Infrastruktur in DachauDreifach-Turnhalle statt „Event-Arena“

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Anfang der 1970er-Jahre war die Georg-Scherer-Halle im Dachauer Sportpark an der Gröbenrieder Straße eine Turnhalle auf dem neuesten Stand. Inzwischen ist die Mängelliste lang.
Anfang der 1970er-Jahre war die Georg-Scherer-Halle im Dachauer Sportpark an der Gröbenrieder Straße eine Turnhalle auf dem neuesten Stand. Inzwischen ist die Mängelliste lang. Alexandra Vettori
  • Der Dachauer Stadtrat beschließt eine abgespeckte Dreifachturnhalle statt der geplanten „Event-Arena", um Kosten zu sparen. Die soll 45 Millionen statt 63 Millionen Euro kosten.
  • Die neue Georg-Scherer-Halle muss bundesligatauglich für Hand- und Volleyball sein und bietet Platz für 1500 Zuschauer.
  • Die alte Eishalle muss dem Neubau weichen, der Eissportverein Woodpeckers plant jedoch eine eigene Eisarena für sieben Millionen Euro.
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Der Stadtrat beschließt eine Spar-Variante für die neue Georg-Scherer-Halle, die trotzdem 45 Millionen Euro kosten soll. Denn sie muss bundesligatauglich sein.

Von Alexandra Vettori, Dachau

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Zumindest auf dem Papier geht es jetzt wirklich los mit dem Bau der neuen Georg-Scherer-Halle. Der Bauausschuss des Dachauer Stadtrats hat jüngst eine Planungsvariante beschlossen. Alle hoffen, dass damit eine Debatte endet, die mehr als zehn Jahre andauert.

Es wird zwar nur eine abgespeckte Version der „Event-Arena“ aus dem Architektenwettbewerb im Jahr 2023, trotzdem kostet sie voraussichtlich 45 Millionen Euro. Weil der Siegerentwurf von damals inzwischen aber auf 63 Millionen käme, hat der Stadtrat nur eine Dreifachturnhalle für die Pflichtaufgaben der Stadt beschlossen. Hauptnutzer ist wie bisher der Sportverein ASV Dachau, mit rund 4000 Mitgliedern der größte im Landkreis.

So soll die neue Dreifachturnhalle einmal aussehen.
So soll die neue Dreifachturnhalle einmal aussehen. Simulation: P S A Architekten + Ingenieure + Stadtplaner BDA, BAB
Die bestehende Sporthalle entspricht längst nicht mehr den Anforderungen.
Die bestehende Sporthalle entspricht längst nicht mehr den Anforderungen. Alexandra Vettori

Die große Grenze bei den Einsparungen für die Halle heißt Bundesligatauglichkeit für Hand- und Volleyball. Die aktuelle Saison bestreiten die ASV-Volleys zwar in der zweiten Liga, doch nach drei ruhmreichen Jahren davor rechnet man durchaus mit der Rückkehr in die 1. Bundesliga. Deshalb blieb es in der Planung für den Neubau bei Zuschauertribünen für 1500 Menschen und entsprechenden Zusatzräumen.

Neben dem Vereinssport haben auch rund 700 Schulkinder der nahen Grund- und Mittelschule in der abgewirtschafteten Georg-Scherer-Halle Sportunterricht. Die Belüftung ist schlecht, das Dach undicht, die Böden sind schadhaft, die Sanitäranlagen veraltet. „Sagen wir mal so: Wir sparen uns viel Geld, weil niemand hier duschen mag“, sagt der ASV-Vorsitzende Andreas Wilhelm am Telefon. Weil seit 2012 klar ist, dass aus wirtschaftlichen Gründen ein Neubau kommen muss, habe man nur noch repariert, was sicherheitsrelevant war.

