Nach Tod eines Zweitklässlers bei Busunfall im Landkreis Dachau„Der schlimmste Einsatz meiner Laufbahn“

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Bei einem schweren Busunfall im Landkreis Dachau ist am Mittwochmittag ein Junge ums Leben gekommen. Am Tag danach haben Menschen Blumen und Plüschtiere an der Unfallstelle an der Amperbrücke abgelegt.
Bei einem schweren Busunfall im Landkreis Dachau ist am Mittwochmittag ein Junge ums Leben gekommen. Am Tag danach haben Menschen Blumen und Plüschtiere an der Unfallstelle an der Amperbrücke abgelegt. Niels P. Jørgensen

Nach dem verheerenden Busunfall im Landkreis Dachau, bei dem ein Grundschüler zu Tode kam, ringt der Feuerwehrkommandant und Bürgermeister um Worte. Ministerpräsident Markus Söder wendet sich per Kurznachricht an die Opfer und Angehörigen. Die teils schwer Verletzten schweben nicht mehr in akuter Lebensgefahr.

Von Gregor Schiegl und Jessica Schober, Hebertshausen

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Nachdem am Mittwochmittag ein siebenjähriger Zweitklässler bei einem Zusammenstoß zweier Busse im Landkreis Dachau ums Leben gekommen ist, schwebt nach Polizeiangaben keiner der teils schwer verletzten 30 Schüler sowie zwei Busfahrer und eine Lehrerin in akuter Lebensgefahr. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) schrieb auf der Plattform X: „Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen der Opfer und wir beten für die Genesung der Verletzten.“ Er danke den Rettungskräften und der Polizei, die schnell geholfen hätten. „Das ist alles andere als selbstverständlich. Danke auch allen Ärzten und Pflegekräften in den Krankenhäusern, die jetzt ihr Bestes geben.“

In diesem Reisebus sind am Mittwochmittag Grundschüler auf einem Schulausflug beim Zusammenstoß mit einem Linienbus verunglückt.
In diesem Reisebus sind am Mittwochmittag Grundschüler auf einem Schulausflug beim Zusammenstoß mit einem Linienbus verunglückt. Niels P. Jørgensen

Die Schülerinnen und Schüler kamen aus der zweiten Klasse der Grundschule Haimhausen. Dort fand am Donnerstagvormittag ein Treffen zwischen Kriseninterventionsteam und lokalen Vertretern von Politik und Rettungskräften statt, um das weitere Vorgehen zu besprechen, wie die SZ aus dem Rathaus erfuhr. Der Haimhauser Bürgermeister Stefan Jänicke-Spicker, der auch Feuerwehrkommandant seiner Gemeinde ist, bewertet den Einsatz am Morgen nach dem Unfall als den „schlimmsten seiner Laufbahn“.

Als er gegen Mittag als einer der Ersten am Unfallort eingetroffen sei, habe sich ihm „ein schrecklicher Anblick“ geboten. „Auf so einen Einsatz kann man sich nicht vorbereiten.“ Er ringt um Fassung beim Sprechen am Morgen nach dem Unfalltag und sagt: „Es geht um Kinder und wir sind alle nur Menschen.“ Stefan Jänicke-Spicker ist seit 28 Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr Haimhausen. Seit sechs Wochen ist er Bürgermeister von Haimhausen. Der 10. Juni 2026 markiert für ihn den schlimmsten Einsatz seines Lebens.

Der Zusammenstoß ereignete sich an der Amperbrücke am Ortsausgang von Ampermoching.
Der Zusammenstoß ereignete sich an der Amperbrücke am Ortsausgang von Ampermoching. Niels P. Jørgensen

Die Schülerinnen und Schüler waren mit einem angemieteten Reisebus auf einem Schulausflug unterwegs. Nach bisherigen Erkenntnissen war der Bus gegen 12.30 Uhr in einer Kurve seitlich mit einem Linienbus kollidiert. In dem befand sich nach Polizeiangaben aber nur der Fahrer, keine Fahrgäste. Die Unfallstelle liegt in der Gemeinde Hebertshausen zwischen Ampermoching und Ottershausen auf der Staatsstraße 2339 im Bereich einer Kurve.

Man habe alles Menschenmögliche versucht, um den Jungen zu reanimieren, beschreibt Dennis Behrendt, Einsatzleiter des Rettungsdienstes, das Ringen um das Leben des Kindes. Auch ein Hubschrauber stand schon bereit, um den Jungen in eine Klinik zu fliegen. Doch der Notarzt habe ihn dann vor Ort noch für tot erklären müssen, so Behrendt.

Für einen Buben aus der zweiten Klasse kam jede Hilfe zu spät. Nun steht die Genesung der weiteren Opfer im Fokus, und die Frage, wie es zu dem Unfall kommen konnte.
Für einen Buben aus der zweiten Klasse kam jede Hilfe zu spät. Nun steht die Genesung der weiteren Opfer im Fokus, und die Frage, wie es zu dem Unfall kommen konnte. Niels P. Jørgensen

Der Dachauer Landrat Stefan Löwl (CSU) zeigte sich tief bewegt. Er sei in Gedanken bei der Familie des verstorbenen Kindes, aber auch bei den Verletzten. Als Vater von drei Kindern, die auch schulpflichtig sind und auch mit dem Bus fahren, bewege ihn nun der Gedanke an all jene Eltern, die morgens ihr Kind auf einen Schulausflug geschickt haben, das Kind abends aber nicht zurückgekehrt sei. „Für mich ein ganz, ganz schwieriger Tag.“

Wie es zu der Kollision kam, ist derzeit noch unklar. Die Staatsanwaltschaft München II hat einen Gutachter beauftragt, das Geschehen zu untersuchen. Mit einem Ergebnis sei in den kommenden Tagen allerdings nicht zu rechnen, sagte ein Polizeisprecher. Die Ermittlungen werden nach Einschätzung der Beamten noch mehrere Wochen andauern. Eines kann die Polizei schon mal weitgehend ausschließen: Alkohol. Die Busfahrer hätten freiwillig Atemalkoholtests gemacht. Das Ergebnis in beiden Fällen: Null Promille. Die Polizei sieht derzeit auch keine Anhaltspunkte dafür, dass überhöhte Geschwindigkeit zum Unfall beigetragen hat.

