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Stadtrat Dachau:"Ich bin es langsam leid": Hartmann kanzelt Moll ab

Politischer Volksfestabend

Oberbürgermeister Florian Hartmann ist "höchst irritiert über den Brief" von Wolfgang Moll.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Der Oberbürgermeister reagiert verärgert auf die Kritik des TSV-Präsidenten zur geplanten Aussiedlung.

Der Streit um die geplante Teilaussiedlung der Vereinsstätten des TSV Dachau geht in die nächste Runde. Nachdem Wolfgang Moll, der Präsident des TSV, Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) in einem offenen Brief zu einer "presseoffenen Sachstandserörterung" des Projekts aufgefordert hatte, entschied sich Hartmann indes dafür, Molls Fragen und Kritikpunkte in der öffentlichen Sitzung des Bau- und Planungsausschutz am Mittwoch unter dem Tagesordnungspunkt "Verschiedenes" kurz und knapp abzuhandeln - in Abwesenheit von Briefeschreiber Moll.

Moll, der über die Presse darüber informiert worden war, dass Hartmann keinen Anlass für ein öffentliches Gespräch sieht, hatte noch in einer E-Mail am Mittwochfrüh darum gebeten, dass von diesem Vorhaben "Abstand genommen wird". Zum einen sei es ihm aufgrund eines anderen Termins unmöglich, der öffentlichen Sitzung selbst beizuwohnen, zum anderen sei der Verein, anders als der Oberbürgermeister es der Presse gegenüber mitgeteilt habe, nicht über alle Vorhaben rechtzeitig informiert worden. "Sie wissen, dass uns viele wesentlichen Details der aktuellen Entwicklung vorenthalten worden sind und somit diesseits gar nicht reagiert werden konnte", so Moll. Gleichwohl liege es ihm fern, "den Sachverhalt eskalieren zu lassen", betont Moll in seinem Schreiben.

Der Oberbürgermeister ist "höchst irritiert über den Brief"

Hartmann zeigt sich in der Sitzung verärgert über die neuesten Entwicklungen. Er sei "höchst irritiert über den Brief" und sei es "auch langsam leid", dass Moll immer wieder Anschuldigungen gegen ihn vorbringe, die so schlichtweg nicht stimmten. Die Stadt kümmere sich um den Flächennutzungsplan, den Bauplan und vergebe das Baurecht. Mit der restlichen Planung, sowie dem Bau selbst habe die Stadt nichts zutun. "Auf die Hochbauplanung nehmen wir keinen Einschluss und das wollen wir auch gar nicht", so Hartmann. Nicht nachvollziehen könne er auch, dass Moll nach dem im Juli gefassten Beschluss zunächst eine Dankes-Mail vom Vereinspräsidenten bekommen habe und nur wenige Wochen später von selbiger Stelle die Frage gekommen sei, warum die Regionalligatauglichkeit nicht berücksichtigt werde. Weder das Grundstück in der Jahnstraße, noch jenes in der Theodor-Heuss-Straße seien aus baurechtlicher Sicht geeignet für ein solches Stadion. "Wir ringen auch intern um eine Lösung", stellt Hartmann klar.

Über Wünsche nach einem zeitgemäßen Verkaufskiosk, Umkleideräumen sowie Toiletten könne man reden. Diese seien im Beschluss nur deshalb noch nicht berücksichtigt, weil Moll sich erst im Nachhinein dazu geäußert habe. "Mir ist es ehrlich gesagt völlig egal, ob die Toilette am Ende links oder rechts ist", sagt Hartmann. Auf die Frage von Moll, warum keine weiteren Grundstücke für Parkraumflächen freigeben würden, sagt Hartmann, dass das nicht ohne weiteres möglich sei. Bei einem Grundstück etwa sei man nur Miteigentümer. Was die Wechselnutzung der Parkplätze angehe, so liege offenbar ein Missverständnis vor: Die Stadt spreche sich nach wie vor für die Wechselnutzung aus - obwohl aus baurechtlicher Sicht keine Parkplätze notwendig wären.

Moll: "Aus unser Sicht ist die Regionalligatauglichkeit umsetzbar"

In seinem Brief schreibt Moll zum Thema Erdverkabelung, dass der Verein "favorisiert, dass nicht der diesbezüglich aktuelle Status, sondern das künftige Ergebnis" im Bebauungsplan berücksichtigt wird. Hartmann erklärt, dass man dieses Vorhaben bewusst "entkoppelt" habe. So könnten beide Projekte auch unabhängig von einander voranschreiten. Grundsätzlich, so Hartmann, werde man alle Kritikpunkte noch einmal mit den verantwortlichen Stellen aufarbeiten und im Anschluss einen überarbeiteten Antrag in der kommenden Bau- und Planungsausschusssitzung vorstellen. Seinen Ärger darüber, dass die Teilaussiedelung damit erneut zum Tagesordnungspunkt wird, konnte Hartmann dennoch nicht verbergen. "Ich dachte eigentlich, wie wären schon weiter."

Moll indes bleibt dabei: "Aus unser Sicht ist die Regionalligatauglichkeit umsetzbar." In einem Genehmigungsverfahren seien zwar kleinere Mängel festgestellt worden, aber "keine unlösbaren Aufgaben". Man sei durchaus kompromissbereit und nehme deshalb auch eine dezentrale Lage in Kauf - aber nur wenn "das Flair des Vereins" erhalten bleibe. Ein klärendes Gespräch unter Ausschuss der Öffentlichkeit habe Hartmann ihm per Mail angeboten. Einen Termin gebe es noch nicht, so Moll. Er hoffe, aber weiterhin auf eine Lösung, und es sei ihm nicht daran gelegen, jemanden persönlich anzugreifen. "Ich mache auch nur meinen Job als Vereinsvorsitzender."

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