Gesundheitsversorgung in Dachau„Die Klinik befindet sich in einem Transformationsprozess“

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Das Helios Amper-Klinikum in Dachau sorgte in der Vergangenheit immer wieder für negative Schlagzeilen.
Das Helios Amper-Klinikum in Dachau sorgte in der Vergangenheit immer wieder für negative Schlagzeilen. Toni Heigl
  • Helios-Geschäftsführer Tobias Teich will die Kommunikation mit Pflegekräften am Dachauer Krankenhaus verbessern, um den Unmut über Personalknappheit und hohe Arbeitsbelastung zu verringern.
  • Pflegekräfte beklagen, dass sie zusätzlich zu ihrer eigentlichen Arbeit immer mehr Service-Aufgaben wie Essensausgabe oder Patiententransport übernehmen müssen.
  • Kreisräte fordern Verbesserungen der Pflegesituation, nachdem Patienten über Missstände wie herausgerissene Katheter und fehlende Betreuung berichtet hatten.
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Unmut von Pflegekräften über zu hohe Arbeitsbelastung, Beschwerden von Patienten über schlechte Versorgung: Der Helios-Klinikgeschäftsführer stellt sich im Kreistag der Kritik am Dachauer Krankenhaus.

Von Thomas Radlmaier, Dachau

Der Gesundheitskonzern Helios will seine Kommunikation mit Pflegekräften am Dachauer Krankenhaus verbessern und hofft so, den Unmut über Personalknappheit und hohe Arbeitsbelastung auf einigen Stationen zu verringern. „Wir wollen auf die Kolleginnen und Kollegen in der Pflege zugehen und Verständnis für bestimmte Maßnahmen schaffen“, sagte Klinikgeschäftsführer Dominik Teich bei einer Sitzung des Dachauer Kreistags.

Mehrfach hatten sich Pflegekräfte in jüngerer Vergangenheit öffentlich darüber beklagt, dass sie auf den Stationen immer mehr Service-Aufgaben übernehmen müssen, für die vorher Hilfspersonal zuständig war. Dazu zählt etwa, Essen zu servieren oder Patienten zu Operationen fahren. Zuletzt flammte Protest gegen Pläne auf, wonach die Pflegekräfte in Zukunft auch Betten reinigen, beziehungsweise desinfizieren sollen – dies erledigen bislang noch Servicekräfte.

Ein Patient hat überlegt, im Krankenhaus den Notruf 112 zu wählen

Daneben waren Schilderungen von Patienten über Missstände im Krankenhaus immer wieder ein Thema im Kommunalwahlkampf. Die Rede war von herausgerissenen Kathetern, die lange unversorgt blieben, oder von Patienten, die andere Patienten füttern mussten, weil Pfleger dafür keine Zeit hatten. Der Landratskandidat der Freien Wähler erzählte auf einer Podiumsdiskussion von seiner schlechten Erfahrung als Patient im Dachauer Krankenhaus. Weil er lange mit Schmerzen auf der Station gelegen und trotz mehrfachen Klingelns keine Pflegekraft gekommen sei, habe er überlegt, einen Notarzt über die 112 zu rufen.

Die Fraktion der Grünen im Kreistag hatte auf die Klärung verschiedener Fragen zum Krankenhaus gedrängt – schließlich hält der Landkreis Dachau 5,1 Prozent der Anteile am Dachauer Klinikum. Zum Beispiel wollten die Grünen wissen, ob es stimme, dass Helios durch das Übertragen „pflegefremder“ Aufgaben auf die Pflegekräfte zulasten der Krankenkassen wirtschaftlichen Erfolg erziele. Kritiker monieren, dass Krankenhäuser Hilfskräfte einsparen und deren Leistungen von Pflegekräften erbringen lassen, um Tätigkeiten wie Bettenreinigung oder Service über das „Pflegebudget“ abrechnen zu können.

„Es gibt viele Themen, die wir verbessern wollen“, sagt der Klinikgeschäftsführer.

Jetzt stand der Dachauer Klinikverantwortliche Dominik Teich den Kreisrätinnen und Kreisräten Rede und Antwort. Teich, der seit 1. Februar Geschäftsführer der Helios-Häuser in Oberbayern ist, sagte zu Beginn seiner Powerpoint-Präsentation mit rund 30 Seiten: „Es gibt viele Themen, die wir verbessern wollen“, nicht alles laufe perfekt. „Die Klinik befindet sich in einem Transformationsprozess.“

Dominik Teich ist seit 1. Februar Geschäftsführer der Helios Kliniken in Oberbayern.
Dominik Teich ist seit 1. Februar Geschäftsführer der Helios Kliniken in Oberbayern. Helios

Der 48-Jährige, der selbst einmal als Krankenpfleger gearbeitet hat, zeigte Zahlen zum Personalstand im Pflegebereich. Demnach gebe es im Pflegedienst seit dem vergangenen Jahr 46 Mitarbeitende mehr als noch 2023. Auch sei die Belastung – messbar anhand bestimmter Kennzahlen – im pflegerischen Bereich heute niedriger als noch vor der Corona-Pandemie. Gleichwohl sagte Teich, dass sich der Pflegeberuf aufgrund mehrerer Entwicklungen deutlich verändert habe.

