Ausstellung in DachauKunst: ein Kinderspiel

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Entdecken, erinnern, erleben: Florentine Kramer von der Künslervereinigung Dachau zeigt das Spiel „Memo“ auf der Jahresausstellung „Memory“. Dort können Besucher die gezeigten Werke auch in den Karten aufdecken, die als Riesen-Memory auf dem Boden liegen.
Entdecken, erinnern, erleben: Florentine Kramer von der Künslervereinigung Dachau zeigt das Spiel „Memo“ auf der Jahresausstellung „Memory“. Dort können Besucher die gezeigten Werke auch in den Karten aufdecken, die als Riesen-Memory auf dem Boden liegen. Johannes Simon
  • Die Künstlervereinigung Dachau zeigt ihre Jahresausstellung „Memory" mit einer raumfüllenden Installation eines riesigen Memory-Spiels.
  • Besucher können die Kunstwerke interaktiv erkunden, indem sie Kartenpaare mit Ausschnitten der ausgestellten Werke aufdecken.
  • Die KVD verkauft das „Memory“ auch als handliches Kartenspiel für 25 Euro, zwei Drittel der 300 Exemplare sind bereits reserviert.
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Die Künstlervereinigung Dachau zeigt ihre Jahresausstellung „Memory“ mit einer raumfüllenden Installation. Besucher können die Werkschau interaktiv erkunden.

Von Gregor Schiegl, Dachau

Bei den Atelierausstellungen in Dachau war in diesem Jahr weniger los als in früheren Jahren, der übliche Schwung an Abverkäufen blieb vielfach aus. Auch die Besucherzahlen sinken – langsam, aber stetig. Für die Jahresausstellung der Künstlervereinigung Dachau (KVD) sind das keine guten Vorzeichen. Auch weil sie manchen Mitgliedern die einzige Gelegenheit bietet, ihre Arbeiten öffentlich zu zeigen. „Es wird immer schwieriger, als Künstler oder Vereinigung wahrgenommen zu werden“, sagt Vorstandsmitglied Florian Marschall. „Man muss sich immer wieder etwas Neues einfallen lassen.“ Und genau das haben sie bei der KVD getan.

In diesem Jahr steht die Jahresausstellung unter dem Thema „Memory“. Das klingt nach Dachauer Erinnerungskultur, nach künstlerischer Retrospektive – aber auch nach einem verstaubten Kinderspiel, das man schon lange nicht mehr ausgepackt hat. Und damit kommt man der Sache schon näher. In der Galerie der KVD erwartet die Besucher nämliche ein raumfüllende Installation: ein riesiges Memory. Die Karten, groß wie Bodenfliesen, haben Griffe, damit man sie leichter umdrehen kann. Kunst: ein Kinderspiel.

Das „Memo“-Spiel der KVD kann man für 25 Euro kaufen. Zwei Drittel der 300 Exemplare sind jedoch schon reserviert oder vorbestellt.
Das „Memo“-Spiel der KVD kann man für 25 Euro kaufen. Zwei Drittel der 300 Exemplare sind jedoch schon reserviert oder vorbestellt. Johannes Simon
In der Ausstellung sind weitaus mehr Werke zu sehen als die 36 Arbeiten, die im Spiel vorkommen.
In der Ausstellung sind weitaus mehr Werke zu sehen als die 36 Arbeiten, die im Spiel vorkommen. Johannes Simon

Es geht darum, sich identische Kartenpaare zu merken und aufzudecken, so weit sind die Regeln bekannt. Zu sehen bekommt man darauf die ausgestellten Kunstwerke – aber nur einen Ausschnitt davon. „Eine zusätzliche Herausforderung“, sagt Marschall. „Du musst in der Ausstellung die Motive den Bildern zuordnen.“ So kann man nicht nur sein Gedächtnis schulen, sondern auch den Blick für die feinen Nuancen der Kunst schärfen.

Manche Details sind im Original so klein, dass man schon genau hinschauen muss – zumal die Formate der Werke stark variieren. Auch die Hängung folgt keinem starren Raster. „Hier darf es auch mal fünf Zentimeter nach unten oder links verschoben sein“, sagt Marschall, während seine Künstlerkollegen Martin Off und Marian Wiesner Nägel in die Wand schlagen. Kunst muss Konventionen brechen. Manchmal auch in der Präsentation.

Warum das Memory-Spiel nur „Memo“ heißt

Ausgedacht hat sich das mit dem Riesen-Memory-Spiel Florian Marschall. Augenzwinkernd bezeichnet er es als „überregional bedeutende Installation, die Kultur und Kunst interaktiv vermittelt – für junge und ältere Besucher“: Während Oma und Opa ihre grauen Zellen trainieren, können Kinder zeitgenössische Werke spielerisch entdecken. Für Marschall ist dieser Aspekt besonders wichtig. Nach der Ausstellung soll das Memory ein Kindergarten bekommen. „Das ist kulturelle Früherziehung.“

Die KVD verkauft das Spiel auch als handliches Kartenspiel mit 36 Kartenpaaren. Kaufen kann man es in der Dachauer Buchhandlung „Subtext“ für 25 Euro. Als es gedruckt wurde, war das Patentrecht des Spieleverlags Ravensburger auf die Bezeichnung „Memory“ noch nicht ausgelaufen, weshalb auf der Schachtel daher bloß „Memo“ steht. In einer Druckbeilage zum Spiel sind dafür die Originalarbeiten der Ausstellung noch einmal in Gänze abgebildet.

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Gut zwei Drittel der 300 Exemplare sind bereits reserviert oder bestellt – für KVD-Fördermitglieder sowie von Stadt und Landkreis Dachau. „Früher war es der obligatorische Bierkrug, den man bei Auslandsreisen verschenkte – jetzt ist es unsere Kunst“, sagt Marschall. Vor drei Jahren hatte die KVD bereits ein selbst gestaltetes „Dachauer Schafkopfblatt“ herausgebracht. Über die Tourist-Info der Stadt wurde es gerade bei auswärtigen Besuchern zum „Verkaufsschlager“. Auf einen ähnlichen Effekt hoffen sie bei der KVD jetzt wieder: „Unser Kartenspiel soll Dachauer Kunst überregional bekannt machen.“

Zu sehen sind aber weitaus mehr als 36 Arbeiten. Für die Ausstellung hat Zeichner Martin Off Charakterköpfe aus alten Skizzenbüchern ausgeschnitten und in einem Wimmelbild liebenswerter Sonderlinge zusammengeführt, Titel: „Schau mich nicht so an!“

Zum Abschluss eines eher düsteren Jahres zeigt die KVD, dass zeitgenössische Kunst dem Leben noch immer schöne, witzige und unterhaltsame Seiten abgewinnen kann.

„Mitgliederausstellung 25 – Memory“ der Künstlervereinigung Dachau in der Galerie der KVD, Konrad-Adenauer-Straße 20. Vernissage am Donnerstag, 4. Dezember, um 19.30 Uhr.Öffnungszeiten: Donnerstag bis Samstag 16 bis 19 Uhr, Sonntag 14 bis 18 Uhr. Zu sehen bis 21. Dezember.

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