Süddeutsche Zeitung

Frauengesundheit:Dachauer Hebammenpraxis zieht um

Lesezeit: 2 min

Katharina Zausinger und ihr Team verlassen die Räumlichkeiten nahe des Klinikums und sind ab Januar in der Altstadt zu finden.

Von Jacqueline Lang, Dachau

Das Thema steigende Mieten macht auch vor Einrichtungen nicht Halt, die für die Gesundheitsvorsorge essenziell sind. So kämpft die Hebammenpraxis Dachau, die ihren Sitz aktuell noch direkt neben dem Helios Amper-Klinikum hat, schon seit Jahren mit Mieterhöhungen - und das nicht zu knapp, so die Praxisleiterin und Hebamme Katharina Zausinger. Als sich im Juli 2022 die Möglichkeit ergab, das Haus in der Wieninger Straße 14 zu kaufen und dort eine neue Praxis einzurichten, musste Zausinger daher nicht lange überlegen.

Zwar musste das salbeifarbene Gebäude zunächst kernsaniert werden - zeitweise war sogar ein Mini-Bagger am Werk - und ganz abgeschlossen sind die Bauarbeiten, die im September 2022 begonnen haben, auch noch nicht, Beleuchtung und Böden fehlen etwa noch, aber dafür sind die neuen Räumlichkeiten so wohnortnah, wie es nur geht: Zausinger wohnt mit ihrer Familie nur ein Haus weiter.

Anfangs habe sie, sagt Zausinger, trotzdem kurz überlegt, ob die Altstadt wirklich der richtige Ort für ihre Hebammenpraxis ist, weil dort zunehmend Geschäfte schließen und weniger los ist. Aber dann habe sie sich gesagt: "Wir wollen doch die Altstadt beleben, dann müssen wir auch selbst etwas dafür tun." Außerdem hat Hebammenkollegin Katrin Andrä vor gut einem Jahr schon vorgemacht, dass das geht: In der Altstadt eine Praxis eröffnen. Andräs Hebammenpraxis "Bauchgefühl" befindet sich unweit der Wieninger in der Augsburger Straße 25.

Die neuen Räume seien zwar etwas kleiner, als jene in der Hochstraße, aber da sei sie sicher, sagt Zausinger: Wenn alles erst einmal eingerichtet sei, dann werde eine "Praxis mit Charme" entstehen. Und auch wenn der neue Standort nicht nur für sie, sondern auch für ihre Kundinnen eine Umstellung ist: Allzu viele Sorgen, dass die Altstadtpraxis weniger stark frequentiert wird, als die jetzige, macht sie sich nicht, denn mit dem nahegelegenen Parkhaus gebe es durchaus Parkmöglichkeiten. Und ganz ideal sei die Parksituation am Klinikum ja auch nicht gewesen.

Da beide Praxen nur vier Autominuten voneinander entfernt liegen, dürfte die Distanz wohl keine Rolle spielen. Allerdings hofft Zausinger, dass viele Frauen auch weiterhin mit dem Rad zu den Kursen kommen - sofern sie denn nicht gerade hochschwanger sind. Sie setzt darauf, dass die Stadt in weitere Fahrradstellplätze in der Altstadt investiert.

Fragt man Zausinger, ob die Nachfrage nicht ohnehin größer sei als das Angebot und damit der Standort für eine Praxis praktisch egal, sagt die Dachauer Hebamme, die selbst Mutter ist, dass sich das "relativ gut eingependelt" habe.

Das liege zum einen am deutschlandweiten Geburtenrückgang, der sich auch im Landkreis Dachau bemerkbar mache, zum anderen an der Hebammenkoordinationsstelle, die vor allem die Nachsorge sehr gut organisiere und koordiniere. "Die Frauen sind nicht mehr verzweifelt auf der Suche", so Zausinger. Über zu wenig Arbeit muss sie sich aber noch nicht beklagen: "Im Moment gibt es für alle Hebammen noch genug Arbeit."

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.6291656
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.