Lyrik-Wettbewerb„Wenn man den Anfang mal hat, kommt das Gedicht von allein“

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Poesie am Josef-Effner-Gymnasium: Seit zehn Jahren organisiert Rita Klumpp den jährlichen Lyrik-Wettbewerb.
Poesie am Josef-Effner-Gymnasium: Seit zehn Jahren organisiert Rita Klumpp den jährlichen Lyrik-Wettbewerb. Niels P. Jørgensen

Jedes Jahr veranstaltet das Josef-Effner-Gymnasium einen Lyrik-Wettbewerb. Heuer werden die besten Gedichte am Welttag der Poesie bei einer Lesung in der Dachauer Stadtbücherei vorgetragen. Was fasziniert die jungen Autorinnen und Autoren an Lyrik?

Von Konstanze Eidenschink, Dachau

Aufgeregt sitzen die Schülerinnen und Schüler des Josef-Effner-Gymnasiums in einem Raum der Stadtbibliothek Dachau. Am Welttag der Poesie, dem 21. März, dürfen sie hier ihre selbst geschriebenen Gedichte vor Freunden und Familie vortragen. Verfasst wurden die Werke schon für den Lyrik-Wettbewerb im vergangenen Jahr. Rita Klumpp, Lehrerin am Effner-Gymnasium und Mit-Organisatorin des Wettbewerbs, ist begeistert von der Kreativität ihrer Schützlinge. Auch die Leidenschaft der Sechst- bis Zwölftklässler ist spürbar, als sie ihre Werke vortragen.

Es geht um Alltagserfahrungen, Natur, kindliche Lebensweisheiten, die Vergänglichkeit und noch viel mehr – all das verpacken die Schülerinnen und Schüler in ihren Gedichten. Zuhörerinnen und Zuhörer werden entführt in eine andere Welt: Eine Welt, die Poetinnen und Poeten mit jungen Augen betrachten und mit dichterischer Sprache malen. Der Ausdruck in der Lyrik scheint das richtige Maß an Freiheit für die jungen Autorinnen und Autoren zu bedeuten – wie ein Bild, das auf eine Leinwand ohne Rahmen gepinselt wird. Die Kreativität, die aus den jungen Köpfen sprudelt, kann frei in die Gedichte fließen. Dementsprechend leicht fällt ihnen das Dichten, wie die Jugendlichen erzählen.

Die lyrische Lesung der Werke vom Vorjahr findet unter dem Motto „Wir feiern gemeinsam 60 Jahre!“ statt: Denn am 25. Welttag der Poesie veranstaltet die Schule ihre Lyrik-Lesung, der Wettbewerb findet in diesem Jahr zum zehnten Mal statt, gleichzeitig feiert die Stadtbücherei Dachau heuer ihr 50-jähriges Bestehen. Die Gedichte regen zum Nachdenken an, geben Einblick in die verwirrende Welt eines Teenagers, sind humorvoll und mitreißend. Die vorgegebenen Leitthemen für die jungen Dichterinnen und Dichter lauteten im Vorjahr: „welt...ëffner“, „Im Netz“, „Zeitkapsel“, „Grenzgänge“ und „Blau“. Wie jedes Jahr wurden die Sieger-Gedichte in der Anthologie-Reihe „Lyrik am Effner“veröffentlicht.

Nach der Lesung gibt es noch Kuchen zum insgesamt 60-jährigen Bestehen von Stadtbücherei und Lyrik-Wettbewerb.
Nach der Lesung gibt es noch Kuchen zum insgesamt 60-jährigen Bestehen von Stadtbücherei und Lyrik-Wettbewerb. Niels P. Jørgensen
Max besucht die sechste Klasse des Effner-Gymnasiums. In seinem Gedicht befasst er sich mit Netzen der unterschiedlichsten Art.
Max besucht die sechste Klasse des Effner-Gymnasiums. In seinem Gedicht befasst er sich mit Netzen der unterschiedlichsten Art. Niels P. Jørgensen
Lena (siebte Klasse) findet, die Sprache in Gedichten rege zum Nachdenken an.
Lena (siebte Klasse) findet, die Sprache in Gedichten rege zum Nachdenken an. Niels P. Jørgensen
„Dichten ist wie ein Muskel, den man trainieren muss“, findet Katharina aus der neunten Klasse.
„Dichten ist wie ein Muskel, den man trainieren muss“, findet Katharina aus der neunten Klasse. Niels P. Jørgensen

