Prozess am Landgericht Hantel-Attacke: Angeklagte verstrickt sich in Widersprüche

Landgericht Duisburg ARCHIV - 15.07.2014, Nordrhein-Westfalen, Duisburg: Die modellhafte Nachbildung der Justitia steht in einem Raum eines Richters neben einem Holzhammer und einem Aktenstapel. Am Mittwoch beginnt in Duisburg der Prozess um einen Muttermord. Foto: Volker Hartmann/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

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Die Frau, die ihren Sohn zum Mord am Vater angestiftet haben soll, spricht nun selbst.

Von Andreas Salch, München/Dachau

Die Angeklagte gestikuliert mit den Händen und redet und redet. Ohne Punkt und Komma, mehr als zwei Stunden lang. Am Dienstag hatte überraschenderweise der Mann der 50-jährigen Mutter von drei Kindern ausgesagt, die sich wegen versuchten Mordes vor der Schwurgerichtskammer am Landgericht München II verantworten muss. 2008 soll sie ihren damals noch strafunmündigen Sohn dazu angestiftet haben, den Vater mit einer Hantel zu erschlagen.

Am Mittwochmorgen nahm nun die Angeklagte selbst ausführlich Stellung zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft. Am ersten Verhandlungstag hatte sie lediglich über einen ihrer drei Verteidiger, Rechtsanwalt Christian Langgartner, eine Erklärung verlesen lassen. Darin versicherte sie "zu keinem Zeitpunkt" den Plan gefasst zu haben, ihren Mann zu töten - "auch nicht durch Dritte." Ebenso entspreche es nicht der Wahrheit, dass ihr 2008 jüngster Sohn - er war damals erst zwölf und strafunmündig - auf ihr Geheiß hin gehandelt habe.

"Ich glaube Ihnen kein Wort"

Das Fazit der Einlassungen der 50-Jährigen überzeugte jedoch weder den Vorsitzenden der Schwurgerichtskammer, Richter Thomas Bott, noch Staatsanwältin Cathrin Rüling. Sie warf der Angeklagten vor, sie stelle sich als "Unschuldslamm" dar und fügte hinzu: "Ich glaube Ihnen kein Wort." Schuld seien immer nur andere gewesen. Menschlich sei das "unterste Schublade", sagte Staatsanwältin Rüling zu der Mutter, was diese aber scheinbar nicht beeindruckte.

Zwar räumte sie bei ihrer Aussage ein, vor dem Hintergrund familiärer Spannungen zu ihren Kindern geäußert zu haben: "Wenn dieser Albtraum kein Ende nimmt, dann bring' ich ihn (gemeint ist der Ehemann, Anm. d. Red.) um." Doch dies war angeblich nicht ernst gemeint. Heute, so die 50-Jährige, wisse sie, dass sie so etwas niemals zu ihren Kindern hätte sagen dürfen. "Ich bin ein Mensch, der sich, wenn er sich ärgert, schnell mal was sagt, was ihm hinterher leid tut", entschuldigte sie sich.

Sohn schilderte sehr konkret die Hantel-Attacke auf seinen Vater

2013 hatte der Ehemann der 50-Jährigen, von Beruf Polizist, bei der Arbeit einen Nervenzusammenbruch erlitten. Sein Chef berichtete bei seiner Vernehmung vor Gericht, der 54-Jährige habe sich in einem "Ausnahmezustand" befunden und begonnen von einem Mordkomplott seiner Frau zu erzählen. Der jüngste Sohn der Eheleute hatte daraufhin vor einem Ermittlungsrichter aussagen müssen. Dabei hatte er die Hantel-Attacke auf den Vater und die Äußerungen seiner Mutter, den Vater gegebenenfalls aus dem Weg zu räumen, sehr konkret geschildert.

Bei ihrer Aussage am Mittwoch stellte die 50-Jährige den Schlag ihres Sohnes mit der Hantel so dar, als sei es ein Versehen gewesen. Ein andermal wieder klang es so, als habe der Sohn aufgrund ihrer Äußerungen gewissermaßen von sich aus die Initiative ergriffen. Die Aussagen der Angeklagten aus Telefongesprächen, die im Zuge der Ermittlungen auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft abgehört worden waren, legen indes nahe, dass sie sehr wohl mit ihren Kindern über Mordpläne gesprochen hat.

Der Richter wird sauer

"Was war das für ein Zusammensetzen in Herrgottsnamen", wollte Richter Thomas Bott von der Mutter wissen. Es habe sich nur um "Frustgerede" gehandelt, so die Antwort. Sie und die Kinder hätten darüber geredet, dass die Spannungen in der Familie unerträglich seien und dass es ohne den Vater schöner wäre. Ob sie mal "für ein Fünferl Verantwortung übernehmen" wolle, fragte der Vorsitzende die 50-Jährige und sagte zu ihr, sie neige dazu, sich gelegentlich "in ein gutes Licht zu stellen."

Ja, entgegnete die Mutter, ihr sei bewusst, dass ihre Äußerungen in den abhörten Telefongesprächen "blöd" rüberkommen würden. Aber, so beteuerte sie, es habe keinen Plan für einen Mordanschlag mit einer Hantel gegeben. "Was Sie uns hier erzählen, ist nicht glaubhaft", stellte Staatsanwältin Rüling fest. Auch ihrem Mann gegenüber hatte die 50-Jährige die vermeintliche Hantel-Attacke als ein "Versehen" dargestellt. Das Gericht aber, so Richter Bott, werde sich mit dieser Darstellung wohl nicht zufrieden geben. Ein Urteil wird am Freitag erwartet.