Bahnhof Dachau Parkhaus für 1200 Fahrräder

Der Münchner Verkehrsverbund hat einen Bedarf von 900 Stellplätzen errechnet, die Stadt legt noch 300 drauf. Nötig wäre das Parkhaus schon jetzt.

(Foto: Toni Heigl)

Im Münchner Umland ist das Projekt bislang einzigartig: Dachau bekommt ein Radlparkhaus mit Fotovoltaikanlage, Ladestationen und Toiletten.

Von Viktoria Großmann, Dachau

Es wird eine echte Aufwertung des Bahnhofs Dachau werden und ein Alleinstellungsmerkmal im Vergleich zu anderen Bahnhöfen im Umland: Dachau bekommt ein zweistöckiges Fahrradparkhaus. Das ist nicht nur eine wichtige Nachricht für alle Radfahrer, sondern auch für alle, die am Bahnhof schon einmal eine Toilette gesucht haben. Im Gebäude ist nämlich eine öffentliche WC-Anlage inklusive behindertengerechte Toilette vorgesehen.

Das Parkhaus beschlossen haben die Mitglieder im Bauausschuss schon im Juni 2014, seit April dieses Jahres wird daran gearbeitet, nun liegen detailliertere Planungen für das zweistöckige Gebäude vor. Auf deren Grundlage kann die Stadt nun mehrere Anträge auf finanzielle Förderung einreichen. Diese sollen gemäß Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz und Finanzausgleichsgesetz an die Regierung von Oberbayern, ergänzend an die Landeshauptstadt München sowie an das Bundesministerium für Umwelt gehen. Dieser Antrag kann erst im neuen Jahr gestellt werden, seine Bearbeitung kann sich sehr lange hinziehen. Wie viel Förderung letztendlich dabei herauskommt, ist kaum abzusehen, wie Ariane Jungwirth vom Stadtbauamt erklärte. Von der Bearbeitung dieses Förderantrags wird der zeitliche Plan für den Bau des Parkhauses abhängen. Insgesamt soll die Garage 2,215 Millionen Euro kosten.

Die Planer sind Dachauer Architekten

Die Architekten aus den Büros pmp Anton Meyer und Topgrün, beide aus Dachau, planen natürlich nicht einfach nur einen Unterstand. Das Haus wird Platz bieten für etwa 1200 Fahrräder und 14 Motorräder. Mit der Anzahl der Radstellplätze übererfüllt die Stadt bereits die Prognosen. Laut einer Berechnung des Münchner Verkehrsverbundes werden mindestens 900 Plätze benötigt. Die Stadt plant schon jetzt genügend Raum ein, um die Zahl von 1200 später noch erweitern zu können.

Auch Anschlüsse für Ladestationen für E-Bikes werden vorgesehen. Zudem wird Raum gelassen für eine sukzessive Einrichtung von größeren Stellplätzen für Liegeräder, Erwachsenendreiräder, Tandems und Fahrräder mit Anhänger. Zusätzlich sind zunächst 20 sogenannte Premiumboxen, also kleine Mietgaragen vorgesehen. Auf dem Dach des Parkhauses soll eine Fotovoltaikanlage eingerichtet werden, die das Gebäude mit dem notwendigen Strom versorgt.

Die Benutzer sollen sich sicher fühlen

Dieser wird wohl nur zu kleinen Teilen für Beleuchtung benötigt werden, denn das Gebäude soll möglichst offen und transparent gestaltet werden. Die Stadt möchte damit erreichen, dass die Benutzer sich sicher fühlen in dem Haus und dadurch auch bereit sind, ihr Fahrrad hinein zu fahren. Außerdem soll mutwilligen Beschädigungen vorgebeugt werden. Auf die Oberflächen wird eine Beschichtung aufgebracht, auf der Sprayfarben und Filzstifte schlecht haften, eine sogenannte Antigraffitibeschichtung. Gegen Fahrraddiebe oder Randalierer soll das Gebäude auch mit einem Videoüberwachungssystem geschützt werden. Die Stahlbetonkonstruktion soll teils eine transparente Hülle bekommen, im Erdgeschoss wird die Fassade an einigen Stellen mit Rankpflanzen begrünt.

Errichtet werden soll das Haus auf der Ostseite des Dachauer Bahnhofs, vorgesehen sind mindestens drei Zuwege pro Stockwerk. Im Bauausschuss gab es eine kurze Diskussion um die Anbindung des Parkhauses an die Verkehrswege, die CSU-Stadtrat Moll nicht umfassend genug erschien. Das Haus müsse von vier Seiten zugänglich sein, sagte er. Ariane Jungwirth erklärte, der Bau des Fahrradparkhauses geschehe im Zusammenhang mit der Neuaufstellung des überregionalen Fahrradnetzes. Auf lange Sicht werde ein Fahrradweg von der Friedenstraße über die Schleißheimer Straße bis zum Bahnhof auf Höhe des Bahndammes geführt. Radler können dann direkt vom Radweg ins obere Stockwerk des Parkhauses hinein fahren.

Mit dem Bau kann erst begonnen werden, wenn alle Förderfragen geklärt sind. Die Mitglieder des Bauausschusses stimmten der Planung einstimmig zu.