Ein Anwohner indes kritisiert den Unfallort als Gefahrenstelle schon lange. Claudius Pillny wohnt direkt am Ortsausgang von Ampermoching. Vom Büro im Dachgeschoss seines Hauses kann er hören, wie die Motoren auf dem Straßenstück vor seiner Tür durchbeschleunigen. „Ich höre es jedes Mal scheppern, wenn es wieder kracht - wie leider auch bei dem Busunglück am Mittwoch“, so Pillny. Er habe sogar die Druckwelle des Aufpralls der beiden Busse am Vibrieren der Fensterscheiben wahrnehmen können, sagt er. Er fürchtet, dass dies nicht der letzte Unfall in der Kurve an der Amperbrücke gewesen sein wird. Seit 2021 hat Pillny rund ein Dutzend Briefe an das Landratsamt und die Dachauer Polizeiinspektion geschrieben, um auf die Gefahrenstelle an der Staatsstraße aufmerksam zu machen. „Diese Kurve wird völlig unterschätzt“, sagt auch Ehefrau Senay Pillny. „Die Straße ist hier breit und übersichtlich wie eine Autobahn, da geben viele schon im Ortsinneren Gas.“

Vier Rettungshubschrauber, 15 Rettungswagen und acht Notärzte eilten zur Unfallstelle

Stundenlang liefen am Mittwoch umfangreiche Rettungs- und Bergungsmaßnahmen am Unfallort. Vier Rettungshubschrauber waren im Einsatz, sagte ein Sprecher der Leitstelle in Fürstenfeldbruck, sowie etwa 15 Rettungswagen und acht Notärzte. Mehrere Verletzte seien in Krankenhäuser gebracht worden. Am Einsatz waren laut Polizei insgesamt an die 100 Kräfte beteiligt. Für Betroffene wurde ein Bürgertelefon eingerichtet.

Bei der Freiwilligen Feuerwehr Ampermoching wurde eine Sammelstelle eingerichtet. Der Parkplatz reicht am Nachmittag für die vielen Rettungsfahrzeuge nicht aus, sie stehen auch auf dem benachbarten Supermarktgelände und entlang der Straße. Immer wieder treffen Angehörige ein, manche weinend, manche ganz still. Eine Frau in fliederfarbener Jacke steht am Flatterband, hinter dem sich uniformierte Beamte postiert haben. „Hallo“, sagt sie. „Ich bin gekommen, um meinen Sohn abzuholen.“

Kurz zuvor ist eine Mutter mit ihrer kleinen Tochter abgezogen, sie trägt noch die goldene Rettungsdecke unter dem Arm, die man dem Kind vermutlich zuvor umgelegt hat. Mit der Presse sprechen will hier keiner. Wenn nicht gerade wieder ein Fahrzeug mit Blaulicht losprescht, herrscht Stille. Ampermoching ist abgeriegelt, zumindest dieser Teil des kleinen Orts.

Der Schaden am Linienbus zeigt, wie schwer die Kollision gewesen sein muss.
Der Schaden am Linienbus zeigt, wie schwer die Kollision gewesen sein muss. Niels P. Jørgensen

Die Unfallstelle wurde großräumig abgeriegelt, auch Pressevertreter lässt die Polizei lange nicht an die Unfallstelle, damit keine Bilder von der Versorgung verletzter Kinder veröffentlicht werden können. Man habe bisher nicht alle Eltern informieren können, erklärt eine Polizeisprecherin. Den Einsatzkräften habe sich anfangs ein „sehr schlimmes Bild“ geboten. Auch für sie ist es kein einfacher Job. „Ein Einsatz mit Kindern ist immer ergreifend“, sagt die Polizeisprecherin. Die Betreuungsgruppe an Ort und Stelle kümmere sich sowohl um Eltern als auch um die Einsatzkräfte.

In der Haimhauser Kirche St. Nikolaus haben sich noch am Tag des Unglücks Menschen getroffen zur gemeinsamen Trauer. Am Alter legten sie Blumen, kerzen und eine  gemalte Karte ab.
In der Haimhauser Kirche St. Nikolaus haben sich noch am Tag des Unglücks Menschen getroffen zur gemeinsamen Trauer. Am Alter legten sie Blumen, kerzen und eine  gemalte Karte ab. Niels P. . Jørgensen

An die 40 Menschen, darunter auch Eltern mit Kindern, haben sich noch am Tag des Unglücks abends in der Haimhauser Kirche versammelt, Kerzen angezündet und gemeinsam getrauert. „Das war das Wichtigste, einfach in Stille zusammen zu sein. Die Leute standen unter Schock“, berichtet tags darauf Gemeindereferentin Mandy Adam. Auch die evangelische Pfarrerin sei dabei gewesen, Bürgermeister und Landrat. Zuletzt habe man noch ein gemeinsames Vaterunser gebetet.

Für die gesamte Schule werde es Angebote geben, kündigte Landrat Löwl an. Die Notfallseelsorge stehe bereit für jeden, der Bedarf habe, auch in den kommenden Tagen. In der Gemeindeverwaltung sei zudem ein Bürgertelefon eingerichtet worden, erklärt Bürgermeister Jänicke-Spicker.

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