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Dachau:Hilferuf der Polizei

Die Präsenz leidet, sagt Polizeisprecher Scheid.

(Foto: Heigl)

"Wir sind am Limit": Beamte klagen über hohe Belastung und fordern mehr Personal.

Angesichts wachsender Belastungen und großen Personalmangels schlägt die Polizei im Landkreis Alarm. In einem offenen Brief an Bundes- und Landtagsabgeordnete beklagt die Gewerkschaft der Polizei Überlastung und fordert mehr Personal. "Wir sind am Limit", heißt es in dem Brief, der von der Gewerkschaft der Polizei in Fürstenfeldbruck initiiert und von der Dachauer Kreisgruppe unterstützt wird. Adressiert ist der Hilferuf unter anderem an die Dachauer Bundestagsabgeordnete Gerda Hasselfeldt (CSU) sowie die Landtagsabgeordneten Martin Güll (SPD), Bernhard Seidenath (CSU) und Anton Kreitmair (CSU).

Ein Mangel von etwa einem Viertel des nötigen Personals, eine wachsende Anzahl von Aufgaben sowie eine gestiegene Arbeitsbelastung durch die hohen Flüchtlingszahlen würden dazu führen, dass das polizeiliche System "kurz vor dem Zusammenbruch steht", wie Alexander Weggartner von der Gewerkschaft Fürstenfeldbruck schreibt. Insbesondere die Erstaufnahme-Einrichtung für Flüchtlinge im Fliegerhorst Fürstenfeldbruck mit derzeit etwa 1000 Asylbewerbern führe zu einer Mehrbelastung, die die örtliche Polizei zeitweise nicht mehr allein bewältigen könne und daher auf Unterstützung aus Nachbarkreisen angewiesen sei. Die geplanten Einstellungen könnten die erhöhte Arbeitsbelastung auch künftig nicht auffangen. Die Polizeigewerkschaft befürchtet deshalb, dass die Belegschaft durch die Unterbesetzung dauerhaft "überfordert" wird und die Polizeibeamten auf lange Sicht "krank werden und kaputt gehen". Die schnelle Aufstockung der Polizeikräfte sei deshalb eine "zwingend notwendige Maßnahme".

"Noch gehen wir nicht auf dem Zahnfleisch"

Die Dachauer Kreisgruppe der Polizeigewerkschaft trägt den Hilferuf mit und befürwortet den Vorstoß ihrer Kollegen für mehr Personal. "Wir brauchen kurzfristige Entlastung, aber vor allem langfristig mehr Personal", sagt Peter Kronester, Vorsitzender der Dachauer Gewerkschaftsgruppe. Zurzeit müsste die Dachauer Dienststelle regelmäßig in Fürstenfeldbruck aushelfen und besonders nachts Verstärkung bereitstellen. So dramatisch wie in Fürstenfeldbruck sei die Lage im Landkreis Dachau allerdings nicht. Dachau hat eine vergleichsweise große Polizeiinspektion. "Noch gehen wir nicht auf dem Zahnfleisch", sagt Kronester. Da aber auch in Dachau etwa jede fünfte erforderliche Stelle unbesetzt sei, "besteht die Gefahr, dass Kollegen immer wieder an die Belastungsgrenze und darüber hinaus kommen", meint er.

Zwar sei der normale Polizeibetrieb in Dachau nicht gefährdet, es könne allerdings zu längeren Wartezeiten kommen, wenn die Polizei in Spitzenzeiten zu einem Unfall oder einem anderen Vorfall gerufen wird. "Natürlich leiden Präsenz und Schnelligkeit, wenn die Beamten durch andere Einsätze gebunden sind", erklärt Björn Scheid, Sprecher der Dachauer Polizei.