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Verein "Dachau handelt":Gemeinsam stark

Dachau handelt

Der Vorstand stellt sich vor: Kassier Christian Tannek, Moderatorin Stefanie Zipfer, dritter Vorsitzender Ralf Weimer, stellvertretender Kassier Stefan Fichtl, Vorsitzende Isabel Seeber, stellvertretende Vorsitzende Susanne Reichl, Moderator und Vereinsbeirat Dominik Härtl (von links).

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Was zu Beginn der Krise zunächst als Infoplattform und später Initiative fungierte, ist nun ein eingetragener Verein namens "Dachau handelt". Dieser möchte auch in Zukunft die wirtschaftliche Zusammenarbeit im Landkreis fördern.

Von Emily Strunk, Dachau

Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie haben die Dachauer Gewerbetreibenden in den letzten Monaten näher zusammenrücken lassen. Was zur Hochphase der Krise zuerst als Infoplattform und später als Initiative für hiesige Betriebe fungierte, ist nun seit Ende vergangener Woche ein eingetragener Verein. Einer mit großen Plänen für den Landkreis. Bei der Gründungsveranstaltung im Ludwig-Thoma-Haus stellte "Dachau handelt" deshalb nicht nur seine Gründungsmitglieder, sondern auch besagte Pläne für die nahe Zukunft vor.

Die zwei Wirtschaftsverbände Dachaus, der Ortsverband "Die Münchner Straße" des Bundes für Selbstständige (BDS) und die der Werbegemeinschaft Leistung aus Dachau (LAD) haben sich nach jahrelanger Koexistenz zu einem neuen Verband für Gewerbetreibende des Landkreises zusammen geschlossen. Isabel Seeber, die neu gewählte Vorsitzende des entstandenen Dachverbands, erinnert zunächst an die Anfänge der Initiative zu Beginn des Lockdown im März. Die anfängliche "Schockstarre" sei nach einigen Tagen und dem Austausch mit Kollegen ersten Ideen gewichen, um die Branche in dieser schwierigen Situation zu unterstützen, so Seeber. Gerade die Einladung zum Gespräch im Rathaus mit Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) sei dabei eine große Hilfe und ein tragendes Symbol für die Betroffenen gewesen. Das hat uns gezeigt: "Wir wurden nicht vergessen", sagt Isabel Seeber.

"Diese Resonanz hat uns gleich bestätigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind"

Bereits nach wenigen Wochen entstand eine Infoplattform im Internet, auf der den Bürgern Dachaus ein Überblick über Lieferservice und anderen Leistungen von Einzelhändlern und Betrieben im Landkreis geboten wurde. Innerhalb kürzester Zeit hatten sich 300 Betriebe registriert, inzwischen sind es mehr als 500. "Diese Resonanz hat uns gleich bestätigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind", sagt Ralf Weimer, der dritte Vorsitzende und einer der Gründungsmitglieder des Vereins. Mit der Unterstützung der Marketing- und Kommunikationsagentur Weimer & Paulus GmbH, der Kreisstelle des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA), der Sparkasse und der Volksbank Raiffeisenbank, der SFS Steuerberatungsgesellschaft sowie der Stadt und des Landkreises entstand schließlich die Initiative "Dachau handelt".

Dachau handelt

Mit Landrat Stefan Löwl und Oberbürgermeister Florian Hartmann (erste Reihe, mittig) unterstützen auch zwei Kommunalpolitiker den neuen Verein.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Obgleich Landrat Stefan Löwl (CSU) betonte keinerlei "kommunale Grenzen" beim Handel ziehen zu wollen, ist es ihm ein wichtiges Anliegen die Gewerbetreibenden des Landkreises zu unterstützen und die Region zu stärken. Dazu seien finanzielle Hilfen und entsprechend günstige Rahmenbedingungen nötig, so der Landrat. Auch Florian Hartmann, der stellvertretend für die Stadt Dachau auch die erste Mitgliederurkunde unterzeichnete, betonte die verstärkte Bedeutung des regionalen Handelns: "Viele Menschen sehnen sich zurück zur Regionalität". Durch den Onlinehandel seien allerdings hiesige Geschäfte bedroht und mit ihnen die Städte, so der Oberbürgermeister. "Es ist wichtig sich zusammen zu tun und Regionalität als unsere Marke zu verkaufen", betont Hartmann und führt aus: "Dadurch entsteht Stärke". Diese Stärke sieht Hartmann auch im Verein "Dachau handelt", welcher nicht nur die Stadt Dachau, sondern alle Landkreisgemeinden mit einbindet. "Dadurch kann für die gesamte Region etwas Gutes entstehen."

Ralf Weimer ist der selbsternannte Marketingexperte der Initiative. Er kümmerte sich neben der Präsenz in den Sozialen Medien um die Beschaffung und Eigenproduktion von Infoplakaten, Abstandsklebeband und anderen Utensilien, durch welche Kunden beim Betreten des Ladengeschäfts auf die geltenden Bestimmungen hingewiesen wurden. Einzelhändler und kleine Betriebe ohne eigenständige Marketingabteilung hätten in diesem Punkt zu Beginn der Krise einen "eindeutigen Nachteil" hinnehmen müssen, so Weimer. Diese Nähe zu den Gewerbetreibenden möchte Weimer auch nach der Krise beibehalten. Für die Zukunft des Vereins bestehen auch darüber hinaus konkrete Pläne, welche Stefan Fichtl, Geschäftsführer der SFS und Vorsitzender der Feuerwehr Dachau, vorstellt. So sei beispielsweise die Einführung eines Gutschein- und Bezahlsystems, die "Dachau handelt Card", geplant sowie ein Benefitsystem für Mitarbeiter. Darüber hinaus soll die bereits bestehende Internetplattform ausgebaut und ein Stellenmarkt sowie ein digitales Schaufenster gleich einer Warenplattform in das Portal integriert werden, erläutert Fichtl. Für die Verwirklichung der Pläne sei es dabei entscheidend "die Politik in die Pflicht zu nehmen, so dass eine enge Kooperation entstehen kann", so Fichtl. Die anwesenden Politiker signalisierten sodann auch gleich ihre Unterstützung. Auch Wirtschaftsförderer des Landratsamts Peter Freis und Marlene Christ sind sich einig: "Wir können gemeinsam schaffen, was alleine zu schwierig ist". Auch der Bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger richtet lobende Worte an den Landkreis, in dem sich der Handel selbst organisieren, statt beschweren würde. "Gut, dass wir Leute, wie Sie haben!"

© SZ vom 28.07.2020

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