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Dachau:"Ich bin jeden Tag dankbar"

Kücheneinrichtung, Reisedokumente, Winterkleidung: Ohne Spenden der SZ-Leser hätten Menschen, die nur wenig Geld haben, nötige Anschaffungen nicht bewältigen können

"Alles ist jetzt gut, Gott sei Dank", sagt Afi Mulati (Name geändert) und strahlt vor Freude. Nach manchen Rückschlägen ist Ruhe eingekehrt im Leben der alleinerziehenden zweifachen Mutter, die erst vor vier Jahren aus Togo nach Deutschland gekommen ist. Mit viel Ehrgeiz, Fleiß und einer gehörigen Portion Optimismus hat sich die 30-Jährige eine solide berufliche Existenz aufgebaut. Aber einen entscheidenden Beitrag zum Familienglück der jungen Frau haben die freigebigen SZ-Leser geleistet. Nur mit der finanziellen Unterstützung des SZ-Adventskalenders konnte Afi Mulati zur kleinen Tochter, die hier geboren ist, auch ihren Sohn nachholen, der bei Verwandten in Togo geblieben war. Zu Silvester 2014 schloss die junge Mutter den Buben am Flughafen München in ihre Arme. Seitdem ist die kleine dreiköpfige Familie wieder vereint. "Ich bin jeden Tag dankbar."

Natürlich ist der Alltag anstrengend für Afi Mulati mit einem Vollzeitjob und zwei Kindern. Dennoch ist sie froh darüber, was sie alles erreicht hat. Ihr Start in Deutschland war holprig verlaufen. Ihrem Mann war sie damals nachgereist, der Sohn sollte bald folgen. Doch kaum hier angekommen, stand sie - erneut schwanger - alleine da. Die junge Frau, die in Togo nach dem Abitur als Lehrerin tätig war, wollte sich unbedingt eine berufliche Zukunft schaffen. Auf eigenen Beinen stehen, selbst für sich sorgen, diese Werte gab ihr die eigene Mutter mit auf den Weg. Also baute sie ihre Deutschkenntnisse aus und absolvierte eine Pflegeausbildung. Weil sie als junge Mutter keinen Schichtdienst leisten kann, fand sie trotz Pflegenotstands keinen Job. Dann kam in dieser schwierigen Lage auch noch die Nachricht, dass die Verwandten in Togo ihren Sohn nicht länger versorgen konnten.

Afi Mulati brauchte dringend Hilfe. Die Kosten für Dokumente, Gutachten und Reise waren für sie nicht zu stemmen. Aber mit Unterstützung der SZ-Leser konnte der Junge rasch einreisen. Nun, nach wenigen Monaten, hat sich der Elfjährige eingelebt. Die Geschwister kommen gut miteinander aus, in Schule und Hort fühlt sich der Junge aufgenommen. "Jetzt läuft alles, er fühlt sich wohl." Auch für die alleinerziehende Mutter wendete sich alles zum Guten. Einen Job als Betreuerin in einem Pflegeheim übt sie nun aus, kann mit ihrem Verdienst ihre Familie versorgen. Afi Mulati hat ihr Ziel erreicht, ist auf staatliche Unterstützung nicht mehr angewiesen. "Darüber bin ich froh."

Zu den treuesten Spendern zählt Jürgen Rothaug, Leiter eines Dachauer Vokal-Ensembles

Nicht nur der Mutter aus Schwarzafrika konnte die SZ mit der großzügigen Unterstützung ihrer Leser effektiv und schnell helfen. Unterstützt wurden auch Organisationen und Einrichtungen wie die Caritas, die so das ganze Jahr über Menschen aus dem Landkreis in akuten Notfällen helfen können. Die Frauen- und Familienberatungsstelle im Landratsamt etwa gehört zu den Spendenempfängern. Dort bekommen Väter und Mütter Beratung und dringend benötigte finanzielle Hilfe. Daneben konnte mit den Spendengeldern auch der schwierige Alltag Bedürftiger erleichtert werden. Eine zweifache Mutter, die einen behinderten Sohn betreut, konnte sich Herd und Spülmaschine für ihre neue Wohnung kaufen. "Ohne Hilfe wäre das nie gegangen, dafür bin ich wirklich dankbar", sagt die 37-jährige. Froh über die Unterstützung ist auch eine 18-jährige Frau, die durch den plötzlichen Tod der Mutter zur Vollwaise geworden ist. Ein Grabstein, den sie nie hätte finanzieren können, schmückt jetzt die letzte Ruhestätte der Eltern. Einige notleidende Familien waren erleichtert, dass sie Winterkleidung oder Möbel kaufen konnten.

Diese enorm vielfältige Hilfe möglich machten nicht nur großzügige Einzelspender, sondern auch gemeinschaftliche Aktionen. Wie die Sportaktion unter dem Motto "Klettern für einen guten Zweck", mit der 13 Schüler der Mittelschule Karlsfeld gemeinsam mit Lehrer Christian Steinberger 150 Euro an Spendengeldern einbrachten. Oder die Weihnachtsspende von 500 Euro, die im Januar überraschend der Kreisvorstand des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands in der Redaktion der Dachauer SZ vorbeibrachte. Zu den treuesten Spendern zählt Jürgen Rothaug, Leiter und Dirigent des Dachauer Vokal-Ensembles Cantori. Auch im vergangenen Jahr veranstaltete er wieder ein Weihnachtskonzert, dessen Erlös von 800 Euro notleidenden Landkreisbürgern zu Gute kam. Und mit der finanziellen Unterstützung der Volksbank Raiffeisenbank Dachau kam 2014 wieder ein stattlicher Betrag beim traditionellen Benefizkonzert für den Adventskalender zusammen, und zwar 4523 Euro.

© SZ vom 21.11.2015
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