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Dachau:Aussiedlungspläne lösen gemischte Gefühle im TSV aus

Einen Tag nach der entscheidenden Stadtratssitzung treffen sich die Mitglieder. Nicht alle begrüßen die kleine Lösung.

Sie sitzen zunächst schweigend am Tisch im urigen Sportheim des TSV Dachau 1865 und hören den Ausführungen zu, warum die Umsiedlung des Sportvereins TSV Dachau 1865 so kompliziert ist. Und warum nur eine kleine Lösung möglich erscheint. Am Ende der Mitgliederversammlung am Mittwochabend aber werden die schweigsamen Herren an jenem Tisch doch noch gesprächig. Sie sind alles andere als zufrieden mit der vorgestellten Lösung. Für viele im Raum sind sie die eigentlich Verantwortlichen dafür, dass aus dem Umzug des TSV Dachau 1865 auf ein neues Sportgelände östlich der Theodor-Heuss-Straße bis heute nichts geworden ist, obwohl er immer wieder groß angekündigt wurde.

Die Männer an dem Tisch sind die Eigentümer der Grundstücke, die der Verein so dringend braucht, um seine maroden Sportstätten an der Jahnstraße verlassen zu können. Sie wollen anonym bleiben, doch unkommentiert wollen sie den Vortrag vom TSV-Vorsitzenden Wolfgang Moll und Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) nicht stehen lassen. "Wir machen der Stadt seit vielen Jahren Angebote. Aber es wird immer so dargestellt, als wären wir die Schuldigen", sagen sie. Mit dem ehemaligen Dachauer OB und TSV-Mitglied Peter Bürgel seien Verträge bereits ausgehandelt und notariell beglaubigt worden. Unter OB Hartmann, der seit 2014 im Amt ist, habe die Stadt die Fristen verstreichen lassen und die Verträge nicht weiterverfolgt. "Von unserer Seite wäre der Verein schon vor zehn Jahren umgezogen", sagen sie. Die Stadt unterbreitete allen Grundstückseigentümer das gleiche Angebot, sie wollte 50 Euro pro Quadratmeter zahlen. "Das ist für uns nicht akzeptabel. Das Angebot hat nichts mit dem zu tun, was vor zehn Jahren ausgemacht wurde."

Seit 15 Jahren bemüht sich der TSV 1865 vergeblich um eine Umsiedelung auf ein Areal östlich der Theodor-Heuss-Straße. Die Verhandlungen mit den Grundstückseigentümer will der Verein nun einstellen.

(Foto: Toni Heigl)

Während der öffentlichen Diskussion im voll besetzten Sportheim schwiegen sie. Etwa 80 Vereinsmitglieder, zahlreiche Stadträte, der Sportreferent Günter Dietz (CSU) und der Dachauer Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) sind gekommen. TSV-Vorsitzender Wolfgang Moll hat sich schick gekleidet mit einem Sakko aus glänzend blauem Stoff und dazu passender Krawatte. Denn es ist ein wichtiger Abend für den Verein. Die Mitglieder begrüßt er alle per Handschlag, Spätankömmlingen organisiert er noch Stühle, damit auch alle Platz haben. "Ihr sollt Euch alle mitgenommen fühlen", sagt er den Mitgliedern. "Das ist uns ganz wichtig."

"Die Aussiedlung ist in weite Ferne gerückt"

Moll ist an diesem Abend nicht zu beneiden. Er hat extra eine Mitgliederversammlung einberufen, um über den neuesten Stand der Umzugspläne des Vereins zu berichten. Er hat schlechte Nachrichten. Aus der Umsiedlung des Vereins wird in absehbarer Zeit nichts. "Die Aussiedlung ist in weite Ferne gerückt, wenn nicht sogar erstklassig beerdigt worden", sagt Moll, nachdem die Stadt Dachau und der Vereinsvorstand bereits am Vormittag eine kleine Lösung vorgestellt hatten. Sie sieht eine teilweise Verlagerung der Sportstätten des TSV auf ein Areal östlich der Theodor-Heuss-Straße vor. Statt, wie ursprünglich angedacht, 140 000 Quadratmeter, stehen dem Verein dort nur 31 000 zur Verfügung. Bei acht von 13 Grundstücken konnte die Stadt Dachau mit den Eigentümern keine Einigung erzielen. Nun soll östlich der Theodor-Heuss-Straße in den kommenden zwei Jahren definitiv ein Kunstrasenplatz gebaut werden, vielleicht auch eine Mehrzweckhalle, so genau weiß man das im Verein und bei der Stadt noch nicht.

