Dachau:Greta Fischer wäre stolz

Greta-Fischer-Schule

Ein Miteinander: Die Schulgemeinschaft setzt sich gegen Mobbing und Diskriminierung aller Art ein.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Die Dachauer Greta-Fischer-Schule erhält den Titel "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage"

Von Arthur Weht, Dachau

An der Greta-Fischer-Schule in Dachau laufen die dritte und vierte Stunde an diesem Montagvormittag etwas anders ab als sonst. Die ganze Schulgemeinschaft verfolgt gespannt das Geschehen auf der Bühne in der Aula. Die Einrichtung erhält offiziell den Titel "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage". Schulen mit diesem Titel wenden sich aktiv gegen jede Form von Diskriminierung, Mobbing und Gewalt. Um ihn zu bekommen, müssen mindestens 70 Prozent aller Menschen, die an der Schule lernen und arbeiten, in einer geheimen Abstimmung sich für diese Selbstverpflichtung entscheiden.

Seit März 2020 warten die Schülerinnen und Schüler ebenso wie die Lehrerschaft der Greta-Fischer-Schule bereits auf diesen Moment. Das Ergebnis der damaligen Abstimmung sei eindeutig für den Erwerb des Titels gewesen, so die zweite Schulkonrektorin Ingrid Guth. Damals musste der Festakt, auf dem die Schule die Auszeichnung bekommen hätte sollen, wie so viele andere Veranstaltungen aufgrund von Corona abgesagt werden. Umso feierlicher ist am Montagvormittag die Stimmung, die trotz des hybriden Charakters der Veranstaltung deutlich zu spüren ist. In der Aula selbst können von der Schülerschaft nur Schüler- und Klassensprecher anwesend sein. Der Rest der Schule musste über eine Videokonferenzsoftware das Ereignis aus den Klassenzimmern heraus mitverfolgen.

Lehrer Markus Baumann und Lehrerin Marie Hell moderieren die etwas über eine Stunde lange Veranstaltung für die 23 Klassen der Stufen eins bis neun. Ansprachen der Schulleitung und der Schülersprecher werden durch eingespielte Videos ergänzt. Zu Beginn wird ein Video gezeigt, das Rassismus für die teils noch sehr jungen Zuschauer erklärt. Schulrektorin Viktoria Spitzauer kann krankheitsbedingt nicht dabei sein. Stellvertretend für sie erläutert aber die Schulkonrektorin Guth das nächste große Projekt, das sich mit der Vielfalt der Schülerinnen und Schüler an der Schule befassen soll. Jede Klasse bekommt ein Land zugewiesen, das dann im Laufe des Schuljahres den anderen Klassen vorgestellt werden soll. Die Ergebnisse werden um eine große Weltkarte herum in der Aula aufgehangen.

Eine musikalisch harmonische Umrahmung liefert die Band Affentheater, die gleichzeitig die Patenschaft für die Schule im Rahmen des Projekts "Schule ohne Rassismus" übernimmt. Sänger Tobias Eichhorn erklärt, dass eine Schule gegen Rassismus und eine Band gegen Rassismus gut zusammenpassen. Die Musiker positionieren sich seit geraumer Zeit - auch in ihren Songs - gegen rechts. So beschränkt sich die Combo nicht nur auf eigene deutsche Kompositionen, sondern bringt mit "Ausencia" ein Cover der Sängerin Cesária Évora von den Kapverdischen Inseln zum Besten.

Im Rahmen von unterschiedlichen Projekten während der sogenannten "GRETA-Woche" befassen sich die Schülerinnen und Schüler außerdem immer wieder mit dem Thema Rassismus und verinnerlichen die Werte Gemeinschaft, Respekt, Ehre, Toleranz und Achtung, die aus den Buchstaben des Vornamens der Namensgeberin der Schule abgeleitet sind. Die Sozialpädagogin Greta Fischer (1919 -1988) trotzte dem NS-Terror und kümmerte sich in der Nachkriegszeit im Kloster Indersdorf um traumatisierte Waisenkinder.

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