt hat." Seiner Ansicht nach ist es Karl Bruckmayer gelungen, über den literarischen Verein die Kultur von Stadt und Landkreis entscheidend zu prägen.

Karl Bruckmayer ist als Schüler 1953 nach Dachau gekommen, nachdem sein Vater August zum Direktor des Amtsgerichts ernannt worden war. Seit 1975 bis zu seiner Pensionierung war er Lehrer für Latein, Griechisch, Deutsch, Geschichte und Sozialkunde am Josef-Effner-Gymnasium.