Der Vorsitzende des TSV 1865, Wolfgang Moll, sagt: "Wir sehen unseren Auftrag als abgeschlossen an. Mehr Engagement und finanziellen Aufwand kann von einem Verein nicht aufgebracht werden."

(Foto: Toni Heigl)

Wolfgang Moll weiß offensichtlich selbst nicht so recht, was er davon halten soll. Erst spricht er von einem "Durchbruch", dann bezeichnet er die Lösung als "ernüchterndes Ergebnis". Auf einer Schautafel ist das neue Sportgelände illustriert, das der Verein gerne gehabt hätte. Mit Papierstreifen klebt Moll die Fläche ab, die dem Verein nun zur Verfügung steht. Im Publikum wird gegrummelt, vereinzelt schütteln die Menschen den Kopf. Dass die Fläche so klein sein würde, haben viele so nicht erwartet. Ein Mann aus der Tennisabteilung echauffiert sich: "Das soll doch ein Witz sein. Das ist gar nix." Moll wirkt einen Moment lang verlegen. Dann erklärt er, dass die teilweise Umverlagerung ein Schritt in die richtige Richtung sei. Er verspricht, dass die bestehenden Sportstätten an der Jahnstraße nun sukzessive saniert werden. Die Umsiedlung auf eine Fläche östlich der Bahn werde weiter verfolgt. Die zweite Heimstätte des Vereins in Dachau-Ost bleibe erhalten, der Fußball-Hauptplatz dort werde saniert.

Wut und Resignation

Die Kritiker haben sich um den Ehrenvorsitzenden des TSV, Richard Reisböck am Stammtisch der Gaststätte geschart. Während der Veranstaltung hören sie nur zu. Reisböck hatte während seiner Amtszeit die Aussiedlung als sein großes Ziel verkündet und scheiterte. In einer Mischung aus Wut und Resignation sagt er nach der Diskussion: "Das ist alles nur Bla bla. Die Stadt will das neue Sportgelände nicht haben." Sein Freund und TSV-Sponsor Hans Rapp wird richtig laut: "Das ist alles Larifari, alles nur Show. Diejenigen, die 60 Jahre alt sind, werden den Umzug nicht mehr erleben." Der Abteilungsleiter der Judoka, Tilo Ederer, übt ebenfalls Kritik. Er muss mit seinen Schützlingen weiter in der maroden Jahnhalle trainieren. Wann und wo eine neue Halle entstehen könnte, ist unklar: "Die neue Lösung verbessert unsere Situation nicht."

Aber es gibt auch andere Stimmen: "Die Ungewissheit, die wir hatten, ist durch eine Gewissheit ersetzt worden", sagt Bernd Mordhorst, der Abteilungsleiter der Bogenschützen. Seine Aussage spiegelt die Stimmung unter den Mitglieder wider. Denn sie sind die leeren Versprechungen aus den vergangenen 15 Jahren satt. Dass der Oberbürgermeister Tatsachen schafft, stimmt viele zufrieden. Fußball-Abteilungsleiter Konrad Kirschberger sagt über den versprochenen Neubau eines Kunstrasenplatzes: "Bei schlechter Witterung brauchen wir Trainingsmöglichkeiten. Das scheint sich jetzt zu regeln. Das verbessert die Situation deutlich." Anscheinend hat OB Hartmann mit der Zusicherung gepunktet, dass das gesamte Areal östlich der Theodor-Heuss-Straße, das für die Aussiedlung vorgesehen ist, nie und nimmer Bauland wird, sondern für den Sport rechtlich verbindlich reserviert wird. Die Grundstückseigentümer sagen kopfschüttelnd: "Unter den gegebenen Bedingungen wird es keine Einigung geben."