„Reime faszinieren mich“, erzählt Max. Er besucht die sechste Klasse des Effner-Gymnasiums und hat ein Gedicht über die Vernetzung der Welt verfasst – in verschiedenster Form, wie Netzstrumpfhosen, Spinnennetzen oder Stromnetzen. Ihn begeistert an der Lyrik, dass er seine Gedanken hier zu etwas Größerem werden lassen kann. Sein Gedicht husche ihm eigentlich von allein aufs Blatt, erzählt Max, er habe einfach aufgeschrieben, was ihm so durch den Kopf ging. Wenn ihm mal besonders langweilig sei, dichte er auch in seiner Freizeit – außerhalb des schulischen Rahmens, aber motiviert von schulischer Inspiration.

Auch Lena aus der siebten Klasse musste kaum über ihr Gedicht nachdenken, da hatte sie es schon aufs Papier geschrieben - obwohl ihr das Schreiben normalerweise gar nicht so leicht falle, sagt sie. Aber vielleicht fängt die Form eines Gedichts genau diese kindliche Kreativität auf, ohne große Einschränkungen können junge Dichterinnen und Dichter ihren Gedanken erst einmal freien Lauf lassen. Lena dichtet übrigens auch gerne in ihrer Freizeit: nämlich auf Karten für ihren Opa, der selbst „ein großer Dichter“ sei, wie sie erzählt.

In Gedichten werden Erlebnisse verarbeitet

Katharina und Valerie aus der neunten Klasse verbindet ebenfalls der Spaß am Dichten. „In einem Gedicht kann ich eine Botschaft direkt oder auch indirekt vermitteln“, sagt Valerie. Das Dichten ist für sie, was für andere Menschen vielleicht ein Tagebuch-Eintrag darstellt: Sie verarbeite damit ihre Erlebnisse und beschäftige sich mit Erfahrungen, die sie begeistern. Die beiden Neuntklässlerinnen sind sich aber einig: Eigentlich spiele Lyrik in ihrer Altersklasse kaum eine Rolle, Katharina und Valerie dichten allerdings auch gerne in ihrer Freizeit. „Für mich ist es weniger eine Botschaft, sondern mehr eine Atmosphäre, die ich mit meinen Gedichten schaffen will“, erklärt Katharina und fügt hinzu: „Ich kann Emotionen dabei klar und gleichzeitig auch unklar ausdrücken, ohne sie wirklich auszusprechen.“

Die besonders freie Art des Ausdrucks schätzt auch Philomena aus der zwölften Klasse an der Lyrik. Sie habe ein ausgeprägtes Grundinteresse an Sprache, den Spaß am Dichten habe sie aber eher durch die Lyrik im Rahmen der Schule gefunden. Das Leitthema helfe ihr beim Schreiben, schwerfällt aber auch ihr das Dichten nicht: „Wenn man den Anfang mal hat, kommt das Gedicht eigentlich von allein.“

Die Schülerinnen und Schüler sind sich im Gespräch zwar einig, dass Lyrik in ihrer Altersklasse allgemein keine große Rolle spielt. Am Effner-Gymnasium scheint das anders zu sein, 262 Gedichte wurden voriges Jahr eingesandt. Beim Lyrik-Wettbewerb treffen sich die jungen Dichterinnen und Dichter, um ihre Kunst miteinander zu teilen. Die Begeisterung für Lyrik eint die verschiedenen Altersklassen bei der Lesung. Die Schülerinnen und Schüler stellen unter Beweis, wie zeitlos Gedichte sind. Und für sie scheint es ein Kinderspiel zu sein, ihre Kreativität in Lyrik zu verwandeln.

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