Der Baubeginn ist noch nicht absehbar

Auf einen Baubeginn 2027 für die neue Scherer-Halle, wie von den Architekten bei der Ausschuss-Sitzung angedacht, will sich der Dachauer OB Florian Hartmann (SPD) am Telefon allerdings nicht festlegen. „Die Aussage nehme ich erst mal freudig zur Kenntnis, glaube sie aber nicht“, lautet sein Kommentar.

Klar sei zum jetzigen Zeitpunkt nur, dass zunächst die Genehmigungsplanung erfolgt, dann die Baugenehmigung, und parallel würden Förderungen für Schulsport beantragt. Dann kommen die europaweite Ausschreibung und die Auftragsvergabe. „Und dann sehen wir weiter“, so Hartmann.

Der jetzigen Planung zugrunde liegt der Siegerentwurf des Münchner Büros PSA Architekten von 2023. Allerdings wird nur die Dreifach-Turnhalle gebaut, der zweite Bauabschnitt entfällt – also ein Parkhaus, eine weitere Halle, ein Fitnesscenter, Multifunktionsräume und die neue ASV-Geschäftsstelle.

Interessant dürfte werden, wie die Planer ohne Parkhaus die Stellplatzfrage lösen. In der Sitzungsvorlage heißt es: „Ein mögliches Defizit an Stellplätzen muss bei Entfall des Parkhauses über andere Lösungswege, z.B. einem Mobilitätskonzept, Wechselnutzungen von Stellplätzen, Shuttle-Service o. ä. kompensiert werden.“

Die alte Eishalle muss dem Neubau weichen

Alle Beteiligten hoffen, dass jetzt das mehr als zehn Jahre währende Hin-und-her beendet ist, bei dem es vor allem um Standortvarianten ging. Denn eine neue Georg-Scherer-Halle bedeutet das Aus der beliebten, aber auch schon betagten Eisbahn. An ihrem Standort gleich nebenan wird die neue Sporthalle entstehen, denn der Betrieb im Bestandsbau muss während der Bauzeit weitergehen.

Die Lösung des Dilemmas bot vor knapp zwei Jahren der Dachauer Eissportverein Woodpeckers: Er kündigte an, selbst eine neue Eisarena zu bauen. Die Stadt stellte ein Grundstück an anderer Stelle im Sportpark zur Verfügung. Seither kämpfen aber auch die Woodpeckers mit den Widrigkeiten, denen man sich als Bauherr stellen muss. „Es ist deutlich komplizierter als gedacht“, räumt deren Vereinsvorsitzender Stefan Steuer auf die Frage nach dem Stand der Dinge ein. Er meint nicht nur die Verhandlung mit der Stadt, sondern auch die komplizierte Entwässerung des Arena-Dachs, mit der man sich planerisch gerade herumschlägt.

Die neue Eisarena der Woodpeckers soll sieben Millionen kosten

Verträge mit der Stadt sind nötig, weil diese sich gegen finanzielle Beteiligung Zeiten für den öffentlichen Eissport sichern will. Andererseits gibt es die Vorgaben der Sportförderung durch den Freistaat, die den Bau mit geschätzten Kosten von sieben Millionen Euro erst möglich macht, aber eben auf Vereinssport abzielt. „Das müssen wir ausgewogen vertraglich gestalten“, sagt Steuer. Die Planung aber sei weitgehend fertig, betont er. Noch vor der Sommerpause werde man eine Bauvoranfrage bei der Stadt stellen, in einigen Punkten gebe es noch Abstimmungsbedarf.

Dass der Betrieb in der Georg-Scherer-Halle während der Bauzeit weiter läuft, ist auch deshalb wichtig, weil der ASV hier drei Gruppen aus den Mittagsbetreuungen der benachbarten Schulen beherbergt, Stichwort „bewegte Mittagspause“. In den Stunden davor betreibt er hier die Kleinkinderbetreuung „Zwergerlgarten“. All das soll auch in Zukunft so bleiben. Die Räume für die Kinder, das freut den ASV-Vorsitzenden besonders, sind im ersten Bauabschnitt der neuen Georg-Scherer-Halle enthalten.

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