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Schulplanung:Dachauer Kreispolitiker sauer auf Ministerium

Besuch Angelika Niebler MdEP

"Jetzt soll wieder ein Gymnasium an der S-Bahn-Schiene entstehen und der Westen bleibt abgehängt. Eine Unverschämtheit", so Bergkirchens Bürgermeister Simon Landmann.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Die Mitglieder des Schulausschusses drängen auf den Standort Bergkirchen für das fünfte Gymnasium. Damit stellen sie sich gegen die Staatsregierung.

Der Landkreis will weiter für den Bau eines fünften Gymnasiums in Bergkirchen kämpfen. Kultus- und Finanzministerium stimmen der Errichtung eines weiteren Gymnasiums zwar grundsätzlich zu, lehnen bisher aber den Standort Bergkirchen wegen zu geringer Schülerzahlen ab. Die Ministerien favorisieren deshalb den Standort Röhrmoos. Der Landkreis will sich dieser Entscheidung nicht beugen, weil er die Gemeinden im Westen aus strukturpolitischen Gründen stärken will. Mit großer Mehrheit beschloss der Schulausschuss, bei den Ministerien auf den Standort Bergkirchen zu drängen.

Das fünfte Gymnasium im Landkreis sei zwar genehmigt, aber Zuschüsse vom Staat gebe es nur für einen Bau in Röhrmoos, sagte Landrat Stefan Löwl (CSU) im Schulausschuss. "Jetzt muss noch der Standort festgezurrt werden." Löwl hat das Kultusministerium gebeten, den Bau in Röhrmoos zu überdenken. Eine Entscheidung erwartet Löwl in den nächsten vier Wochen. Der Landkreis macht sich für den Standort Bergkirchen stark, weil die Gemeinden im Westen außer der Realschule in Odelzhausen keine weiterführenden Schulen haben. Die Gymnasien in Dachau und Indersdorf liegen relativ weit entfernt. Diesen bildungspolitischen Nachteil will der Landkreis beheben.

"Eine Unverschämtheit"

Die Verärgerung über die Entscheidung des Freistaats ist groß. "Sie ist eine absolute Frechheit", empörte sich Bergkirchens Bürgermeister Simon Landmann (CSU) im Schulausschuss. Das Votum des Kreistags für Bergkirchen werde ignoriert. "Jetzt soll wieder ein Gymnasium an der S-Bahn-Schiene entstehen und der Westen bleibt abgehängt. Eine Unverschämtheit", so Bergkirchens Bürgermeister. Marese Hoffmann (Grüne) stimmte ihm zu. "Wir müssen klar sagen, dass es eine Frechheit ist." Der Staat betone immer, dass er den Willen der Bürger anerkenne. Steffi Burgmair (CSU) plädierte dafür, die Standortfrage "mit Nachdruck bei der Staatsregierung zu platzieren". Der Westen sei mit weiterführenden Schulen unterversorgt, deshalb habe der Kreistag für den Standort Bergkirchen votiert.

Die grundsätzliche Genehmigung für den Bau des fünften Gymnasiums sei zwar gut, die Frage sei aber, wie die Ministerien mit der Planungshoheit des Landkreises umgehen, betonte Michael Reindl (Freie Wähler). Er glaubt, dass die statistischen Zahlen der Ministerien wie beim vierten Gymnasium falsch seien. Die Statistiken des Freistaats seien völlig beliebig, sagte Gerhard Hainzinger (CSU). Die Zahlen des Landkreises seien wesentlich genauer. "Wir haben uns aus strukturpolitischen Gründen für Bergkirchen entscheiden, die Entscheidung der Ministerien ist unverständlich."

"Es wird zeitnah Gespräche geben", so Seidenath

Für Jürgen Seidl (FDP) und Sebastian Leiß (Freie Wähler Dachau) war dagegen klar, dass Bergkirchen wegen der Schülerzahlen wenig Chancen haben werde. Das hätten sogar die Zahlen der Verwaltung gezeigt, so Leiß. Der Landkreis sei ein Risiko eingegangen. Nachtarocken bringe nichts.

Kreisrat und Landtagsabgeordneter Bernhard Seidenath (CSU) sieht die Genehmigung des fünften Gymnasiums als "wichtigen Meilenstein". Der Standort sei noch nicht in Stein gemeißelt. Er habe bereits mit Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) gesprochen und um einen Termin gebeten. "Es wird zeitnah Gespräche geben", so Seidenath. Der Schulausschuss votierte dafür, dass sich der Landrat in einem Schreiben beim Kultusministerium für den Standort Bergkirchen einsetzen soll.

Abgelehnt wurde der Antrag der Freien Wähler Dachau, das fünfte Gymnasium in Petershausen zu bauen. Dafür schlug die Kreistagsfraktion eine Kooperation mit den Landkreisen Freising, Pfaffenhofen an der Ilm und Neuburg-Schrobenhausen vor. Die Zusammenarbeit sollte die Kosten auf mehrere Schultern verteilen und die Zahl der Schüler erhöhen, die für den Bereich Petershausen zu niedrig waren. Auch die Kosten für die Schülerbeförderung seien günstiger, weil Petershausen an der S-Bahn liegt. "Lieber einen guten als einen schnellen Standort", sagte Leiß im Schulausschuss. Die Nachbarlandkreise sehen allerdings laut Albert Herbst, Sachgebietsleiter Schulen am Landratsamt, keinen Bedarf für eine Kooperation. Zudem sei eine Zusammenarbeit mit Nachbarkommunen aufwendig, wie das Beispiel viertes Gymnasium in Karlsfeld zeige. Löwl sagte: "Die Geldfrage ist eine Augenwischerei."

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