Melanie Fuchs begleitet seit 13 Jahren Menschen beim Sterben. Vier Stunden in der Woche engagiert sich die Hospizbegleiterin des Elisabeth-Hospizvereins in Dachau nicht nur in der klassischen Hospizpflege, sondern auch in einem Kinderhospiz in München. Für ihren Einsatz wurde sie im November von der bayerischen Gesundheits- und Pflegeministerin Judith Gerlach mit dem sogenannten „Weißen Engel“ ausgezeichnet.
Fuchs gehört zu den knapp 60 ehrenamtlichen Hospizhelferinnen und -helfern, die der Dachauer Elisabeth-Hospizverein derzeit unterstützt. Die Besonderheit beim ambulanten Hospizdienst ist, dass die Erkrankten ihre letzten Tage nicht in einer Einrichtung verbringen, sondern zu Hause betreut werden. „Wir gehen zu den Menschen, also dahin, wo sie in dem Moment leben“, führt Fuchs aus. Damit entlasteten die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch die pflegenden Angehörigen. „Wir sind auch dafür da, dass etwa die Ehefrau eines schwer kranken Mannes mal Zeit für sich hat“, erklärt Fuchs. „Zeit zum Arzt zu gehen oder einzukaufen. In der Zeit können wir dann für den Erkrankten da sein.“

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Deutschlandweit gibt es schätzungsweise 1500 ambulante Hospizdienste wie den des Elisabeth-Hospizvereins in Dachau. Ihr Ziel ist es, Menschen in ihrem gewohnten Umfeld in den letzten Wochen und Tagen ihres Lebens zu begleiten und zu betreuen. Nach Angaben des Deutschen Hospiz- und Palliativverbands werden ungefähr 900 der Erwachsenenhospizdienste vom Staat gefördert. Die übrigen arbeiten rein ehrenamtlich – getragen durch Menschen wie Fuchs. Trotz der seelischen Belastung, die das Amt hervorrufen kann, gebe es aber zumindest in Dachau genügend Freiwillige. „Es engagieren sich momentan genügend Leute“, sagt Fuchs, „aber es ist auch immer wieder ein Durchlauf.“ Daher sei es wichtig, dass sich stets auch neue Hospizhelfende ausbilden ließen. „Denn manche machen es für ein paar Jahre und müssen dann aussteigen, aus Altersgründen oder weil vielleicht selbst in der Familie jemand erkrankt ist, den sie pflegen müssen.“
Der Tod ihres Sohnes hat Fuchs zur Hospizpflege gebracht
Melanie Fuchs ist nach einem persönlichen Schicksalsschlag zum Ehrenamt in der Hospizpflege gekommen. „Bei uns ist ganz plötzlich unser siebenjähriger Sohn verstorben. Ich stand da alleine im Krankenhaus und habe mir gedacht: Das kann ja nicht sein, dass man in so einem Moment ganz alleine ist.“ Danach wollte sie anderen Menschen in ähnlichen Situationen helfen, engagierte sich zunächst in der Hospizbegleitung bei Erwachsenen und nach einer weiteren Ausbildung auch bei Kindern.

Der Unterschied zwischen den beiden Begleitformen sei groß, erläutert Fuchs. Rechtlich muss das Sterben des Erwachsenen zeitnah abzusehen sein, bestätigt etwa durch eine ärztliche Diagnose, damit die Hospizbegleiter aktiv werden können. Bei Kindern haben die Ehrenamtlichen oft auch die Aufgabe, die Behandlung zu begleiten. Das kann auch mal länger dauern. „Ich war zum Beispiel in der Familie, da hat das Kind mit drei Monaten Leukämie diagnostiziert bekommen“, berichtet Fuchs. „Ich war in der Familie, bis das Kind fünf Jahre alt wurde. Es lebt zum Glück heute noch und ist jetzt acht Jahre alt.“
In der Kinderhospizarbeit seien auch jüngere Menschen tätig, berichtet Fuchs. Viele seien etwa durch kranke Geschwister mit dem Ehrenamt in Berührung gekommen. „Generell ist es aber eher selten, dass sich Menschen, die jünger als 40 Jahre alt sind, in der Hospizarbeit engagieren“, resümiert sie. Etwas Lebenserfahrung, so scheint es, gehört zur Sterbebegleitung dazu.