Als die zentralen Herausforderungen nannte er die Digitalisierung und den demografischen Wandel. Die Pflegekräfte hätten heutzutage deutlich mehr und vor allem unterschiedliche Aufgabenbereiche, die vom richtigen Umgang mit Betäubungsmitteln bis zum Datenschutz reichten. Diese Belastung, die mit Digitalisierung und demografischem Wandel einhergehe, spürten Arbeitnehmer auch in anderen Berufen. „Das ist kein Dachau-Phänomen“, diese Entwicklung treffe Krankenhäuser deutschlandweit gleichermaßen.

Mit verschiedenen Maßnahmen wolle man die Mitarbeitenden entlasten, so Teich. Doch er sagte auch, dass man es nicht schaffen werde, alle Probleme zu lösen. Man wolle den Pflegekräften in Zukunft aufmerksamer zuhören. „Wir wollen uns nicht verstecken, sondern in den Austausch gehen.“ Dafür wolle man sich aktiv an die Pflegekräfte wenden. Es gehe darum, mehr miteinander statt übereinander zu sprechen. „Das ist unser Ansatz.“ Bisher beklagten Pflegekräfte immer wieder, dass aus Überlastungsbeschwerden keine Konsequenzen folgten.

Neben Teich war auch Martin Tobies, Betriebsratsvorsitzender der Amper Kliniken AG, im Kreistag zu Gast. Er widersprach Teich dahingehend, dass die Belastung für die Pflegekräfte abgenommen habe. Zwar stimme es, dass es mehr Personal gebe als noch vor einigen Jahren. „Aber wir haben auch mehr Arbeit.“ Servicetätigkeiten, Patientenbegleitung oder Teile der Bettenreinigung – all diese Aufgaben hätten Pflegekräfte zusätzlich übernehmen müssen. Da reiche es nicht aus, wenn Teich sage: „Ich höre euch jetzt zu.“ Es brauche Maßnahmen, die wirklich Entlastung schaffen. Tobies machte darauf aufmerksam, dass es in den vergangenen Jahren mehrere unterschiedliche Pflegedirektoren an den Amper-Kliniken gegeben habe. Dabei wäre Kontinuität gerade bei diesem Posten wichtig, um den Wandel des Berufes durch Digitalisierung zu organisieren.

Aktuell hat Helios erneut die Stelle des Pflegedirektors ausgeschrieben. Wie eine Sprecherin auf SZ-Anfrage mitteilte, werde der aktuelle Pflegedirektor das Unternehmen zum 30. April verlassen. Zur Frage, ob und wann die Pflegekräfte in Dachau die Bettendesinfektion übernehmen müssen, machte Teich im Kreistag keine konkreten Angaben. Auf Nachfrage der SZ hieß es von Helios, man prüfe aktuell eine „mögliche Umsetzung“; daher gebe es auch „keinen konkreten Zeitpunkt für eine mögliche Einführung“.

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Pflegekräfte des Dachauer Amper-Klinikums beklagen, dass ihnen immer mehr Aufgaben aufgebürdet werden, für die es bislang Servicepersonal gab. Der Betreiber-Konzern Helios spricht von „Skill-Mix“.

Von Thomas Radlmaier

Mehrere Kreisräte und Kreisrätinnen forderten den Helios-Geschäftsführer im Kreistag auf, die Pflegesituation im Dachauer Krankenhaus zu verbessern. Peter Heller (Bündnis für Dachau) äußerte auch Kritik an Teichs Vortrag: „Über die eigentlichen Probleme habe ich von Ihnen zu wenig gehört. Und wenn Sie darauf nicht eingehen, ist es schwierig“, sagte Heller. Auch Marese Hoffmann (Grüne) sagte, die Kritik von Patienten und Pflegekräften an Helios sei im Vortrag zu kurz gekommen. „Wir haben massive strukturelle Probleme, und die müssen behoben werden.“ Teichs Aufgabe werde es sein, genau hinzuschauen, in welcher Zwickmühle die Mitarbeitenden steckten. Michael Reindl (Freie Wähler) meinte, neben der Pflegesituation müsse Helios auch sein „schlechtes Image“ verbessern.

Für Landrat Stefan Löwl hat das Dachauer Krankenhaus „massive Probleme auf diversen Stationen“.

Bernhard Seidenath (CSU), der auch Vorsitzender des Gesundheitsausschusses im bayerischen Landtag ist, sagte, dass Dachau im Vergleich zu anderen Landkreisen mit seinem privatisierten Krankenhaus nur „moderate Probleme“ habe. Andere Landkreise würden sich überlegen, ob sie sich ein Krankenhaus in kommunaler Hand überhaupt noch leisten könnten. 2024 haben die Helios Amper-Kliniken Dachau und Markt Indersdorf einen Jahresüberschuss von 13,2 Millionen Euro eingefahren. Die meisten öffentlichen Krankenhäuser sind defizitär.

Landrat Stefan Löwl (CSU) wiederum sagte, er habe ein differenziertes Bild zum Dachauer Krankenhaus: „Wir haben sehr gute Ärzte, aber wir haben auch massive Probleme auf diversen Stationen“. In Richtung Teich sagte Löwl: „Wir erwarten Verbesserungen.“

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Mitarbeitende des Helios Amper-Klinikums Dachau beanstanden zahlreiche Fälle von Gefährdung der Patienten durch Personalmangel sowie technische Defekte. Die Klinikleitung dementiert und beharrt darauf, interne Beschwerden zu überprüfen.

SZ PlusVon Jessica Schober

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